Deutschland gegen Spanien vor dem Aus? Von wegen! Acht Gründe für einen deutschen Erfolg

Dominik Hager
Bereitmachen für den Ernstfall: Darum gewinnt Deutschland gegen Spanien
Bereitmachen für den Ernstfall: Darum gewinnt Deutschland gegen Spanien / Markus Gilliar - GES Sportfoto/GettyImages
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Die DFB-Elf spielt seit Jahren schwach, hat gegen Japan einen denkbar miesen Start in die WM erlebt und steht enorm unter Zugzwang. Dann lautet der Gegner auch noch Spanien, das 7:0 gegen Costa Rica gewonnen hat und Deutschland im letzten Aufeinandertreffen mit 6:0 komplett zerlegen konnte. Was soll also da noch Hoffnung machen? Wir liefern acht Gründe, warum die Flick-Elf Spanien besiegt.


1. Kimmich, Goretzka und Gündogan werden das Mittelfeld dominieren

Leon Goretzka, Joshua Kimmich
Markus Gilliar - GES Sportfoto/GettyImages

Große Spiele werden - so sagt man zumindest - im Mittelfeld entschieden. Es wird also darauf ankommen, dass Kimmich, Goretzka und Gündogan (in welcher Kombination auch immer) den Spaniern den Schneid abkaufen. Zwar verfügen Busquets, Pedri und Gavi über die noch größeren fußballerischen Fähigkeiten, jedoch ist das DFB-Mittelfeld kompletter und ausgewogener. Gündogan braucht sich technisch nicht vor den Spaniern verstecken, Goretzka ist physisch deutlich stärker als das spanische Trio und Kimmich strahlt eine Mentalität und einen Siegeswillen aus, den man bei den Barca-Stars vergeblich sucht. In Teilen konnte der FC Bayern auch aus diesen Gründen zuletzt gegen Barcelona regelmäßig gewinnen. Das Mittelfeld ist in der Lage, die körperlich nicht sonderlich starken Gegner in Schach zu halten und zu verwunden. Wenn dem FC Bayern das gegen Barcelona gelingen kann, warum dann nicht auch der DFB-Elf gegen Spanien? Die Personalien sind schließlich auf dieser Position sehr ähnlich.

2. Jamal Musiala kann den Unterschied ausmachen

Jamal Musiala
Alex Grimm/GettyImages

Bei der Kopa Trophy machten zuletzt Pedri und Gavi das Rennen. Das Top-Talent, dass offensiv am häufigsten den Unterschied ausmachen kann, ist allerdings Jamal Musiala. Der Youngster war in der Hinrunde der beste Bayern-Spieler und ist nun auch ganz klar der Hoffnungsträger der deutschen Nationalmannschaft. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Musiala seine Magie auch bei der WM auf den Rasen zaubert. Der offensive Mittelfeldspieler hat alles, was es braucht, um die Partie gegen Spanien mit einer einzigen Aktion zu entscheiden. Demnach gilt die Deviese: "Jamal, zeig der Welt, dass du besser als Pedri und Gavi bist."

3. Manuel Neuer > Unai Simón

Manuel Neuer
Stuart Franklin/GettyImages

Zwar sah Manuel Neuer beim 1:2 gegen Spanien auch nicht ganz glücklich aus, jedoch ist der deutsche Kapitän trotzdem der bessere Keeper als Unai Simón. Neuer ist deutlich erfahrener in großen Spielen und eher der Keeper, der ein Spiel an einem guten Tag alleine retten kann. Für einen solchen Neuer-Auftritt wird es mal wieder Zeit und die Hoffnungen sind natürlich groß, dass es gegen Spanien so weit ist. Da beide Mannschaften Fußball spielen wollen und offensiv auftreten, wird es am Sonntag besonders auf die Keeper ankommen. Manuel Neuer wird es der Welt wieder mal beweisen.

4. Die DFB-Elf ist besser als ihr Ruf

Nach einer so bitteren Niederlage wie gegen Japan ist es natürlich schwierig, positive Aspekte aufzuzählen. Bei der ausschließlich negativen Berichterstattung kommt jedoch zu kurz, dass Deutschland über 70 Minuten ein sehr ordentliches Spiel gemacht hat. Letztlich war es einzig und alleine die schwache deutsche Chancenverwertung, die Japan im Spiel gehalten hat. 26 Schüsse zeigen klar, dass man eine solche Partie gewinnen muss.

Wirft man einen Blick auf die Konkurrenz, fällt auf, dass andere große Nationen teilweise noch schlechter abgeliefert haben. Denken wir an die Niederlande, die gegen Ecuador unfassbare 2:15 Torschüsse verzeichnen konnte und mit mehr Glück als Verstand Unentschieden gespielt haben. Auch Belgien wurde von Kanada teilweise an die Wand gespielt und weiß wohl immer noch nicht, wie man mit 1:0 gewonnen hat. Auch England hat gegen die USA einen wahrlich miesen Auftritt angeboten.

Heißt also, dass Deutschland nicht unbedingt schlechter gespielt hat, als andere Top-Nationen, sondern für die Fehler lediglich wesentlich härter bestraft wurde. Tatsächlich war man spielerisch sogar weitaus besser. Das DFB-Team ist nicht so weit weg vom Schuss, wie es die aktuelle Stimmung vermuten lässt.

5. Keine Politik: Der Fokus beim DFB-Team liegt auf dem Sportlichen

Man stelle sich vor, es ist das größte Fußball-Turnier der Welt und niemand spricht über den Sport. Vor dem Japan-Spiel wurde praktisch von allen Seiten nur über Politik geredet. Das Verbot der One-Love-Binde hat alles noch zusätzlich hochgeschaukelt. Es hatte den Anschein, als hätte sich der DFB zwischen Angst vor einer Strafe und dem Wunsch, ein Zeichen zu setzen, irgendwo verloren. Letztlich ging man als Verlierer auf allen Ebenen hervor. Nun hat man den Eindruck, dass sich das Team rein auf die schwere Aufgabe gegen Spanien konzentriert und alles andere von sich wegschiebt. In der brenzligen Situation ist das sportlich auch die einzig richtige Entscheidung. Gegen Spanien geht es darum, auf dem Platz ein Zeichen zu setzen und den Ruf Deutschlands als Fußball-Nation zu retten.

6. Alles-oder-Nichts-Situation setzt Kräfte frei

Die DFB-Kicker wissen genau, dass die Stunde geschlagen hat. Gegen Spanien ist die Zeit der Ausreden vorbei und es zählt einzig und alleine das Gewinnen. Manchmal braucht es genau diese Anspannung, um besser und konzentrierter aufzutreten, als in den letzten Spielen. Zwar handelte es sich beim Duell gegen Japan um ein WM-Spiel, jedoch wird im Unterbewusstsein der Spieler immer mitgeschwungen sein, dass man eigentlich besser besetzt ist als der Gegner. Mit Spanien vor der Brust, schaut die Ausgangslage natürlich anders aus. In den Köpfen der Spieler wird sich nun eine Big-Game-Mentalität breit machen. Gerade die Bayern-Spieler fühlen sich in einer solchen Rolle ja eigentlich besonders wohl. Gegen Spanien wird jeder Akteur 110 Prozent geben und sich darum bemühen, die erneute Schmach irgendwie zu verhindern. Der Fokus sollte bei den DFB-Spielern also deutlich größer auf dem Spanien-Spiel liegen, als es umgekehrt der Fall ist.

7. Spanien hatte es gegen Costa Rica zu leicht

Pablo Martín Páez Gavira
Visionhaus/GettyImages

Zugegeben: Das 7:0 von Spanien gegen Costa Rica war beeindruckend. Oftmals ist es aber gar nicht so gut, wenn der Einstieg ins Turnier zu einfach ist. Costa Rica ist eben dann doch auch eine Mischung aus in die Jahre gekommenen Spieler und No-Names. Ein echter Prüfstein war das also nicht. Wer jedoch 7:0 gewinnt, läuft aber auch immer Gefahr, zu selbstsicher und arrogant zu werden. Spanien ist bekannt dafür, Fußball zu zelebrieren und den Ball am liebsten ins Tor zu tragen. In der Kunst kann man sich letztlich aber auch verlieren, wodurch die Angriffe an Effizienz einbüßen. Es besteht durchaus die Chance, dass die Spanier das DFB-Team mit Hacke, Spitze, Trallala so richtig verhöhnen wollen. Deutschland könnte nichts besseres passieren.

8. Deutschland ist ein Spezialist für das zweite Turnier-Spiel

Nach den schwachen Turnieren 2018 und 2021, droht Deutschland sozusagen ein Pleiten-Triple. So schlecht das erste und letzte Gruppenspiel 2018 und 2021 auch lief, sei gesagt, dass man im zweiten Gruppenspiel abgeliefert hat. Gegen Schweden gewann das Team 2018 in Unterzahl und auch bei der EM im Vorjahr zeigte man beim 4:2 gegen Portugal einen starken Auftritt. Der Strohhalm ist zugegebenermaßen dünn, aber warum sollte das DFB-Team in diesem Jahr nicht wieder im zweiten Gruppenspiel liefern?

Niederlage gegen Japan: Tobias Escher analysiert mit 90min die Deutschland-Pleite


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