DFB-Frauen

Dallmann, Doorsoun & Co.: Welche Backups konnten sich gegen Finnland für die Startelf empfehlen?

Daniel Holfelder
Stehen Linda Dallmann oder Laura Freigang gegen Österreich in der Startelf?
Stehen Linda Dallmann oder Laura Freigang gegen Österreich in der Startelf? / Maja Hitij/GettyImages
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Felicitas Rauch und Lena Oberdorf fehlten im letzten Gruppenspiel gegen Finnland aufgrund einer Gelbsperre. Lina Magull laborierte an Oberschenkelproblemen und wurde wie Stamm-Innenverteidigerin Kathrin Hendrich geschont. Giulia Gwinn durfte zur Pause in der Kabine bleiben.

Stattdessen bekamen Sophia Kleinherne, Lena Lattwein, Linda Dallmann und Sara Doorsoun die Chance, sich von Beginn an zu zeigen. Nicole Anyomi, Jule Brand, Tabea Waßmuth und Laura Freigang wurden eingewechselt. 90min hat genau hingeguckt und sich gefragt, welche der bisherigen Backups gegen Finnland besonders überzeugen konnten - und wer noch Luft nach oben hat.


Abwehr

Sophia Kleinherne

Sophia Kleinherne
Sophia Kleinherne / Marc Atkins/GettyImages

Die Frankfurterin ist eigentlich im Abwehrzentrum zu Hause, bei Martina Voss-Tecklenburg aber auf der linken Außenverteidiger-Position eingeplant. Bereits in der letzten halben Stunde gegen Spanien war Kleinherne für Felicitas Rauch auf den Platz gekommen und hatte ihre Sache mehr als ordentlich gemacht. Die 22-Jährige konnte insbesondere mit ihrer Zweikampfstärke punkten.

Weil Rauch gegen die Ibererinnen ihren zweiten gelben Karton gesehen hatte, erhielt Kleinherne gegen Finnland das Startelf-Mandat - und erzielte prompt den Führungstreffer! Davon abgesehen ließ die gebürtige Münsterländerin defensiv nichts anbrennen und zeigte eine couragierte Leistung. Dass ihr als gelernte Innenverteidigerin im Angriffsspiel nicht alles gelang, fiel gegen die deutlich unterlegenen Finninnen kaum ins Gewicht.

Im Viertelfinale wird Kleinherne wohl dennoch auf die Bank zurückkehren. Gegen defensive Österreicherinnen spielen Rauchs Offensivqualitäten eine wichtigere Rolle als die kompromisslose Zweikampfführung der Frankfurterin, die nach ihren bisherigen Auftritten aber eine äußerst solide Alternative für die linke Abwehrseite darstellt.


Sara Doorsoun

Sara Doorsoun
Sara Doorsoun / Eurasia Sport Images/GettyImages

Bei der EM 2019 bildete Doorsoun gemeinsam mit Marina Hegering die Stamm-Innenverteidigung. Inzwischen ist Kathrin Hendrich an der 30-Jährigen vorbeigezogen und wird - wie gegen Dänemark und Spanien - auch im Viertelfinale gegen Österreich wieder von Beginn an auf dem Platz stehen.
Doorsoun wird gegen die Österreicherinnen auf die Bank zurückkehren, auch wenn sie sich im letzten Gruppenspiel als verlässlicher Backup erwiesen hat.


Nicole Anyomi

Nicole Anyomi, Essi Sainio
Nicole Anyomi / Harriet Lander/GettyImages

Die 22-Jährige ist eigentlich in der Offensive zu Hause, wurde von der Bundestrainerin aber zur rechten Außenverteidigerin umgeschult. Gegen Finnland konnte die Frankfurterin in ihrer neuen Rolle vollends überzeugen.

Zur Pause für Giulia Gwinn eingewechselt, leitete Anyomi mit einem tollen Pass auf Hendrich das 2:0 von Alexandra Popp ein. Den dritten deutschen Treffer erzielte sie höchstselbst. Auch sonst wusste die Rechtsfüßerin mit ihrer Athletik und ihrer Einsatzbereitschaft zu gefallen.

Bei all dem Lob sollte jedoch nicht vergessen werden, dass in der K.o.-Phase andere Kaliber warten als die harmlosen Finninnen. Den Beweis, dass sie auch gegen Top-Nationen mithalten kann - insbesondere in der Arbeit gegen den Ball - muss Anyomi erst noch erbringen.

Die gebürtige Krefelderin wird in der K.o.-Runde auf die Bank zurückkehren. Auf der rechten Abwehrseite bleibt Giulia Gwinn gesetzt.


Mittelfeld

Lena Lattwein

Lena Lattwein
Lena Lattwein / Eurasia Sport Images/GettyImages

Lena Lattwein rückte für ihre gesperrte Wolfsburger Teamkollegin Lena Oberdorf auf die Sechs und machte ihre Sache ordentlich. Das 1:0 leitete sie mit einem klugen Dribbling im Mittelfeldzentrum ein, davon abgesehen agierte die 22-Jährige unauffällig und hätte durchaus mehr Einfluss auf das deutsche Spiel nehmen können.

Im Viertelfinale wird Lattwein für Oberdorf weichen müssen. Im defensiven Mittelfeld bleibt die 0,7er-Abiturientin aber die erste Alternative und wird weiterhin - wie in den ersten beiden Gruppenspielen -als Jokerin gefragt sein.


Linda Dallmann

Linda Dallmann
Linda Dallmann / Marc Atkins/GettyImages

Die Münchnerin war im letzten Gruppenspiel die beste Spielerin auf dem Platz. Dallmann fand immer wieder die Räume vor der finnischen Abwehrkette, überzeugte nicht nur mit ihrer Dribbelstärke, sondern auch im Passspiel und legte - zugegeben: mit freundlicher Mithilfe der Finninnen - das 3:0 vor.

Die 27-Jährige darf sich gegen Österreich berechtigte Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen. Sollte Konkurrentin Lina Magull weiterhin mit Oberschenkelproblemen kämpfen und nicht vollständig fit sein, wird Martina Voss-Tecklenburg wohl keine Bauchschmerzen dabei haben, Dallmann von Beginn an aufs Feld zu schicken.


Jule Brand

Jule Brand
Jule Brand / Marc Atkins/GettyImages

Gegen Finnland präsentierte sich die Jüngste im DFB-Team erneut mutig und engagiert, blieb jedoch glücklos. Die 19-Jährige wurde bislang in jeder Partie eingewechselt. In der K.o.-Runde dürfte sich an dieser Rolle nichts ändern.

Bislang wussten die etablierten Flügelspielerinnen Klara Bühl und Svenja Huth nur teilweise zu überzeugen. Umso wichtiger könnte Brand mit ihrer Spielfreude und Unbekümmertheit noch werden. Warum nicht mit einem Jokertor gegen die defensivstarken Österreicherinnen?


Sturm

Tabea Waßmuth

Tabea Wassmuth
Tabea Waßmuth / Eurasia Sport Images/GettyImages

Nach ihrer Einwechslung gegen Spanien hatte Waßmuth im Sturmzentrum vielversprechende Ansätze gezeigt. Gegen Finnland durfte die Wolfsburgerin in den letzten 30 Minuten auf der rechten Außenbahn ran und enttäuschte. Keine einzige gelungene Aktion konnte man bei der 25-Jährigen notieren.

Ob sie nach der Rückkehr von Lea Schüller noch einmal eine Chance bekommt, ist nach dieser Vorstellung fraglich. Dabei könnte Waßmuth dem deutschen Team mit ihrer enormen Schnelligkeit auf jeden Fall weiterhelfen. Die gebürtige Gießenerin hat in der vergangenen Saison beim VfL Wolfsburg eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie auf internationalem Top-Niveau nicht nur mithalten, sondern für das Spiel ihrer Mannschaft prägend sein kann. 33 Scorerpunkte in 36 Pflichtspielen sprechen eine klare Sprache.


Laura Freigang

Laura Freigang
Laura Freigang / Marc Atkins/GettyImages

Die Frankfurterin kam gegen Finnland zu ihren ersten 15 Turnierminuten und hätte um ein Haar das 4:0 erzielt. Torhüterin Talaslahti hatte allerdings etwas dagegen. Nicht nur aufgrund der Rückkehr von Lea Schüller wird es Freigang trotzdem schwer haben, weitere Einsatzzeiten zu sammeln.


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