90min
DFB-Team

90min-Nostalgie zu Deutschland vs Rumänien: Als die Rumpelfußballer nicht mal mehr rumpelten

Guido Müller
Philip Lahm gelang nur das Ehrentor zum 1:5
Philip Lahm gelang nur das Ehrentor zum 1:5 / DANIEL MIHAILESCU/Getty Images
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Mit Freundschaftsspielen ist es, wie mit der Freundschaft auch, bisweilen so eine Sache. Unter dem Deckmantel vermeintlicher Sympathie hat wohl schon ein jeder (und eine jede) von uns die eine oder andere Spitze seitens vorgeblicher Freunde verpasst bekommen.


So gesehen könnte die Abreibung, die das rumänische Nationalteam der DFB-Auswahl im April 2004 verpasste, auch als eine Art vergifteter Freundschaftsdienst zu interpretieren sein. Nach dem Motto: wir zeigen euch freundlicherweise mal auf, wo euer wahres Niveau steht.

Es war der letzte ernsthafte Test, bevor sich der deutsche Tross um Teamchef Rudi Völler im Sommer gen EURO2004 in Portugal aufmachen sollte. Doch schon die Vorzeichen für einen wirklichen, valide Rückschlüsse zulassenden Härtetest, waren denkbar ungünstig.

Denn "eine Flut von Absagen" (Die Welt) hatte die Stimmung von Rudi Nazionale in den Tagen vor dem Match in Bukarest fast Richtung Nullpunkt sinken lassen.

Michael Ballack, Frank Baumann, Jens Nowotny und Jens Lehmann (der Kahn, so der Plan, zur Pause ersetzen sollte) meldeten sich in den Tagen vor dem Spiel krankheits- oder verletzungsbedingt ab.

Rudy Voeller, the coach of the German fo
Hatte im April 2004 in Bukarest mit vielen Absagen zu kämpfen: Rudi Völler / DANIEL MIHAILESCU/Getty Images

Doch als Lehmann-Ersatz Timo Hildebrand dann den Platz des Titanen zwischen den deutschen Pfosten einnahm, war die Messe im Grunde genommen schon gelesen: 0:4 stand es nämlich schon nach den ersten 45 Minuten.

Erst zweimal zuvor, nur die ganz Alten konnten sich noch erinnern, war eine deutsche Mannschaft in einer ersten Halbzeit ähnlich filetiert worden: 1909 (gegen England) und 1913 (gegen Belgien).

Mayer-Vorfelder: "Da gab es überhaupt keine Abstimmung!"

Ein sichtlich angefressener Gerhard Mayer-Vorfelder, damals Präsident des DFB, wetterte dann auch schon von der Tribüne aus: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Die haben ja katastrophale Fehler gemacht. Da gab es überhaupt keine Abstimmung."

Das war noch vornehm formuliert. Denn der ob der zahlreichen Absagen kurzfristig als "Charaktertest" ausgerufene Vergleich mit den Kickern aus den Karpaten offenbarte vor allem eines: den absoluten Mangel an Charakter.

Fast wehrlos, mit Ausnahme eines bemühten Didi Hamann, ergaben sich die DFB-Stars ihrem Schicksal - und sorgten in den heimischen Wohnzimmern allerorten nur noch für Wut und Frust. Oder gar Verzweiflung.

Fredi Bobic (R) from Germany fights for
Auch Hertha-Stürmer Fredi Bobic blieb in Bukarest blass / AFP/Getty Images

Der Begriff "Rumpelfußballer", eigentlich schon vier Jahre zuvor, angesichts der katastrophalen EURO2000, von Franz Beckenbauer geprägt, hatte nach diesem Desaster im spärlich bevölkerten Stadion "Giulesti-Valentin Stanescu" (10.000 Zuschauer verloren sich auf den Tribünen) jedenfalls wieder Hochkonjunktur.

Und das zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, kaum zwei Monate vor dem Start der Europameisterschaft in Portugal.

Mit Hildebrand, Paul Freier (kam für Torsten Frings), Sebastian Kehl (für Fabian Ernst) und Oliver Neuville (für den heutigen Hertha-Manager Fredi Bobic) "gelang" es dem DFB-Team in Halbzeit zwei nur noch, die Tordifferenz gleich zu halten. Dem 5:0 der Hausherren durch Caramarin in der 84. Minute ließ Philipp Lahm drei Minuten später das Tor zum Endstand folgen.

Auch die anschließende EM geriet zum Desaster

Die in den folgenden Wochen aufkommende Diskussion über die Sinnhaftigkeit, sich überhaupt bei dem anstehenden Kontinentalturnier im Südwesten Europas zu präsentieren, ebbte bis zum Auftaktspiel der Deutschen (gegen die Holländer) jedenfalls nicht mehr ab.

Und das Turnier bestätigte am Ende alle Befürchtungen. Nach dem 1:1 gegen die Oranjes (das als Achtungserfolg eingestuft wurde), gelang den Adlern auch gegen die Letten kein Sieg (0:0), ehe ein 1:2 gegen eine bessere tschechische B-Mannschaft das zweite deutsche Vorrundenausscheiden in Folge besiegelte.

Am Tag nach der Niederlage gegen die Tschechen gab Rudi Völler dann seinen Rücktritt bekannt.

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