DFB-Frauen

Deutschland ringt Frankreich nieder: Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Daniel Holfelder
Deutschland steht dank eines Doppelpacks von Alexandra Popp im EM-Finale
Deutschland steht dank eines Doppelpacks von Alexandra Popp im EM-Finale / Harriet Lander/GettyImages
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Deutschland steht im EM-Finale! Gegen starke Französinnen lieferte das DFB-Team einen tollen Fight und ging dank zweier Tore von Alexandra Popp als Sieger vom Feld. Im Finale in Wembley bekommt es die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg mit Gastgeber England zu tun.


Die Highlights der Partie im Video


Merle Frohms (Tor) - Bewertung 7/10

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Merle Frohms / ADRIAN DENNIS/GettyImages

Die Bald-Wolfsburgerin hatte bei ihrem ersten EM-Gegentor Pech, dass Dianis Pfostenschuss an ihren Rücken prallte und von dort hinter der Linie landete. In der französischen Drangphase Mitte der zweiten Halbzeit zeigte sich Frohms hellwach und reagierte stark gegen Renard (64.) und Diani (67.). Davon abgesehen hinterließ die 27-Jährige einen sicheren Eindruck und erwies sich in einer engen Partie als verlässlicher Rückhalt.


Giulia Gwinn (Rechte Außenverteidigung) - 7/10

Sakina Karchaoui, Giulia Gwinn
Giulia Gwinn (rechts) / Maja Hitij/GettyImages

Gwinn ließ die pfeilschnelle Delphine Cascarino, die seltsam mutlos wirkte, nicht zum Zug kommen. Gegen die später eingewechselte Selma Bacha hatte die Münchnerin mehr zu tun, stand aber weiterhin sicher. Nach vorne schaltete sich die deutsche Rechtsverteidigerin dafür seltener ein.


Kathrin Hendrich (Innenverteidigung) - 6/10

Sakina Karchaoui, Kathrin-Julia Hendrich
Kathrin Hendrich (links) / Naomi Baker/GettyImages

Die Wolfsburgerin sah beim französischen Treffer nicht gut aus. Zuerst unterlief ihr im Aufbauspiel ein Fehlpass, kurz darauf agierte sie gegen Diani nicht konsequent genug und ließ die Stürmerin zum Schuss kommen. In der 63. ließ sie sich erneut von Diani düpieren, bügelte ihren Fehler aber selbst aus, indem sie Bachas Abschluss mit dem Gesicht blockte. Insgesamt aber trotzdem eine ordentliche Leistung der zweikampfstarken Innenverteidigerin, die gegen die französische Offensivwucht besser aussah als die meisten Abwehrspielerinnen vor ihr.


Marina Hegering (Innenverteidigung) - 6/10

Pauline Peyraud-Magnin, Marina Hegering, Wendie Renard
Marina Hegering (vorne) / Shaun Botterill/GettyImages

Bisher der schwächste Auftritt der Abwehrchefin, die nach rund 80 Minuten angeschlagen ausgewechselt werden musste. Hegering unterliefen ungewohnt viele Fehler, vor allem ihr Katastrophen-Rückpass direkt in die Beine von Diani hätte der deutschen Mannschaft teuer zu stehen kommen können (67.). Die Unzulänglichkeiten sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahlreiche französische Angriffe an der 32-Jährigen abprallten.


Felicitas Rauch (Linke Außenverteidigung) - 6/10

Kadidiatou Dian, Felicitas Rauch
Felicitas Rauch (links) / Marc Atkins/GettyImages

Rauch hatte auf ihrer linken Seite Diani gut unter Kontrolle, im Laufe des Spiels und spätestens nach dem Seitenwechsel agierte die Französin dann im Sturmzentrum. Die Wolfsburgerin lieferte eine solide Vorstellung, blieb aber nicht ganz fehlerfrei. In der Schlussphase verlor sie etwa ein wichtiges Kopfballduell gegen Mbock Bathy (75.), konnte Clara Matteo nicht am Flanken hindern (77.) oder klärte direkt vor die Füße von Selma Bacha (79.). Mit Offensivaktionen hielt sich die Standardspezialisten gegen die gefährliche Équipe Tricolore zurück.


Lena Oberdorf (Defensives Mittelfeld) - 8/10

Grace Geyoro, Lena Oberdorf
Lena Oberdorf (rechts) / Maja Hitij/GettyImages

Die Wolfsburgerin stellte mit ihrer Zweikampfstärke und physischen Präsenz erneut einen entscheidenden Faktor auf dem Weg nach Wembley dar. Oberdorf war die deutsche Spielerin, die sich mit Abstand die meisten direkten Duelle lieferte, und trotz ihrer erst 20 Jahre keine Anzeichen von Nervosität zeigte. Ihre Passquote von 54 Prozent (Quelle: fotmob.com) ist allerdings ausbaufähig.


Sara Däbritz (Zentrales Mittelfeld) - 7/10

Grace Geyoro, Sara Dabritz
Sara Däbritz (rechts) / Shaun Botterill/GettyImages

Gegen Österreich noch enttäuschend, zeigte Däbritz gegen Les Bleues vor allem in der ersten Halbzeit eine starke Leistung. Die gebürtige Oberpfälzerin präsentierte sich enorm pass- und ballsicher, machte mit ihrer Laufstärke das Mittelfeld eng und setzte einige kluge Impulse im Angriffsspiel. Ein wenig mehr Präsenz und Ballkontakte würde man sich von der deutschen Nummer 13, die nach knapp 70 Minuten ausgewechselt wurde, trotzdem wünschen.


Lina Magull (Zentrales Mittelfeld) - 6/10

Lina Magull, Grace Geyoro
Lina Magull (links) / Maja Hitij/GettyImages

Die wuselige Münchnerin hatte gegen die physisch starken Französinnen einen schweren Stand. Magull konnte offensiv kaum Impulse setzen und wirkte angesichts vieler verlorener Zweikämpfe früh genervt. In der 70. Minute wurde die 27-Jährige dann von ihrer Bayern-Kollegin Sydney Lohmann ersetzt.


Svenja Huth (Linkes Mittelfeld) - 7/10

Svenja Huth, Wendie Renard
Svenja Huth (Mitte) / Maja Hitij/GettyImages

Der Flügelflitzerin, die aufgrund des Bühl-Ausfalls nach links rückte, gelang beileibe nicht alles. Doch in den entscheidenden Momenten war Huth da. Bereitete beide Treffer von Alexandra Popp per Flanke vor und hätte beinahe auch den Assist zu Dallmanns 3:1 geliefert - die Jokerin brachte die Kugel aber nicht im Tor unter. Wie üblich spulte Huth ein beeindruckendes Pensum ab und half defensiv fleißig mit, die starken französischen Stürmerinnen im Zaum zu halten.


Jule Brand (Rechtes Mittelfeld) - 7/10

Sakina Karchaoui, Jule Brand
Jule Brand (links) / Naomi Baker/GettyImages

Ein würdiger Bühl-Ersatz. Die jüngste Spielerin im deutschen Team agierte mutig und hatte einige gute Aktionen, auch wenn ihr die letzte Zielstrebigkeit - so etwa bei ihrem abgeblockten Schuss vor dem 2:1 - fehlte. Brand zeigte sich auch in der Defensivarbeit sehr gewissenhaft. Sollte Klara Bühl gegen England weiterhin ausfallen, muss den deutschen Fans keineswegs angst und bange werden.


Alexandra Popp (Sturm) - 9/10

Alexandra Popp
Alexandra Popp / Jonathan Moscrop/GettyImages

Die Kapitänin machte mit ihrem Doppelpack den Unterschied. Popp stellte bei ihren Turniertreffern fünf und sechs ihre enorme Wucht und Kopfballstärke unter Beweis, gegen die es auch die Engländerinnen reichlich schwer haben werden. Bei Defensivstandards war die Wolfsburgerin gegen Frankreichs Hünin Renard gefordert, eine Aufgabe, die Deutschlands Nummer 11 insgesamt gut löste. In Sachen Kampfkraft und Siegeswille ging die 31-Jährige wie gewohnt vorneweg.


Einwechslungen

Sydney Lohmann für Magull (69.) - Ohne Bewertung

Sydney Lohmann
Sydney Lohmann (vorne) / Alex Pantling/GettyImages

Die 22-Jährige fügte sich nahtlos ins deutsche Spiel ein und empfahl sich mit ihrer Dynamik und dem ein oder anderen klugen Pass für einen erneuten Jokereinsatz im Finale.


Linda Dallmann für Däbritz (69.) - Ohne Bewertung

Lina Magull, Linda Dallmann
Linda Dallmann (Mitte) / Maja Hitij/GettyImages

Die Münchnerin konnte im Gegensatz zu ihren vergangenen Einwechslungen kaum Offensivimpulse setzen und verrichtete vermehrt Defensivarbeit. Kurz vor Schluss hätte Dallmann das 3:1 erzielen müssen, ihr Schuss wurde jedoch von Karchaoui knapp neben den linken Pfosten abgefälscht.


Sara Doorsoun für Hegering (81.) - Ohne Bewertung

Giulia Gwinn, Sara Doorsoun
Sara Doorsoun (vorne) / Visionhaus/GettyImages

Die Frankfurterin kam zu ihrem zweiten Turniereinsatz und half mit, das 2:1 über die Zeit zu bringen.


Tabea Waßmuth für Huth (90./+1) - Ohne Bewertung

Tabea Waßmuth
Tabea Waßmuth / Alexander Hassenstein/GettyImages

Die pfeilschnelle Wolfsburgerin blieb in der kurzen Einsatzzeit ohne nennenswerte Aktion.


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