90min

DFB-Machtkampf zwischen Keller und Curtius: Zwischen Vertragsauflösung und Misstrauen

Oct 23, 2020, 9:53 AM GMT+2
Fritz Keller, Friedrich Curtius
Zerrüttete Fronten beim DFB - speziell zwischen Fritz Keller und Friedrich Curtius | Christian Kaspar-Bartke/Getty Images
facebooktwitterreddit

Der Deutsche Fußball-Bund kommt nicht zur Ruhe: Intern schwelen Machtkämpfe, die auf grobem Misstrauen und "bestehenden Missverständnissen" fußen - allen voran zwischen DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius.

Am heutigen Freitag sollte es eigentlich zum großen Aufeinandertreffen kommen: Bei der für den Vormittag anberaumten Präsidiumssitzung des Deutschen Fußball-Bundes hätten sich Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius wiedergesehen - zwischen beiden herrscht inzwischen ein tiefes Misstrauen, das bis hin zu einem internen Machtkampf gipfelt.

Zu dem Treffen wird es nun allerdings nicht kommen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Curtius nicht auftauchen werde. In einem Schreiben an die Präsidiumskollegen erklärte er seine Entscheidung, die auf dem angeblichen Vorschlag fußt, "dass ich an der morgigen Präsidiumssitzung auf Wunsch eines Präsidiumsmitglieds nicht teilnehmen solle". Daran scheint er sich halten zu wollen, wenngleich er im selben Schreiben auf die aus seiner Sicht internen Streitigkeiten beim DFB eingeht und sie zu erklären versucht.

Keller und Curtius beim DFB zerstritten - Konflikt durch Steuerskandal angetrieben

Ein Ablauf, der derzeit im großen Rahmen dafür sorgt, dass das offenbar zerrütte Verhältnis an der DFB-Spitze immer deutlicher zu erkennen ist. Keller, seit inzwischen 13 Monaten als Präsident im Amt, soll mit Curtius sowie mit Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge gebrochen haben. Auch gegen die drei Letztgenannten richtet sich das aktuelle Strafverfahren mit Vorwurf der Steuerhinterziehung. Auch wenn zuletzt etwas Feuer aus der Thematik genommen wurde, als es darum ging, dass das aktuelle Trio womöglich keine Schuld treffe, sind die Fronten verhärtet.

Rainer Koch, Reinhard Rauball, Friedrich Curtius
Friedrich Curtius (li.) und Rainer Koch (re.) genießen kein Vertrauen seitens Fritz Keller | Simon Hofmann/Getty Images

Die SZ berichtet weiter, dass Keller die Vertragsauflösung von Curtius gefordert habe. Auf Anfrage habe der DFB diesen Wunsch nicht verneint, sondern erklärt, derartige Spekulationen nicht kommentieren zu wollen. In seinem Schreiben führte der Generalsekretär aus, er habe "gemeinsam mit Fritz Keller versucht, bestehende Missverständnisse zu bereinigen. Leider haben wir in dem Gespräch noch keine belastbare Lösung gefunden." Die Gräben sind offenbar so tief, dass sogar eine Mediation - also eine Vermittlung zwischen den Seiten mit neutralen Beisitzern - vorgeschlagen wurde, um "bestehende Missverständnisse und Dissonanzen auszuräumen".

Curtius weiter: "Niemand von uns sollte persönliche Befindlichkeiten über das Wohl der Organisation stellen." Ein klarer Fingerzeig in Richtung Keller, der sich augenscheinlich eine fortlaufende Arbeit mit dem Generalsekretär nicht mehr vorstellen kann. Aufgrund dieses immer weiter wachsenden Machtkampfes stand dieser Tage sogar das potenzielle Stellen der Vertrauensfrage seitens des Präsidenten im Raum, um entweder gestärkt aus der heutigen Sitzung zu gehen, oder einen Schnitt unter den internen Ärger zu machen.

Fritz Keller, Friedrich Curtius
Der Schein trügt: Curtius und Keller im zerrütteten Verhältnis | Thomas Lohnes/Getty Images

Somit scheint derzeit keine Aufklärung und Aussprache in Sicht zu sein, auch wenn Curtius zudem betonte, dass er davon überzeugt sei, dass die Ermittlungen demnächst eingestellt werden würden. Seine Ämter würde er dennoch zur Verfügung stellen, sollte er "wegen irgendeiner Verfehlung während meiner Tätigkeit beim DFB verurteilt werden".

Keine Besänftigung für Keller und seine Fürsprecher. Der Konflikt, zusätzlich angetrieben von den Vorwürfen der Steuerhinterziehung, wird bleiben und das Image des DFB weiter beschädigen. Während Friedrich Curtius laut SZ einige Unterstützer in der Mitarbeiterschaft hat, sollen etwaige Denkmodelle, was die mögliche Zukunft des Posten des Generalsekretärs, oder sogar des Präsidenten, durchgespielt werden. Sollte sich die 'Keller-Seite' schlussendlich durchsetzen, scheint Samy Hamama, sein persönlicher Referent, ein Kandidat auf das Amt als Curtius-Nachfolger sein.

facebooktwitterreddit