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DFB-Team

Jogis Elf im EM-Check: Das Formbarometer vor dem Auftakt gegen Frankreich

Dominik Hager
Jun 9, 2021, 3:28 PM GMT+2
Die DfB-Elf präpariert sich für den Auftakt. Wie unser EM-Check zeigt, gilt es nur noch kleinere Probleme zu lösen.
Die DfB-Elf präpariert sich für den Auftakt. Wie unser EM-Check zeigt, gilt es nur noch kleinere Probleme zu lösen. / FEDERICO GAMBARINI/Getty Images
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Der EM-Auftakt für die DFB-Elf gegen Frankreich (15. Juni) rückt unaufhaltsam näher. Die vergangenen Testspiele und die letzten Spiele in der Bundesliga haben uns zumindest eine ungefähre Vorstellung dafür gegeben, wie weit Jogis Jungs sind und wie viel noch zur Top-Form fehlt. Wir nehmen die einzelnen Mannschaftsteile genauer unter die Lupe. Das EM-Barometer zeigt an, ob sich der jeweilige Mannschaftsteil bereits in EM-Form befindet.

1. Tor

Manuel Neuer
Lars Baron/Getty Images

Die Torhüter-Position ist in Deutschland traditionell sehr selten ein Problem. Dank Manuel Neuer ist das DFB-Team hier ohnehin seit über einem Jahrzehnt ganz stark besetzt.

Im Vergleich zur WM 2018 kam Neuer verletzungsfrei durch die Saison und hat eine gute Runde hinter sich gebracht. Neuer lässt keinen Zweifel an seiner Form und seinem Nummer-1-Status.

Mit Marc-André Ter Stegen fällt jedoch leider der einzige Torhüter aus, der sich auf einem ähnlich hohen Niveau befindet, wie der Welttorhüter. Sollte es hart auf hart kommen, könnte sich Joachim Löw aber auch auf Kevin Trapp und Bernd Leno verlassen.

EM-Barometer: 90 Prozent

2. Innenverteidigung

Mats Hummels
ODD ANDERSEN/Getty Images

Nicht nur wegen der schweren Klatsche gegen Spanien galt die Innenverteidigung in den letzten Jahren als Sorgenkind. Das Weltklasse-Abwehr-Duo Boateng und Hummels konnte die neue Generation nie ersetzen.

Allerdings hat sich auf dieser Position vieles zum besseren gewandelt. Mit Mats Hummels kehrt viel Erfahrung und Führungsstärke zurück. Zudem befindet sich Antonio Rüdiger als frischgebackener Champions-League-Sieger in der Form seines Lebens. Als dritter Verteidiger wird wohl Matthias Ginter auflaufen, der nicht das Potenzial von Rüdiger oder Hummels besitzt, jedoch in den letzten Länderspielen sehr verlässlich spielte und vor allem im Spielaufbau glänzte.

In der Hinterhand hat Joachim Löw noch Niklas Süle, der körperlich noch immer ein paar Defizite haben soll und Robin Koch, der aber wohl keine Rolle spielt. Notfalls könnten auch Halstenberg und Klostermann aushelfen.

Zwar wäre die Abwehr mit Boateng noch eine Ecke stärker, jedoch scheint der Bundestrainer eine recht stabile Dreierkette gefunden zu haben. In den Testspielen gegen Dänemark und Lettland war eine kleine Steigerung zu sehen. Gegen die Franzosen muss das Abwehr-Trio aber noch mal eine Schippe drauflegen.

EM-Barometer: 75 Prozent

3. Außenverteidigung

Robin Gosens
Lars Baron/Getty Images

Die Suche nach geeigneten Außenverteidigern erwies sich mal wieder als besonders schwer. Demnach hat Joachim Löw der Viererkette zunächst den Rücken gekehrt.

In der Dreierkette agieren die Außenverteidiger jetzt offensiver, was vor allem Robin Gosens entgegenkommt. Der torgefährliche Atalanta-Star stellte in den Testspielen nun auch sein Können in der Nationalmannschaft unter Beweis. Als ständiger Unruheherd belebte er die linke Seite und trat auch als Scorer in Erscheinung. Wie Stabil der Linksfuß in der Defensive agieren kann, wird jedoch erst die Partie gegen Frankreich zeigen.

Mit Joshua Kimmich hat der DFB-Coach einen Mittelfeldspieler auf die rechte Abwehrseite gezogen, um der Personalnot auf dieser Position zu entkommen. Zwar wäre Kimmich im Mittelfeld wichtig gewesen, jedoch ist er dies auf der rechten Seite umso mehr.

Kimmich galt zu seiner Außenverteidiger-Zeit als einer der offensivstärksten Spieler in dieser Rolle und legte zahlreiche Tore auf. Viel offensive Spielkunst dürfen wir von ihm auch bei der EM erwarten. Als offensivstarker Außenverteidiger ist der Bayern-Star schon sehr gut geeignet. Über mangelnde Form braucht man sich bei ihm auch keine Gedanken machen.

EM-Barometer: 75 Prozent

4. Zentrales Mittelfeld

Ilkay Guendogan, Toni Kroos
Matthias Hangst/Getty Images

Mit Kimmich, Goretzka, Kroos und Gündoğan stehen dem DFB-Coach auf dem Papier vier Weltklasse-Kicker zur Verfügung. Allerdings wird Kimmich, wie erwähnt, als Außenverteidiger gebraucht. Leon Goretzka wird zudem das Spiel gegen Frankreich voraussichtlich verpassen und reist mit Rückstand zur EM.

Für Joachim Löw ist dies schon ein wenig problematisch. Zwar sind Kroos und Gündoğan individuell herausragende Kicker, decken aber nicht alle geforderten Qualitäten ab. Beide zeichnen sich durch ihr hervorragendes Passspiel und durch ihre Technik aus, wobei Kroos mehr der Stratege und Gündoğan mehr der Antreiber ist. Allerdings sind beide physisch nicht sonderlich stark.

Demnach gibt es durchaus Stimmen, die sich einen Emre Can als zusätzliche Absicherung wünschen. In diesem Falle würde jedoch zu viel Offensiv-Power verloren gehen. Es wird spannend zu sehen sein, wie gut das Duo das Zentrum dicht bekommt. Es erscheint gut möglich, dass ein Spieler aus der Dreierkette immer wieder rausrückt und offensiv verteidigt. Allerdings drohen dadurch sowohl in der Abwehr, als auch im Mittelfeld Lücken, wenn die Kommandos nicht ganz klappen.

Leon Goretzka wäre neben Toni Kroos oder İlkay Gündoğan schon die stimmigere Wahl. Während sich der Manchester-City-Star in Top-Form befindet, gibt es bei Toni Kroos zudem ein paar Zweifel. Zwar scheint er seine Corona-Infektion hinter sich gelassen zu haben, jedoch befindet er sich nicht mehr ganz auf dem Niveau seiner stärksten Jahre. In den Testspielen harmonierte das Mittelfeld in der Regel jedoch recht gut. Der Bundestrainer betonte jedenfalls, dass Kroos für ihn ein "unverzichtbarer Spieler" sei.

EM-Barometer: 70 Prozent

5. Offensive

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ODD ANDERSEN/Getty Images

Mit Müller, Werner, Sané, Havertz und Gnabry streiten sich in der Offensive fünf Spieler um drei Positionen. Rückkehrer Thomas Müller befindet sich in Top-Form und konnte die DFB-Angriffsreihe sofort beleben.

In einer ganz starken Verfassung befindet sich auch Kai Havertz, nachdem es für den Youngster in dieser Saison lange gar nicht lief. Sein starker Saison-Endspurt und sein Final-Tor in der Königsklasse haben aus dem Ex-Leverkusener einen noch selbstbewussteren Profi gemacht.

Serge Gnabry hat zwar nicht seine beste Saison hinter sich, zeigte sich in den Testspielen jedoch absolut startklar für das Turnier. Die beiden kleinen Sorgenkinder lauten Leroy Sané und Timo Werner. Ersterer ist noch immer ein wenig auf der Suche nach der richtigen Einstellung und scheint seinen Platz an Havertz verloren zu haben. Werner wurde zuletzt wegen seiner ausgelassenen Chancen verspottet. Der Treffer gegen Lettland dürfte ihm jedoch gut getan haben.

Mit Sané und Werner hat Joachim Löw zweifellos echte Raketen in der Hinterhand, die nur noch nicht so richtig gezündet haben. Mit Kevin Volland steht zudem auch endlich wieder eine echte Spitze im Kader. Wenngleich die Startelf keinen echten Neuner beherbergt, besitzen Gnabry, Müller und Havertz zudem über ausreichend Strafraumpräsenz und Torgefahr, um erfolgreich zu sein.

Gegen die Letten befand sich die DFB-Offensive schon so richtig in Torlaune. Dies macht sicherlich Hoffnung auf eine torhungrige Angriffsreihe bei der EM.

EM-Barometer: 85 Prozent

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