FC Arsenal

Charlie Patiño: Arsenals neueste Nachwuchs-Perle mit Traum-Debüt

Guido Müller
Traf bei seinem Profi-Debüt für Arsenal kurz nach seiner Einwechslung: Charlie Patiño
Traf bei seinem Profi-Debüt für Arsenal kurz nach seiner Einwechslung: Charlie Patiño / GLYN KIRK/GettyImages
facebooktwitterreddit

Von einem solchen Profi-Debüt träumt wohl jeder Fußballer: kurz nach seiner Einwechslung im Ligapokal-Spiel gegen den AFC Sunderland markierte Arsenals Charlie Michael Patiño seinen ersten Treffer (zum 5:1-Endstand) - und könnte damit den Startschuss zu einer großen Karriere gegeben haben.


Sein Nachname verrät schon die galicische Herkunft. Geboren wurde Patiño am 17. Oktober 2003 zwar im englischen Watford - doch seine Wurzeln reichen bis an die nordspanische Atlantikküste. Sein Vater Julio klärt auf: "Meine Mutter stammt aus Lema, bei Cambre, und mein Vater wurde am Spanischen Platz von A Coruña geboren." (marca.com via laopinioncoruna.es)

Patiños Großeltern väterlicherseits emigrierten in den 1960er-Jahren nach England, wo auch sein Vater geboren wurde. Die Verbindung zu seinen spanischen Wurzeln hat der Teenager deshalb nie verloren.

"Schon von klein auf besuchte er jeden Sommer die Stadt [A Coruña], wo er immer sechs Wochen verbrachte. Er kennt die Stadt gut und natürlich auch Deportivo. Wir sind häufig ins Riazor gegangen und haben viele Spiele des Teresa Herrera-Pokals gesehen", berichtet Julio über die ersten Jahre seines Sprösslings.

Im Jahr der "Invincibles" geboren

Als Patiño vor etwas mehr als 18 Jahren geboren wurde, lief übrigens gerade die letzte erfolgreiche Meisterschafts-Saison des FC Arsenal.

Am Ende sollte die Mannschaft den Beinamen "The Invincibles", die Unschlagbaren, bekommen - denn Bergkamp, Henry, Pirès, Ljungberg, Campbell und Co. blieben unter ihrem französischen Coach Arsène Wenger über die komplette Spielzeit hinweg ohne Niederlage.

Arsenal's French forward Thierry Henry (
Das legendäre Arsenal-Team der Saison 2003/04 / ODD ANDERSEN/GettyImages

Von solchen Erfolgen ist die heutige Generation der Gunners noch ein ganzes Stück entfernt. Aber mit Charlie Patiño ist schon mal ein hoffnungsvoll stimmender erster Schritt auf der Rückkehr zu besseren Zeiten gemacht.

Denn seit der Mittelfeldspieler seine ersten Schritte in Klubs wie St Albans City oder Luton Town gemacht hat, eilt ihm ein Ruf wie Donnerhall voraus. Der damalige Arsenal-Scout Brian Stapleton erinnert sich noch gut an das erste Mal, da er Patiño spielen sah.

"In all den Jahren, in denen ich Spieler beobachtet habe, habe ich niemals einen besseren gesehen. Ich sah ihn und konnte es kaum glauben. Er war 11, spielte aber schon, glaube ich, in der U13. Ich war völlig geflashed und dachte nur: 'Wow!' Sein erster Kontakt war unglaublich, seine Vision, sein Gefühl für den Raum. Er war seiner Altersklasse weit voraus. Er befand sich auf einem anderen Planeten." (goal.com via marca.com)

Grund genug für Stapleton, umgehend den damaligen Chef der Arsenal-Nachwuchsabteilung, Sean O'Connor, anzurufen.

"Der fragte mich nach meiner Einschätzung. Und ich sagte nur: 'Ich brauch nicht nochmal hinzugehen. Ich muss ihn nicht noch mal spielen sehen. Du musst diesen Jungen sofort verpflichten!'"

"Der beste Spieler, der jemals die Schwelle von Hale End überschritten hat!"

Und auch O'Connor war beeindruckt, wie Stapleton erzählt: "O'Connor hatte zuvor Jack Wilshere entdeckt, und er sagte mir: 'Charlie ist der beste Spieler, der jemals die Schwelle von Hale End [dem Nachwuchszentrum der Gunners] überschritten hat. Er hat unglaublich viel Potential und könnte bei Arsenal denselben Weg wie Foden bei Manchester City gehen. Er besitzt ein Gefühl für seinen Standort auf dem Platz und für den seiner Mitspieler. Mit einem einzigen Pass kann er eine ganze Abwehr aufreißen.'"

In der Folge durchlief Patiño sämtliche englische Jugend-Nationalmannschaften - und unterzeichnete im Oktober vergangenen Jahres seinen ersten Profi-Vertrag mit den Gunners. Seitdem warteten die Fans sehnsüchtig darauf, die Nachwuchshoffnung endlich auf dem Platz zu sehen.

Am Dienstagabend war es endlich soweit. Schon kurz nachdem Patiño begonnen hatte, sich warm zu laufen, riefen die Fans im Emirates Stadium seinen Namen. Was auch seinen Trainer, und Fürsprecher, Mikel Arteta begeisterte: "Ich hab mitbekommen, wie die Tribüne vor seiner Einwechslung seinen Namen gerufen hat. Das ist sehr schön."

Charlie Patino
Traf kurz nach seiner Einwechslung: Charlie Patiño (rechts freut sich Cedric mit ihm) / Julian Finney/GettyImages

Doch zugleich wollte Arteta den Hype um den 18-Jährigen auch nicht größer machen, als er eh schon ist. "Wir müssen jetzt verhindern, dass der öffentliche Druck zu groß wird. Er ist noch sehr jung, und es gibt viel Konkurrenz. Er muss jetzt Schritt für Schritt gehen. Es war ein guter Anfang. Er hatte seine Chance - und hat sie genutzt."

Mittlerweile hat auch der spanische Fußballverband ein Auge auf den möglichen kommenden Superstar geworfen. Denn für England festgespielt hat sich Patiño noch nicht.

facebooktwitterreddit