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Bundesliga

DFB-Statement zum Klassiker: "Überzogene Kritik" am Schiedsrichter

Christian Gaul
Schiedsrichter Marco Fritz stand nach dem Klassiker im Mittelpunkt
Schiedsrichter Marco Fritz stand nach dem Klassiker im Mittelpunkt / Pool/Getty Images
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Nach dem 4:2-Erfolg des FC Bayern im Klassiker gegen Borussia Dortmund stand besonders Schiedsrichter Marco Fritz in der Kritik, Marco Reus warf dem Unparteiischen im Nachgang öffentlich eine einseitige Regel-Auslegung vor. Der DFB bezog nun Stellung zu den Geschehnissen der Partie und vertrat dabei klar die Linie des Spielleiters.


"Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte er hundertprozentig gepfiffen. Es ist einfach so. Fertig aus", lehnte sich der Dortmunder Marco Reus nach der Partie gegenüber Sky gewaltig aus dem Fenster. Sein Trainer Edin Terzic legte nach: "Ich habe mich auch geärgert. Für mich war es ein klares Foulspiel. Es war ärgerlich, weil auf der anderen Seite einige andere Dinge, die ähnlich waren, gegen uns gepfiffen wurden."

Nach Ansicht der Dortmunder lag vor dem wohl spielentscheidenden 3:2 für den FC Bayern ein Foulspiel von Leroy Sané an Emre Can vor, doch Schiedsrichter Marco Fritz ließ die Proteste auch im Nachgang nicht gelten.

"Ich habe mir die Szene noch mal angeschaut und ich bleibe dabei: Das war für mich kein Foulspiel", so Fritz in der Bild am Sonntag. Der DFB nahm sich der Situation nun der Thematik in Person der Sportlichen Leitung der Elite-Schiedsrichter an und verwies dabei nicht nur auf die wohl strittigste Szene des Abends.

Fritz entscheidet richtig - Kritik laut DFB "unverdient"

"Wir gehen offen mit kritischen Entscheidungen oder gar Fehlern um. Das haben wir in der Vergangenheit oft bewiesen. Aber in diesem Spiel sehen wir bei den genannten Schlüsselsituationen keinen Fehler des Schiedsrichters und unterstützen ausdrücklich die getroffenen Entscheidungen. Die in der ersten Enttäuschung sicherlich auch in der Form überzogene Kritik hat diese Spielleitung ganz sicher nicht verdient (Quelle: dfb.de)", äußerte sich die Sportliche Leitung der Elite Schiedsrichter eindeutig zu den Protesten der Dortmunder.

In der besagten Szene vor dem 3:2 in der 88. Minute habe Fritz völlig richtig entschieden.

"Der Dortmunder Spieler Emre Can führt den Ball und wird in einem intensiven Laufduell vom Münchner Spieler Leroy Sané mit einem Körpereinsatz Schulter an Schulter von der Seite angegangen. Can kommt bei diesem Vorgang zu Fall, und Sané erobert den Ball. Die Entscheidung des Schiedsrichters, das Spiel bei einem solchen Vorgang weiterlaufen zu lassen, ist angemessen. Circa 33 Sekunden nach diesem Vorgang erzielt Bayern München das 3:2. Ungeachtet dessen, dass die Entscheidung des Schiedsrichters ohnehin angemessen ist, greift der Video-Assistent hier nicht ein, da zwischen dem Zweikampf und dem Torerfolg mehrere Dortmunder Spieler am Ball waren und es sich nicht mehr um ein und dieselbe Angriffssituation - eine sogenannte Attacking Possession Phase, kurz 'APP' - handelt", stand die Sportliche Leitung ausführlich und klar zu ihrem Schiedsrichter.

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Leroy Sané erobert den Ball gegen Emre Can regelkonform / ANDREAS GEBERT/Getty Images

Auch als es kurz nach dem Seitenwechsel keinen Elfmeter für den BVB gab, lag Fritz nach Angaben des DFB richtig. "Am Münchner Strafraum kommt es zu einem Zweikampf zwischen dem Münchner Spieler Joshua Kimmich und dem Dortmunder Spieler Marco Reus. Dabei kommt es im Laufduell zu einem leichten Rempler mit angelegtem Arm sowie einem Fußkontakt zwischen diesen beiden Spielern, den der Schiedsrichter nachvollziehbar ursächlich nicht zweifelsfrei einordnen kann. Er lässt das Spiel daher weiterlaufen. Auch den unmittelbar folgenden Zweikampf im Strafraum, bei dem der Dortmunder Spieler Reus dann schließlich zu Fall kommt, bewertet der Schiedsrichter, dem Vorgang angemessen, nicht als Regelverstoß. Der Video-Assistent checkt den Vorgang und interveniert zurecht nicht, da kein Foulspiel im Strafraum vorlag. Es war die richtige Entscheidung des Schiedsrichters, das Spiel in dieser Situation weiterlaufen zu lassen", lautet die präzise Erklärung dieser Szene.

Generell fand die Sportliche Leitung keinen Grund. dem Spielleiter Fritz überhaupt einen Vorwurf zu machen. "Der Schiedsrichter hat in drei der vier Strafraumsituationen auf dem Feld richtig und nachvollziehbar nicht auf Strafstoß entschieden. In einer Strafraumsituation hat er nach einer korrekten Intervention des Video-Assistenten einen OFR durchgeführt und dann richtigerweise auf Strafstoß entschieden. Der Zweikampf circa eine halbe Minute vor dem 3:2 durch Bayern München wurde, dem Vorgang angemessen, mit "Weiterspielen" entschieden", heißt es im offiziellen Statement.

Wer die strittigen Szenen betrachtet, muss ebenso zu dem Schluss kommen, dass hier kein grobes Fehlverhalten des Unparteiischen vorlag. Unverständlicher als die emotionalen Proteste der Dortmunder nach Spiel ist nur, warum der DFB sich die Zeit nimmt, insgesamt fünf Szenen der Partie im Nachgang ausführlich zu rechtfertigen, die allesamt "sauber" abliefen.

Um es frei nach den Worten von Marco Reus zu sagen: Ganz ehrlich, nach einem Spiel von Augsburg gegen Bielefeld hätte der DFB dies nicht getan. Es ist einfach so. Fertig aus!

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