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Prominente Namen fehlen im DFB-Kader: Die WM-Chancen von Hummels, Götze und Co

Dominik Hager
Hansi Flick macht den nichtnominierten Spielern Hoffnung auf eine WM-Teilnahme
Hansi Flick macht den nichtnominierten Spielern Hoffnung auf eine WM-Teilnahme / Tristar Media/GettyImages
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Bundestrainer Hansi Flick hat bei seiner Kader-Nominierung für die kommenden Länderspiele gegen Ungarn und England nur für wenige Überraschungen gesorgt. Lediglich die Nominierung des Innenverteidigers Armel Bella-Kotchap geht als Überraschung durch. Einige Kicker dürften hingegen enttäuscht darüber sein, vom DFB-Coach keinen Anruf bekommen zu haben. Wir sehen uns an, wie die Chancen der nichtnominierten Kicker stehen, doch noch auf den WM-Zug aufzuspringen.


24 Spieler umfasst der aktuelle Kader von Hansi Flick, was allen Hoffnung machen dürfte, die bei den nächsten beiden Länderspielen nicht dabei sein dürfen. Zur WM sind schließlich wieder 26 Spieler erlaubt und Flick stellte zudem klar, dass der Kader keineswegs "final" sei, sondern "jeder noch die Chance" habe, "auf den WM-Zug aufzuspringen".

Die nichtnominierten WM-Kandidaten und ihre Chancen im Überblick

1. Mats Hummels

Mats Hummels
Robbie Jay Barratt - AMA/GettyImages

Wer geglaubt hat, dass Mats Hummels gegen die neue Konkurrenz in Person von Nico Schlotterbeck und Niklas Süle nicht ankommen kann, der hat - zumindest was den BVB betrifft - die Rechnung ohne den Routinier gemacht. Hummels spielt eine sehr ordentliche Bundesliga-Saison und stand abgesehen von der 0:3-Niederlage gegen Leipzig immer in der Startelf. Im CL-Duell bei Manchester City zeigte er, dass er in einer tief stehenden Formation noch immer zur Weltklasse gehören kann.

Problem bei der Sache: Die DFB-Elf wird gerade unter Flick gegen keinen Gegner der Welt so tief stehen und so defensiv agieren, wodurch die Geschwindigkeits-Defizite des Spielers umso mehr ins Gewicht fallen.

Gegen City bescheinigte Flick dem BVB eine tolle Defensiv-Leistung und merkte an, dass ihm "ganz besonders auch Mats Hummels gefallen hat". Dieser sei "in einer guten Form" und wirke "sehr fit".

Zu den Akten legen muss Mats Hummels eine WM-Chancen demnach definitiv nicht, zumal nur Rüdiger, Schlotterbeck und Süle gesetzt sein dürften.

Stellt sich nur noch die Frage, ob Hummels ein sinnvoller Kandidat wäre, wenn er für die Startelf unter normalen Umständen nicht in Frage kommt.

2. Mario Götze

Mario Götze
Fantasista/GettyImages

Mario Götze ist zurück in der Bundesliga - aber (noch) nicht in der Nationalmannschaft. Bislang spielt der WM-Held aus dem Jahr 2014 eine gute Saison, wenngleich er sein Können noch nicht konstant genug abrufen konnte. In Sachen Scorer hat der 30-Jährige noch Luft nach oben. Trotzdem konnte er mit seinen klugen Pässen einige Angriffe und Treffer als Vorvorbereiter einleiten.

"Wir beobachten auch, was Mario macht. Und er macht das wirklich gut. Ich bin sehr zufrieden, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat", erklärte Flick und lobte Götzes "enorme Qualitäten in der Offensive". Der Spieler habe, wenn er sich weiter so zeigt, "wirklich alle Chancen, dass er auf den WM-Zug noch aufspringt". Ein wenig wird das aber wohl auch davon abhängen, ob Florian Wirtz, der eine ähnliche Position bekleidet, nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig fit wird.

3. Jonathan Tah

Jonathan Tah
BSR Agency/GettyImages

Der Leverkusen-Innenverteidiger ist vermutlich der Nominierung von Bella-Kotchap zum Opfer gefallen. Hansi Flick merkte jedoch an, dass Tah im Kandidatenkreis noch "absolut dabei" sei.

In der laufenden Saison hat Tah jedoch wie die gesamte Leverkusen-Abwehr noch nicht den besten Eindruck gemacht. Zudem konnte er auch in seinen Länderspiel-Einsätzen bislang nie so ganz überzeugen. Tah muss schleunigst wieder in die Erfolgsspur kommen und das Niveau zeigen, das er in der letzten Saison bei Leverkusen endlich konstant abrufen konnte. Ansonsten hat vermutlich ein Mats Hummels die etwas besseren Karten.

4. Benjamin Henrichs

Benjamin Henrichs
Stuart Franklin/GettyImages

Der 25-jährige Außenverteidiger hat die Saison eigentlich ganz gut begonnen, zuletzt aber dann doch ordentlich geschwächelt. Unter dem neuen Trainer Marco Rose musste der Spieler sowohl gegen Dortmund, als auch gegen Real Madrid auf der Ersatzbank Platz nehmen. Dies ist natürlich ein negatives Zeichen und gewiss nicht von Vorteil, wenn es um einen WM-Platz geht.

Zwar stellte Flick klar, dass "jeder noch auf den WM-Zug aufspringen kann", jedoch muss sich Henrichs dafür einen Stammplatz erobern und gute Leistungen zeigen. Stand jetzt sind seine WM-Chancen eher gering.

5. Karim Adeyemi

Karim Adeyemi
Lars Baron/GettyImages

Hansi Flick überraschte zu Beginn seiner Amtszeit, indem er den noch unerfahrenen Adeyemi prompt nominierte. Zuletzt merkte der Coach jedoch kritisch an, dass Lukas Nmecha in der Entwicklung schon weiter sei. Aktuell scheint sich die Tendenz pro Nmecha zu festigen, wenngleich natürlich auch beide zusammen im Kader stehen könnten.

Adeyemi wurde beim BVB bislang von Verletzungen zurückgeworfen und konnte noch keinen Rhythmus aufnehmen. Der Ex-Salzburger hat das Potenzial, zu jeder Zeit explodieren zu können, jedoch läuft ihm bis zur WM ein wenig die Zeit davon. In einigen Szenen wirkt der pfeilschnelle Offensivspieler noch nicht reif genug. Aktuell haben andere Spieler die Nase vorne.

6. Julian Draxler

Julian Draxler
Jonathan Moscrop/GettyImages

Julian Draxler hat im Sommer (endlich) den Schritt von Paris weg gewagt und sich Benfica SL angeschlossen. Der portugiesische Top-Klub glänzt derzeit mit 18 Punkten aus sechs Liga-Spielen und konnte bei Juventus Turin mit 2:1 siegen.

Julian Draxler spielt jedoch noch keine große Rolle. Der Mittelfeldspieler, der kurz vor Transferschluss gewechselt ist, hat erst 45 Minuten in der Liga und vier Minuten in der Königsklasse gespielt. Natürlich muss man Draxler Zeit geben, jedoch ist die Konkurrenz mit Leuten wie Neres, Rafa Silva und João Mário durchaus hart. Es wird schwer für Draxler, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

7. Anton Stach & Jonathan Burkardt

Anton Stach
Alex Grimm/GettyImages

Zwar läuft es für Mainz 05 aktuell sehr gut, jedoch trifft das nicht gerade auf die beiden Nationalmannschafts-Kandidaten Anton Stach und Jonathan Burkardt zu. Stach wurde bereits zu Saisonbeginn von seinem Coach kritisiert und musste zuletzt sogar auf der Ersatzbank hocken. Ohnehin hat man sich recht häufig gefragt, was Flick mit seinen Stach-Nominierungen bezwecken möchte.

Jonathan Burkardt ist seit April torlos und verpasste den Saisonstart aufgrund einer Muskelverletzung. Der Angreifer erklärte zuletzt in einem Interview, nicht an die WM zu denken und sich eher bei der U21 zu sehen. Es sieht ganz danach aus, als würde kein 05er zur WM fahren.

8. Bernd Leno & Oliver Baumann

Bernd Leno, Oliver Baumann
Matthias Hangst/GettyImages

Hansi Flick erklärte im Rahmen der PK, dass er Bernd Leno und Oliver Baumann, der ihm "im Sommer sehr gut gefallen" habe, im Blick hat. Leno hat sich nach seinem Wechsel zum FC Fulham einen Stammplatz erkämpft und kann wieder zeigen, was in ihm steckt. Baumann spielt bislang eine ganz starke Saison mit der TSG Hoffenheim.

Demnach dürfen beide auf die Nummer-3-Rolle schielen, die aktuell Kevin Trapp innehält. Der Frankfurter hat natürlich ordentlich Kredit, jedoch konnte er bislang noch nicht an seine grandiose Saison 2021/22 anschließen.

9. Julian Weigl & Maximilian Arnold

Julian Weigl
Alex Grimm/GettyImages

Ganz so üppig ist die Konkurrenz im zentralen Mittelfeld nicht mehr. Toni Kroos ist zurückgetreten, Florian Neuhaus ist verletzt, Salih Özcan hat sich für die Türkei entschieden und Anton Stach hat mit sich und einer Form zu kämpfen. Da sich auch die anderen U21-Europameister Niklas Dorsch und Arne Maier noch nicht in den Fokus spielen konnten, ist das Rennen hinter Kimmich, Goretzka und Gündogan relativ offen.

Demnach wäre es gar nicht abwegig, wenn sich Flick beispielsweise für Maximilian Arnold oder Julian Weigl entscheidet. Arnold ist seit Jahren eine Konstante beim VfL Wolfsburg und könnte zu jeder Zeit gebracht werden und auch Julian Weigl zeigt bereits vielversprechende Leistungen bei den Gladbachern. Beide Akteure sind auch in wichtigen Spielen abgeklärt und meist fehlerfrei, was man beispielsweise über einen Emre Can nicht sagen kann.


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