Der niederländische Messi hört auf: Ibrahim Afellay beendet seine Karriere

Christopher Kleis
Ibrahim Afellay beendet seine Karriere.
Ibrahim Afellay beendet seine Karriere. / Soccrates Images/Getty Images
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Ibrahim Afellay war einst der Hoffnungsträger einer ganzen Fußballnation, doch nach großen Erfolgen kam der schleichende Abstieg. Für die Nationalmannschaft lief der kleine Magier in 53 Spielen auf. Am Ende ließ er seine Karriere abseits des Scheinwerferlichts ausklingen.

Erste Schritte bei der PSV Eindhoven - Der Stern geht auf

Da galt er noch als eines der größten Talente Europas.
Da galt er noch als eines der größten Talente Europas. / VI-Images/Getty Images

Kaum ein Land bringt gemessen an der Gesamtbevölkerung so viele hochklassige Talente raus wie die Niederlande. Eines der größten war in den 2000er-Jahren Ibrahim Afellay. Schon 1997 wechselt der Junge aus Utrecht in die Jugend von PSV Eindhoven. Der Schritt ist für den weiteren Werdegang des Sohnes marokkanischer Eltern von großer Bedeutung. Eindhoven ist neben Ajax Amsterdam der zweitgrößte Verein im Land der Cruyffs, Robbens, van der Vaarts und van Nistelrooys.

Direkt von Anfang an zeigt sich sein erstaunliches Talent. Er durchläuft alle Nachwuchsmannschaften und debütiert 2004 bei den Profis. Zwar bestreitet er in seiner ersten Saison nur zwei Liga-Spiele. Doch in den kommenden Jahren werden es kontinuierlich mehr. bald ist er aus der Mannschaft kaum noch wegzudenken. Die ersten Clubs aus dem Ausland werden auf ihn aufmerksam. Unter anderem der HSV soll bereit gewesen sein, bis zu 8 Millionen Euro für den Flügelspieler zu bezahlen.

Aber er hält PSV die Treue und weiß weiter mit Leistung aufzufallen. In 159 Spielen darf er 36 über ein Tor jubeln. Außerdem bewies er das Auge für den Mitspieler. 20 Tore legte er seinen Mannschaftskameraden auf. Er war ein wichtiger Teil der Mannschaft, die es schaffte, die jahrelange Ajax-Dominanz zu durchbrechen. Vier Mal durfte Afellay die Meisterschale in der Hand halten. In der Saison 2004/05 gewann man sogar das Double aus Meisterschaft und Pokal. Mittlerweile hatten ihn sämtliche Top-Clubs auf der Rechnung. Die Krönung sollte 2011 mit dem Wechsel zum FC Barcelona kommen. Die Ablösesumme betrug vergleichsweise geringe 3 Millionen Euro.

Erfolgreiche Jahre bei Barca - Aber Frust macht sich breit

So sah man ihn in Barcelona öfters: ratlos.
So sah man ihn in Barcelona öfters: ratlos. / Jasper Juinen/Getty Images

In der katalanischen Metropole traf Afellay auf die ganz großen Stars der Branche. Im Training konnte er mit Lionel Messi, Pedro und David Villa zusammenspielen. Er bekam Pässe von Xavi und Iniesta zugespielt. Und sein Trainer war niemand geringeres als Pep Guardiola. Kurzum: Ibrahim Afellay war Teil der vielleicht besten Barca-Mannschaft aller Zeiten.

Ein Team voller Platzhirsche und Superstars, in dem der kleingewachsene Niederländer keinen einfachen Stand hat. Er musste von nun an um jeden Einsatz kämpfen. Aber schon eine Woche nach seinem Wechsel kam er im Spiel gegen Deportivo La Curuna zu seinem ersten Spiel für den FC Barcelona. Er wurde in der 82. Spielminute für Pedro eingewechselt. Im weiteren Verlauf kamen noch 15 weitere dazu, aber nur fünf davon über 90 Minuten. Ein erster Dämpfer für den so begabten Rechtsaußen, der es gewohnt war Stammspieler zu sein.

Trotzdem konnte er am Ende der Saison 2010/2011 den größten Erfolg seiner Karriere feiern. Im Finale der Champions League in dem man Manchester United mit 3:1 besiegen konnte, noch für acht Minuten aufs Spielfeld, bevor der Schlusspfiff ertönte. Barca gewann in diesem Jahr das Double aus Meisterschaft und Champions-League-Sieg. Afellay war auf Europas Fußballthron angekommen, aber schnell sollte er den ersten Rückschlag erleben.

Denn in der darauf folgenden Saison hatte er stark mit Verletzungen zu kämpfen. Er konnte nur ein Spiel bestreiten, bevor er sich am sechsten Spieltag das Kreuzband riss, was fast gleichbedeutend mit dem Saisonaus war. Zwar konnte er noch drei Mal auflaufen, aber diese Spielzeit war für ihn vorbei. Auch im Jahr darauf wurde es nicht besser. Wegen einer Muskelverletzung machte er nur ein einziges Spiel für den katalanischen Vorzeige-Club. Auch deshalb verlieh Barca ihn anschließend. Es sollte der Beginn einer langen Odyssee werden.

Glücklos bei Schalke, Piräus und Stoke - Letzte Ausfahrt Eindhoven

Beim FC Schalke sollte er sein Glück wiederfinden.
Beim FC Schalke sollte er sein Glück wiederfinden. / Boris Streubel/Getty Images

Bei den Knappen sollte er wieder in Fahrt kommen, aber sein Gastspiel in Deutschland war nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Zwar konnte er bei seinem Debüt überzeugen und traf sogar im Derby gegen den BVB, aber anknüpfen an seine Eindhoven-Zeiten konnte er nicht. Am Ende bremste ihn die gleiche alte Muskelverletzung wieder aus. Für den FC Schalke lief Afellay nur zehn Mal auf. Sein Abschied war still und leise. Es fiel also praktisch gar nicht auf, dass er fehlte.

Weil Barca ihn nicht zurückhaben wollte, ging es weiter zu Olympiakos Piräus. Bei den Griechen hätte er in einer schwächeren Liga das verloren gegangene Selbstbewusstsein wiedererlangen können. Tat er aber nicht. In 19 Einsätzen steuerte er nur vier Tore und drei Assists bei. Zu wenig, um Barcelona davon zu überzeugen, ihn zurückzunehmen. Bei den Katalanen schien er eh keine Rolle mehr zu spielen. Deshalb folgte die nächste Leihe.

Diesmal zu Stoke City. Zum ersten Mal seit seinem Wechsel zum FC Barcelona war er wieder Stammspieler. Der Spaß am Fußball kam zurück Gleich in seiner ersten Saison machte er 31 Spiele für Engländer. Aber am Ende kam es wie so oft. Der Körper machte einfach nicht mehr mit. Sein Knie war kaputt. Zwar kam er noch auf weitere zwei Jahre bei Stoke, aber nur 18 Einsätze. Die Knieverletzung und eine anschließende OP beendeten auch dieses Kapitel für ihn.

Er konnte sich auch noch bei den Fans verabschieden.
Er konnte sich auch noch bei den Fans verabschieden. / Soccrates Images/Getty Images

Ein unrühmliches Ende für eines der ehemals größten Talente Europas. In der Saison 2019/20 durfte er noch zu seinem Jugendclub aus Eindhoven zurückkehren. Für die PSV machte der verschollene Sohn nochmal drei Spiele. Er saß mehr auf der Bank, aber es schien, als hätte er seinen Frieden damit gefunden. Immerhin machte diesmal der Körper mit und Afellay blieb gesund. Doch all das konnte nicht verhindern, dass er zuletzt ohne Verein dastand. Nun beendet Ibrahim Afellay seine Karriere im Alter von 34 Jahren. Wir sagen: mach's gut kleiner Zauberer und bleib gesund.

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