Marcel Schmelzer

Ciao Schmelle - der leise Abschied einer BVB-Legende

Martin Bytomski
Stand mit dem BVB im Champions-League-Finale 2013 gegen die Bayern: Marcel Schmelzer
Stand mit dem BVB im Champions-League-Finale 2013 gegen die Bayern: Marcel Schmelzer / Laurence Griffiths/GettyImages
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Am 16. August 2008 war es so weit. In der 72. Minute verließ die BVB-Legende Dede das Spielfeld, ihn ersetzte ein gewisser Marcel Schmelzer. Es war das erste von 258 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund, der Beginn einer neuen Ära. Es wird zumindest im schwarzgelben Trikot maximal noch ein weiteres hinzukommen, denn am Samstag wird Schmelzer beim Spiel gegen Hertha BSC verabschiedet.

Dann geht der dienstälteste Borusse. Seit 2005 spielt 'Schmelle' für die Borussia. Zunächst kickte der damals 17-Jährige in der Jugend, dann in der U23. Der damalige Trainer Jürgen Klopp hatte einen Narren an dem dynamischen Blondschopf gefressen und so rückte Dede immer weiter ins zweite Glied. Fortan galt auf der Linksverteidigerposition: weniger Spielwitz, mehr Arbeit. Mit seinen unermüdlichen Flankenläufen und dem bedingungslosen Pressing verkörperte Schmelzer den kloppschen Fußball in Reinkultur. Der gebürtige Magdeburger war ein Mentalitätsmonster – nicht mit seinem Mundwerk, sondern mit seinem Einsatz.

Er war ein perfekt passendes Puzzleteil. Vor allem im Verbund mit Kevin Großkreutz vermittelte er das Gefühl von Stärke. Egal ob rigorosen Zweikämpfen in der Defensive oder bei einem seiner unzähligen Flankenläufe: Schmelzer und Großkreutz berauschten sich gegenseitig. So war die linke Seite die Herzkammer der Ära Klopp.

Doch mit dem Abgang des jetzigen LFC-Coaches sank auch langsam, aber kontinuierlich Schmelzers Stern. Nicht förderlich war die Übernahme des Kapitänsamtes 2016. Schmelzer musste in einer Zeit der vielen Umbrüche stets vor die Kameras treten – eine Rolle, die ihm nicht so behagte wie die des Malochers auf dem Platz. Zwei Jahre später gab er die Binde dann wieder ab. "Ich bin stolz darauf, zwei Jahre Kapitän gewesen zu sein – und dass ich mit dem Verein viele Titel gewinnen konnte. Einen davon sogar als Kapitän", zieht Schmelzer auf bvb.de dennoch ein positives Fazit mit Blick auf den DFB-Pokalsieg 2017.

Knochenödem als Karrierekiller

Doch auch ohne das Kapitänsamt kam Schmelzers Karriere nicht mehr in Fahrt. Dabei war er im Sommer 2018, als Lucien Favre das Kommando übernahm, in den ersten fünf Partien sogar gesetzt. Ein Knochenödem setzten ihn anschließend aber wochenlang außer Gefecht, seit 2019 stehen nur noch vereinzelte Kurzeinsätze zu Buche. Zuletzt schnupperte Schmelzer am 17. Juni 2020 bei der 0:2-Niederlage in Mainz Bundesligaluft. Seitdem durchläuft der mittlerweile 34-Jährige seine Reha nach einer Knie-Operation.

Am Samstag ist dann auch das letzte Gesicht der teils rauschhaften Zeit mit zwei Meistertiteln, einem Pokalsieg und dem Einzug ins Champions-League-Finale unter Jürgen Klopp Geschichte. Doch beim BVB wird er immer einen Platz haben. "Marcel Schmelzer ist ein Spieler, der sich um Borussia Dortmund außerordentlich verdient gemacht und sich immer zu 100 Prozent mit unserem - mit seinem - Verein identifiziert hat", meinte der ebenfalls scheidende Dortmunder Sportdirektor Zorc.

Und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte vor einigen Jahren: "Marcel Schmelzer ist nicht nur einer der stärksten Linksverteidiger Europas, sondern auch ein wunderbarer Mensch, der dem BVB genauso viel Zuneigung und Respekt entgegenbringt, wie wir ihm."


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