90min
BVB

Dahoud-Love in Dortmund: Sind wir nicht alle ein bisschen Steffen Freund?

Simon Zimmermann
Apr 25, 2021, 12:32 PM GMT+2
Gegen den VfL Wolfsburg überzeugte Mo Dahoud einmal mehr
Gegen den VfL Wolfsburg überzeugte Mo Dahoud einmal mehr / RONNY HARTMANN/Getty Images
facebooktwitterreddit

Sind wir nicht alle ein bisschen Steffen Freund?

Der Europameister von 1996 hatte beim 1:0-Sieg der deutschen Nationalmannschaft im Testkick gegen Tschechien als RTL-Experte angefangen von Mahmoud Dahoud zu schwärmen. Das war am 11.11.2020. Nun könnte man sagen, Freund hat in seiner Funktion als Experte regelmäßig den ein oder anderen - sagen wir "interessanten" - Kommentar auf Lager. Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls, Dahouds zweitem Länderspieleinsatz, riefen Freunds Worte beim geneigten Zuschauer nur ein dickes Schmunzeln hervor.

Steffen Freund (r.) als TV-Experte mit Roman Weidenfeller

Was erlaube Freund? Dahoud-Vergleich mit Xavi!

Denn Freund hatte Mo Dahoud an diesem 11.11.2020 tatsächlich mit dem großen Xavi Hernandez verglichen. Jenem Xavi, der mit Barça und Spanien lange Jahre die Fußballwelt dominierte und so ziemlich alles abgeräumt hatte, was es abzuräumen gibt. Jener Xavi, der als einer der genialsten Mittelfeldstrategen aller Zeiten in die Fußballgeschichte eingegangen ist.

Zum damaligen Zeitpunkt richtete sich die Diskussion in der Republik eher auf die Frage: Warum zum Teufel ist dieser Mo Dahoud, den Freund als Junioren-Nationaltrainer unter seinen Fittichen hatte, überhaupt Nationalspieler? Und man ist geneigt zu sagen, mit dem damaligen Wissen: Keine Ahnung!

Schließlich hatte Dahoud seit seinem Wechsel von Borussia Mönchengladbach zum BVB im Jahr 2017 nie zu überzeugen gewusst. Ja, der 25-Jährige besaß und besitzt ein riesiges Potenzial. Aber konstant, nicht mal über ein gesamtes Spiel, konnte er es in Schwarz-Gelb nie abrufen. Und so war Dahoud in den letzten Jahren mehr Dauer-Reservist und Joker, denn erhoffte Stütze in Dortmund. Der Zug schien längst abgefahren, die Zeichen standen auf Trennung. Immer wenn eine BVB-Streichliste in den Medien auftauchte, war der Name Dahoud ganz oben mit dabei.

Dahouds Aufschwung begann mit Terzic als Chefcoach

Doch Zeiten ändern sich. Und Meinungen können sich drehen. Im Fall von Dahoud beinahe um 180 Grad! Seit Edin Terzic als Chefcoach am Werk ist, wird der Mittelfeldspieler mit afghanischen Wurzeln immer mehr zum Fixpunkt im Dortmunder Spiel. Plötzlich zeigt Dahoud, welch überragenden technischen Fähigkeiten er hat - und paart diese mit großem Laufpensum und Einsatzwillen.

Bestaunen konnte man die Leistungsexplosion des Mo Dahoud in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder. Wie gegen den FC Sevilla im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals. Oder die jüngste Kostprobe: Beim so wichtigen 2:0-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg.

Im Anschluss wurde Dahoud jedenfalls von Terzic und Co. mit Lob überhäuft. "Mo war heute herausragend. Der Pass war nahezu identisch wie gegen Manchester City in der 48. Minute, da hatte er Erling auch schon ins Eins-gegen-Eins mit dem Torwart geschickt", erklärte Terzic gegenüber Sport1 und meinte damit die Traumvorlage von Dahoud auf Erling Haaland zum entscheidenden 2:0.

"Am Ball hat Mo große Fähigkeiten. Aber auch wie er gegen den Ball gearbeitet hat und den Gegner unter Druck gesetzt hat, sodass die Wolfsburger nicht aus dem Halbfeld flanken konnten, das war ein Schlüssel zu den drei Punkten", schwärmte Terzic weiter.

BVB-Kapitän Marco Reus fand ähnliche Worte: "Mo Dahoud spielt einen Weltklasse-Ball in die Tiefe. Das kann man auch mal hervorheben."

BVB strebt Verlängerung mit Dahoud an

Der Dahoud-Hype in Dortmund ist real! Oder wie man es in der Social-Media-Abteilung ausdrückt: "Mo-Love". Längst ist aus dem Streichkandidaten ein Schlüsselspieler geworden. Statt Abgang im Sommer dürfte man aus BVB-Sicht viel eher eine Vertragsverlängerung anstreben. Nach Sport1-Infos wurden zwar noch keine Gespräche darüber geführt, beide Seiten zeigen aber Interesse. Das aktuelle Arbeitspapier ist noch bis zum Sommer 2022 datiert.

Bei all den verdienten Lobpreisungen darf man aber nicht vergessen, wo Dahoud herkommt - und, dass er auch bei den aktuell starken Auftritten immer wieder Schnitzer in seinem Spiel hat. Findet auch Michael Zorc: "Mo hat ein schlaues Spiel gemacht und viele Bälle gestohlen. Ab und an hat er den Ball unnötig verloren. Aber das war sonst sehr gut. Er macht es nach längerem Anlauf sehr gut", so der BVB-Sportdirektor gegenüber Sport1.

Mo Dahoud: Deutscher Xavi (ein bisschen jedenfalls)

Mit Schwankungen muss man beim teils riskanten Spiel von Dahoud aber selbst in Topform rechnen. Wichtig ist, dass er endlich häufiger sein Potenzial zum Ausdruck bringt. Und das scheint tatsächlich in manchen Bereichen an das eines Xavi heranzureichen. Steffen Freund hatte also Recht - zumindest teilweise!

facebooktwitterreddit