Tor-des-Monats-Gewinner David Blacha im 90min-Gespräch: "Götze hat Fähigkeiten, die nicht kopierbar sind"

Nikolas Pfannenmüller
David Blacha (rechts) mit seinem Teamkollegen Richard Sukuta-Pasu (links).
David Blacha (rechts) mit seinem Teamkollegen Richard Sukuta-Pasu (links). / Christof Koepsel/GettyImages
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David Blacha spielt aktuell für den SV Meppen in der 3. Liga. In seiner Karriere lief der 31-Jährige auch für Rot Weiss Ahlen, den SV Sandhausen, Hansa Rostock, Wehen Wiesbaden und den VfL Osnabrück auf. Zählt man seine Zweitliga- und Drittligaspiele zusammen, kommt er auf
etwas mehr als 350. In seiner Jugend spielte er für Borussia Dortmund. Sein Treffer gegen den MSV Duisburg im Oktober 2021 wurde von der ARD Sportschau zum Tor des Monats ausgezeichnet.


Herr Blacha, waren Sie in Ihrer Jugend ein Schlitzohr?

David Blacha: Die Frage spielt wahrscheinlich auf das Tor gegen den MSV Duisburg an. Keine Ahnung, ich habe früher schon das ein oder andere Tor geschossen, wo ich schnell geschaltet und nachgedacht habe. So ein schönes Tor hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich würde mich grundsätzlich für einen Spieler halten, der versucht, viel mit dem Kopf zu arbeiten und der viel über Fußball nachdenkt. Ich würde mich aber nicht pauschal als Schlitzohr bezeichnen.

Am 2. Oktober 2021 spielte David Blacha mit dem SV Meppen beim MSV Duisburg. In der 20. Minute bekommt Meppen einen Freistoß zugesprochen rund 45 Meter zentral vor dem gegnerischen Tor. Der Duisburger Torhüter Leo Weinkauf läuft bis an den Rand des eigenen
Sechzehners, um seine Vorderleute für die Ausführung des Freistoßes aufzustellen. Weinkauf bemerkt nicht, dass der Schiedsrichter den Ball freigegeben hat. Blacha, der zur Ausführung des Freistoßes bereit steht, handelt gedankenschnell und schießt den Ball gefühlvoll über den zu
spät in seinen Kasten zurückeilenden Weinkauf hinweg ins Duisburger Tor. Blachas Tor wurde zum Tor des Monats Oktober ausgezeichnet.

Welche Emotion kam Ihnen in den Sinn, als Sie die Flugkurve des Balles beobachtet haben? Wussten Sie schon, dass der Ball reingeht?

Blacha: Man hat als Fußballer ja so ein Gefühl, wenn man einen Ball gut trifft. Das war genau so ein Moment. Es war ein gutes Gefühl, als der Ball direkt ohne aufzukommen ins Netz geflogen ist. Es war natürlich eine tolle Geschichte, dass mein Schuss zum Tor des Monats ausgezeichnet wurde, aber am Ende überwiegt trotzdem die Freude über das Ergebnis. Das waren damals ganz wichtige drei Punkte für uns, weil wir uns auswärts sehr schwer getan haben. Der Erfolg war wie ein Eisbrecher, weil wir auswärts seitdem mehr Punkte holen. Ich würde fast behaupten, die Freude über das Tor wäre genauso groß gewesen, wenn ich das 1:0 aus zwei Metern über die Linie gedrückt hätte.

Aktuell läuft es ziemlich gut für Sie und den SV Meppen. In der Tabelle der 3. Liga belegt Meppen den 6. Platz, auf den Dritten Eintracht Braunschweig hat Meppen nur zwei Punkte Rückstand. Dabei stieg Meppen in der vergangenen Saison sportlich ab. Da der KFC Uerdingen die Lizenzauflagen nicht erfüllen konnte, blieb Meppen in der 3. Liga. Jetzt haben Sie in der vergangenen Saison noch beim damaligen Zweitligisten VfL Osnabrück gespielt, aber wie ist es möglich, dass Vereine in der 3. Liga innerhalb weniger Monate immer wieder große Sprünge in der Tabelle machen oder manchmal auch von oben nach unten durchgereicht werden? Ist die 3. Liga so offen?

Blacha: Ja, definitiv. Es ist sehr eng. Es ist tatsächlich so, dass die berühmte Tagesform das Pendel in die ein oder andere Richtung schwingen lässt. Sehr viel hängt davon ab, ob Mannschaften einen Lauf
haben – positiv wie negativ. Verglichen zur letzten Saison konnten wir zum Glück einen Sprung machen. Da steckt natürlich einiges an Arbeit drin und einige Lehren, die man aus der letzten Saison gezogen hat seitens der Verantwortlichen und Spieler, die schon letzte Saison da waren. Dazu kommt neuer Input. Stand jetzt haben wir die richtige Mischung gefunden, um einen Schritt zu machen. Ich glaube, wir hätten von vornherein nicht den Anspruch gehabt, dass wir am 23. Spieltag so weit oben stehen. Aber an jedem Wochenende bewegt es sich auf Messers Schneide. Ich erinnere mich an das Spiel in Magdeburg, das sehr eng war gegen uns. Magdeburg marschiert trotzdem sehr souverän durch die Liga. Es ist eine sehr enge, ausgeglichene und umkämpfte Liga.

In dieser Saison sprechen viele über die 2. Bundesliga, da sich hier Traditionsvereine wie der FC Schalke 04, Werder Bremen und der Hamburger SV tummeln. Was macht den Reiz der 3. Liga aus abgesehen von der Tatsache, dass sie so ausgeglichen ist?

Blacha: Es ist immerhin eine nationale eingleisige Klasse. Ich glaube, kein Drittligaspieler würde freiwillig sagen, dass er lieber 3. Liga als 2. Liga spielt. Das wäre Quatsch. Aber trotzdem ist es eine
große sportliche Herausforderung und eine große Leistung, Teil dieser Liga zu sein. Ich glaube, die 3. Liga gehört wahrscheinlich europa- oder weltweit zu den stärksten unteren Ligen beziehungsweise zum stärksten Unterbau. Jeder Drittligaspieler kann ein Stück weit stolz darauf sein, weil die berühmte Pyramide für den Leistungsfußball in diesem Bereich schon sehr spitz wird.

Magentasport überträgt seit ein paar Jahren die 3. Liga. Wie sehr profitiert die 3. Liga davon?

Blacha: Ich glaube schon, dass es dadurch attraktiver wird. Man merkt das schon, weil Bekannte oder Freunde das ein oder andere Livespiel schauen. Die mediale Aufmerksamkeit ist größer geworden. Schade ist natürlich der große Spalt, der zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga klafft. Da wissen wir alle drum, kein Beteiligter macht einen Hehl daraus. Es ist schade, dass fast kein Verein ohne große Investitionen in der 3. Liga überleben kann. Es wäre schön, wenn man sich um die finanzielle
Situation der Vereine weniger Sorgen machen müsste. Die Corona-Pandemie tut ihr Übriges dazu.

Zu Saisonbeginn haben Sie mit Meppen in der 1. Runde des DFB-Pokals nur knapp gegen Hertha BSC verloren. Davie Selke erzielte den1:0-Endstand in der 91. Minute. Wird der Leistungsunterschied zwischen 1. Bundesliga und 3. Liga tendenziell überschätzt? In einem Spiel scheint alles möglich zu sein, was auch die jüngsten Pokalspiele zeigen.

Blacha: Richtig. In einem Spiel ist tatsächlich alles möglich. Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Es gibt natürlich einen Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Spielern. Keiner spielt aus Zufall in der 1. Bundesliga und keiner aus Zufall in der 3. Liga. Aber wir sind auch keine Vollblinden in der 3. Liga. Wenn man zusammenhält und sein Tor verteidigt, kann man den Leistungsunterschied ganz gut wettmachen. Ich glaube, dass die Vereine in den letzten Jahren ziemlich zusammengerückt sind. Dennoch muss man den Hut davor ziehen, welche Qualität in den obersten Ligen rumrennt. Letztlich spielt der eine zu Recht dort oben und der andere etwas tiefer. Aber das soll die Leistung nicht mindern, wenn man in einer der drei Profiligen in Deutschland spielt.

Obwohl Diego Maradona 1982 sein allererstes Spiel für den FC Barcelona beim SV Meppen absolviert hat (zum 70-jährigen Vereinsjubiläum des damaligen Oberligisten), gilt das beschauliche 35.000 Einwohner Städtchen Meppen im Emsland als Inbegriff der Fußballprovinz. Toni Schumacher sagte einst: "Ich spiele doch nicht in Meppen". Sie haben sich im Sommer 2021 entschieden, genau dorthin zu wechseln. Wollen Sie eine Lanze brechen für den Klub und die Stadt?

Blacha: Das ist schon eine sehr verrückte Fußballgegend. Wer einmal dort gespielt hat, vor allem unter normaler Stadionauslastung, wird bestimmt nicht sagen, dass es hier keinen Spaß macht, Fußball zu spielen. Es herrscht eine große Euphorie. Natürlich ist Meppen etwas ab vom Schuss. Ich selbst komme aus dem Ruhrpott, wo man in 15 Minuten von Großstadt zu Großstadt springt. Das ist im Emsland nahe an der niederländischen Grenze natürlich anders. Die geographische Nähe zu
meiner Heimat war aber ein Argument für mich, nach Meppen zu kommen. Meine Familie und ich wohnen in der Nähe von Dortmund. Daher mussten wir nicht umziehen und konnten unsere Kinder im dortigen Kindergarten lassen. Aber wer mal da gewesen ist, weiß, dass es viel Spaß machen kann, in Meppen Fußball zu spielen. Außerdem wird sich größte Mühe gegeben, den Verein nach vorne zu bringen.

Sie spielen im zentralen Mittelfeld. Sind Sie eher der Typ Abräumer, Box-to-Box-Spieler oder Aufbauspieler?

Blacha: Schon eher Aufbauspieler. Ich sehe meine Stärken vor allem mit Ball. Aber Ich bin mir nicht zu schade, auch mal dazwischenzugehen. Es gehört vieles dazu. Wir haben in dieser Saison entdeckt, dass wir auch richtig gut verteidigen müssen, um ins Umschaltspiel zu kommen und dadurch unsere Spiele zu gewinnen. Ich versuche, das auf die Platte zu bringen, was am Ende der Mannschaft hilft. Und wenn ich weniger im Aufbau unterwegs bin, sondern vielleicht eher damit beschäftigt bin, das Spiel des Gegners zu unterbinden, dann ist es so. Am Ende zählt, dass wir etwas aufs Punktekonto bringen. Das ist das Wichtigste – egal wie ich spiele und bei welchem Klub.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Eigenschaft für einen zentralen Mittelfeldspieler?

Blacha: Ich glaube, das Riskomanagement ist ziemlich wichtig. Man muss einschätzen, in welcher Spielsituation und an welcher Stelle auf dem Platz man etwas riskieren kann, wann man ins Dribbling gehen kann oder wann es besser ist, den sicheren Pass zu spielen. Ich glaube, das man auf dieser Position weniger Fehler machen sollte als auf offensiveren Positionen, weil es bei einem Ballverlust schon sehr schnell aufs eigene Tor zugeht. Es ist wichtig, eine gewisse Ruhe mitzubringen und zu kommunizieren, weil man eine zentrale Position hat und von dort alle erreichen kann. Die Position ist sehr facettenreich. Auf anderen Positionen muss man natürlich andere Dinge mitbringen, aber
so würde ich das Spiel eines zentralen Mittelfeldspielers beschreiben.

Wie wichtig finden Sie die Beidfüßigkeit gerade auf Ihrer Position und wie schulen Sie diese?

Blacha: Mein Vater hat mir zum Glück von klein auf eingetrichtert, dass ich beide Füße benutzen soll. Ich bin vorrangig Rechtsfuß, kann aber beide Füße benutzen. Aber wenn der Ball auf dem linken Fuß liegt, spiele ich ihn eben mit links, auch wenn dann vielleicht die Genauigkeit darunter leidet. Ich halte es für sehr, sehr wichtig, dass man beide Füße benutzen kann. Auf der anderen Seite gibt es Spieler, die so überragend mit dem einen starken Fuß sind und im Laufe ihrer Karrieren Lösungen gefunden haben, den schwachen Fuß zu umgehen. Das ist aber fast die größere Kunst, beide Füße benutzen und zu schulen.

Sie sind jetzt 31 Jahre alt und einer der erfahreneren Spieler beim SV Meppen. Zählt man Ihre Zweitliga- und Drittligaspiele zusammen, kommen Sie auf etwas mehr als 350. Im US-Sport sagen erfahrene Athleten mitunter, "that the game slows down for them". Das Spiel erscheint Ihnen mit der Zeit langsamer, weil das Gehirn mehr Informationen in höherer Geschwindigkeit verarbeiten kann. Haben Sie diese Erfahrung auch gemacht im Laufe der Jahre?

Blacha: Ich finde das eine interessante Aussage, die ich so direkt noch nicht gehört habe. Aber man hat als junger Spieler sich oft darüber Gedanken gemacht, weil Trainer einem immer gesagt haben: "Du bist jung, mit der Zeit werden viele Dinge kommen und du wirst du viel lernen". Als junger Spieler will man spielen, will man ankommen, man will es nicht so sehr akzeptieren, dass man vielleicht hintendran ist und erst einmal sich viele Dinge abschauen soll. Aber ich habe durchaus jetzt
gemerkt, dass es so viele Spielsituationen gibt, die sich immer und immer und immer wieder wiederholen. Und mit der Zeit entwickelt man Muster, wie man diese Spielsituationen lösen kann. Ich würde schon sagen, dass man durch die Häufigkeit der Spielsituationen auf lange Sicht durchaus besser umgehen und schneller reagieren kann.

Hatten Sie auf dem Fußballfeld schon Momente, die man mit dem Begriff "Flow State" beschreiben könnte? Zum Beispiel Spiele, in denen Ihnen intuitiv alles gelingt, ohne dass Sie sonderlich viel Mühe
aufwenden müssen. Oft geht dieser Zustand auch einher mit einer veränderten Wahrnehmung von Zeit.

Blacha: Es gibt natürlich viele Spiele, bei denen man im Nachhinein bemerkt, "ich habe den Ball gar nicht so gut getroffen und der Ball hat trotzdem eine gute Flugbahn genommen". Es gibt Spiele, in denen mehr Dinge klappen und dann wieder Spiele, in denen es mies läuft und man denkt sich: "Was ist denn jetzt los, habe ich gerade das Fußballspielen verlernt?". Diese Momente gibt es. Aber dass man das Zeitgefühl verliert und fast wie in Trance spielt, habe ich persönlich noch nicht wahrgenommen.

Im Nachwuchs haben Sie für Borussia Dortmund gespielt. In der U19 war Mario Götze einer Ihrer Teamkollegen. Haben Sie sich von Ihm etwas abgeschaut?

Blacha: Es war immer eine Augenweide, Mario zuzuschauen. Er war und ist ein unglaublich großes Talent. Er hat einen ganz ästhetischen Stil, wie er mit dem Ball umgeht. Sich von ihm etwas abzuschauen, war schwierig. Er hat Fähigkeiten, die nicht kopierbar sind. Ich finde, dass man seinen eigenen Weg finden muss, wie man sich durchsetzt, wie man zum Abschluss kommt und wie man an einem vorbeigeht. Mario hat schon etwas besonderes an sich. Man kann nicht einfach sagen: "Ich gucke mir das mal an und mache das genauso". Er hat schon in jungen Jahren sehr häufig das Gespür gehabt, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen, nicht abzuschließen, aufzuziehen oder eine andere gute Entscheidung zu treffen. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuspielen. Er war auch ein ganz netter Junge. Es ist schade, dass in den letzten Jahren viel Kritik auf ihn eingeprasselt ist und er nicht die Riesen-Riesen-Karriere gemacht hat, die ihm der ein oder andere vorausgesagt hat.

Sie besitzen die deutsche und die polnische Staatsbürgerschaft. In der U19-Nationalmannschaft Polens standen Sie gemeinsam mit dem heutigen Weltklasse-Torhüter Wojciech Szczesny auf dem Platz. Wie war die Erfahrung, mit ihm zusammenzuspielen? Haben Sie noch Kontakt?

Blacha: Wir haben uns gut verstanden. Auch ein zweiter Spieler aus dem Team, Grzegorz Krychowiak, hat eine große Karriere hingelegt. Mit ihm habe ich mich ebenfalls gut verstanden. Im Fußball ist es aber oft so, dass man im Privatleben oft getrennte Wege geht. Ich habe dann beispielsweise in Deutschland gelebt, Szczesny hat seine Karriere dann bei Arsenal fortgeführt. Wenn man sich irgendwo treffen würde, würde ich ihn selbstverständlich erkennen. Ich gehe aber auch davon aus, dass er mich auch erkennen würde, weil wir Fußballer oft ein gutes Gedächtnis haben, was Gesichter angeht. Er war schon damals ein ganz hervorragender Torhüter, dessen Karriere fast schon vorprogrammiert war. Es ist cool, mit solchen Jungs zusammengespielt zu haben, die den ganz
großen Sprung geschafft haben.

Hätte Ihr Weg nach der A-Jugend auch in die 1. Bundesliga führen können?

Blacha: Vielleicht, wenn an der ein oder anderen Abzweigung andere Dinge passiert wären. Aber es ist müßig, darüber zu reden. Im Nachhinein betrachtet habe ich immer mein Bestes gegeben. Ich habe immer die Entscheidung getroffen, die ich im jeweiligen Moment für mich am besten
hielt. In diesem Sinne kann ich mir nichts vorwerfen. Ich bin im Nachhinein sehr stolz auf das, was ich geschafft habe. Ich bin überhaupt nicht wehleidig und sage nicht: "Ach hätte mich der Trainer vielleicht öfter spielen lassen oder hätte er mich mehr gemocht als den anderen...". Das einzige, das ich mir vorgeworfen hätte, wäre, wenn ich nicht alles gegeben hätte. Ich habe an jeder Stelle versucht, mein Bestes zu geben. Mal gelingt es besser, mal schlechter. Sie hatten ja angedeutet, dass
ich über 350 Spiele in der zweiten und dritten Liga bestritten habe. Das spricht dafür, dass ich mich lange auf einem ziemlich hohen Niveau bewegen konnte und noch bewegen kann. Ich trauere nicht irgendwelchen vergebenen Möglichkeiten hinterher.

Wie bereiten Sie sich mental auf Spiele vor? Haben Sie bestimmte Routinen?

Blacha: Das Übliche: Ich schaue mir vorher den Platz an, setze mich eine Zeit lang auf die Ersatzbank und lasse das Stadion auf mich wirken. Aber keine speziellen Dinge. Ich ziehe mich dann irgendwann um. Dann möchte der Trainer noch mit einem sprechen oder man tauscht sich mit einem Mitspieler aus. Im Fußball sind die Abläufe recht automatisiert. Das Essen, der Treffpunkt und der Anstoß ist in unserer Liga jeweils oft zu einer gleichen Zeit. Das Aufwärmen ist an jedem Spieltag ziemlich
identisch. Es gibt so viele Automatismen, dass ich mir keine eigenen Rituale angewöhnt habe.

Welchen Stellenwert nimmt das Thema Ernährung bei Ihnen ein?

Blacha: Ich versuche mich, soweit möglich, sportlergerecht zu ernähren. Meine Frau und ich haben drei Kinder. Da ist es oft nicht so einfach, gewisse Uhrzeiten einzuhalten. Aber trotzdem versucht man sein Leben ein Stück weit auf den Fußball auszurichten. Ich würde mich nicht als absoluten Paradeathleten hinstellen, was die Ernährung betrifft. Aber man achtet schon drauf. Man muss am Ende 90 Minuten auf dem Platz stehen und wenn man sich nur von Pizza und Pommes ernährt, dann kriegt man auf Dauer seine Probleme.

In einem Interview im Jahr 2013 haben Sie gesagt, dass Sie ein Fernstudium zum Sportbetriebswirt absolvieren. Was ist daraus geworden?

Blacha: Das ist leider nicht abgeschlossen worden. Es war für mich persönlich ein sehr schwerer Studiengang. Ich hatte Nachhilfe bei einem damaligen BWL-Studenten. Ich habe dann aber gemerkt, dass es zu stressig ist und mich weder auf den Fußball noch auf das Studium vollständig
konzentrieren kann. Ich möchte jetzt noch professionell weiter Fußball spielen.

Haben Sie schon eine Vorahnung, welchen Beruf Sie nach Ihrer aktiven Karriere ausüben möchten?

Blacha: Ehrlicherweise noch nicht. Ich könnte mir einen Beruf im Fußball vorstellen, aber das erzählen ja viele Ex-Fußballer. Ich könnte mir auch einen Werdegang in einem anderen Bereich vorstellen. Derzeit fühle ich mich richtig gut und habe Bock, noch das ein oder andere Jahr Fußball zu spielen. Blöd gesagt: Wenn ich für meine Kinder das Essen auf den Tisch bringen muss, dann werde ich alles tun und bin mir für nichts zu schade. Ob ich eine Ausbildung, ein Studium oder ein Quereinsteiger-Job beginnen werde, optimalerweise im Fußball oder in der Selbstständigkeit, wird sich zeigen. Ich schaue jetzt schon mal rechts und links, was mich interessiert, aber ich habe mich noch nicht
festgelegt.

Gibt es eine Thema, das Sie selbst mal ansprechen wollen? Was könnte die Sportberichterstattung in Deutschland zum Beispiel besser machen?

Blacha: Ich bin eigentlich jemand, der ziemlich gut mit der Presse klarkommt. Ich habe keine persönlichen Erfahrungen, die mir aufgestoßen sind. Ich glaube, dass größtenteils schon sehr fair miteinander umgegangen wird. Es ist andererseits eine total gläserne Zeit, da müssen wir uns nichts vormachen. Im heutigen Social-Media-Zeitalter wird sehr offen kommuniziert. Vor einigen Jahren musste man noch viel mehr unternehmen, um Informationen herauszubekommen. Ich bin immer offen und ehrlich: Wenn ich mich nicht unterhalten möchte, dann sage ich das höflich und dann wird das im Normalfall akzeptiert. Wenn mich keiner anspricht, dann bin ich wahrscheinlich in dem Moment nicht interessant genug für ein Interview. Das ist für mich auch in Ordnung. Ich habe keine schlechten Erfahrungen mit der Presse gemacht und per se auch keine Vorschläge oder Anregungen, um etwas zu verbessern.

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