Dank Ronald Koeman: Jetzt zünden die teuren Neuzugänge beim FC Barcelona

Christopher Kleis
Dembele, Griezmann und de Jong sind endlich zu Leistungsträgern geworden.
Dembele, Griezmann und de Jong sind endlich zu Leistungsträgern geworden. / ANDER GILLENEA/Getty Images
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Lange hat es gedauert, aber der FC Barcelona hat das Siegen für sich wiederentdeckt. Trainer Ronald Koeman trieb bei den Katalanen nach seinem Amtsantritt einen gnadenlosen Neuanfang voran. Nicht alle waren damit einverstanden, aber mittlerweile zeigt sich, Barca kann wieder Fußball spielen und Spiele gewinnen. Und noch viel wichtiger ist, dass die teuren Neuzugänge der Vorjahre auch endlich angekommen sind.

Seit mittlerweile zwölf Spielen ist der FC Barcelona in der Liga ungeschlagen und hat sich bis auf Rang drei an die beiden Hauptstadt-Clubs Atletico und Real heran gekämpft. Einer der Gründe, weshalb es trotz aller internen Konflikte und Veröffentlichungen läuft, ist mit Sicherheit, dass Ronald Koeman es geschafft hat, ein System einzuführen, von dem momentan neben Lionel Messi auch Antoine Griezmann, Ousmane Dembele und Frenkie de Jong profitieren.

Topstürmer auf der Suche nach seiner Position - Griezmann hat sie endlich gefunden

Antoine Griezmann durfte sich zuletzt des öfteren feiern lassen.
Antoine Griezmann durfte sich zuletzt des öfteren feiern lassen. / CRISTINA QUICLER/Getty Images

Der Wechsel des Franzosen galt als Schritt Barcas die Konkurrenzfähigkeit von Atletico Madrid einzuschränken. Die aktuelle Saison zeigt, dass das nicht der Fall war. Mit dem eingenommenen Geld kauften sich die Madrilenen den hoch veranlagten Joao Felix, der in dieser Spielzeit brilliert. Und Griezmann? Der hatte so seine Schwierigkeiten beim FC Barcelona. Denn unter Quique Setien suchte der Superstar nach seiner Position.

Oft wurde er auf dem Flügel eingesetzt, weil es im strengen 4-3-3 System des FC Barcelona nur einen Spieler auf der falschen Neun geben durfte. Diese Rolle war meistens für Lionel Messi reserviert. Eine hängende Spitze wie unter Diego Simeone konnte Griezmann also nicht spielen. Auf dem Flügel war er aber auch verschenkt. Es blieben nur die Möglichkeiten Bankplatz oder die ungeliebte Außenbahn.

Unter Koeman ist das anders. Der Niederländer brach die Dominanz des bis zum Überdruss gespielten Systems und variiert auch mal in ein 4-2-3-1 oder ein 3-4-2-1. Beides Systeme, die es zulassen, dass Griezmann sich auch mal als hängende Spitze ins Spiel einfügen kann. Zwar wurde er nominell noch auf der linken Seite aufgeboten, aber er hat die Freiheit, auch mal ins Zentrum zu ziehen. Der Stürmer dankt das Vertrauen, das er trotz anhaltender Kritik vom Trainer bekommt. In den letzten acht Liga-Spielen schoss er drei Tore und gab vier Vorlagen. Endlich ist er angekommen.

Endlich mal für längere Zeit ohne Verletzungen - Dembele avanciert zum Stammspieler

Dembele ist aktuell richtig gut drauf.
Dembele ist aktuell richtig gut drauf. / Soccrates Images/Getty Images

Dass Ousmane Dembele ein grandioser Fußballspieler ist, bestreitet beim FC Barcelona niemand. Auch in Dortmund wird das zugegeben, so bitter der Abschied auch war. Doch nach seiner Ankunft bei Barca hatte der Neuzugang vor allem mit Verletzungen zu kämpfen. Auch in dieser Saison ist er davon nicht verschont geblieben. Der Unterschied ist, dass Dembele sich dem Kampf gegen die Blessuren angenommen hat und kräftig daran werkelt, schneller und nachhaltiger wieder ins Training einsteigen zu können.

Im UEFA-Interview gab er selbstkritisch zu „Als ich kam, war ich sehr zerbrechlich. Auch als ich bei Dortmund oder davor in Nantes war, war ich zerbrechlich. Hier habe ich mich mich körperlich sehr weiterentwickelt". Fiel er in seinen ersten beiden Jahren noch mit Undiszipliniertheiten auf sich aufmerksam, hat er sich mittlerweile perfekt in das taktische System von Koeman eingefügt. Vor allem als Messi-Ersatz überzeugte er. Als der Argentinier wegen einer Roten Karte gesperrt war, wusste Dembele ganz genau, welche Rolle er ausfüllen musste.

In seinen Anfangsjahren dribbelte er sich viel zu häufig am Gegner fest. Nun scheint er verstanden zu haben, dass Barcas Spiel auf Ballbesitz beruht. Da ist es nicht gerade förderlich, wenn jemand den Ball durch unnötige Dribblings wieder herschenkt. Die letzten Spiele war Dembele allesamt Stammspieler. Nur gegen Deportivo Alaves gönnte ihm sein Trainer mal eine Pause. Ein großer Vertrauensbeweis. Aber jetzt ist der Franzose so langsam angekommen. Es sieht alles danach aus, als würde seine Zukunft weiterhin in der katalanischen Hauptstadt liegen.

Regisseur, der nicht dirigieren konnte - Nun ist de Jong Dreh und Angelpunkt

Frenkie de Jong ist Barcelonas Spielgestalter.
Frenkie de Jong ist Barcelonas Spielgestalter. / Eric Alonso/Getty Images

Er war der große Transfer nach dem außergewöhnlichen Champions-League-Lauf von Ajax Amsterdam in der Saison 2018/19. Frenkie de Jong galt als legitimer Nachfolger von Andres Iniesta und sollte das nächste glorreiche Kapitel in der Geschichte der Katalanen als Spielgestalter prägen. Aber am Anfang bekam er nur kurze Einsätze und vom Trainer keine richtige Unterstützung. Er spielte zwar durch, aber war sehr eingeengt im System.

Unter Koeman ist er nicht nur verletzungsfrei sondern hat im Mittelfeld auch seine freien Momente. Zusammen mit Puig oder Pedri erinnert das Zusammenspiel teilweise schon an die besten Jahre Barcelona, in denen Iniesta und Xavi gemeinsam auf dem Platz standen. De Jong darf endlich schalten und walten. Er ist der Dirigent, als den ihn die Bosse damals geholt hatten.

Er weiß mittlerweile mehr zu zeigen als spektakuläre Tricks. Er lenkt das Spiel, macht es schnell, beruhigt es wieder und gibt im Zusammenspiel mit Lionel Messi eine wirklich gute Figur. Der Superstar hält große Stücke auf den Holländer. Immer wieder gibt er ihm Tipps und Ratschläge, die de Jong gerne annimmt. Wenn er so weitermacht, kann er sich ganz schnell in die Geschichtsbücher des FC Barcelona eintragen.

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