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BVB-Transfers: Was ist bislang passiert - und wo herrscht noch Bedarf?

Jan Kupitz
Kehl und Watzke haben schon einiges bewegt in diesem Sommer
Kehl und Watzke haben schon einiges bewegt in diesem Sommer / Jörg Schüler/GettyImages
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Was ist bei Borussia Dortmund in diesem Transfersommer bereits passiert? Wer muss den Verein noch verlassen? Und welche Bereiche müssen verstärkt werden? Analyse, Einblicke und Meinung zum Vorgehen des BVB auf dem Transfermarkt...


Was ist schon passiert?

Neben den Transfers - zu denen wir gleich kommen -, sei hier zunächst einmal der Trainerwechsel genannt. Marco Rose musste überraschend nach nur einem Jahr wieder gehen, weil die Vereinsführung nicht mehr das 100-prozentige Vertrauen in ihn hatte.

Edin Terzic war als Nachfolger die logische und fällige Wahl; er genießt bei den schwarz-gelben Fans einen immensen Kredit und steht für den "BVB-Fußball", wie es immer so schön heißt.


Neuzugänge

  • N. Süle (ablösefrei)
  • N. Schlotterbeck (20 Mio. €)
  • K. Adeyemi (30 Mio. €)
  • S. Özcan (5 Mio. €)
  • J. Braaf (ablösefrei)
  • M. Lotka (ablösefrei)
  • A. Meyer (ablösefrei)
  • J. Bynoe-Gittens (Jugend)
  • L. Semic (Jugend)
  • G. Gürpüz (Jugend)

Der BVB ist mit seinen Neuverpflichtungen so früh dran wie kein anderer Klub der Bundesliga.

Mit dem ablösefreien Transfer von Niklas Süle konnte Schwarz-Gelb schon frühzeitig ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt setzen - danach folgten die deutschen Shootingstars Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi, die zusammen rund 50 Millionen Euro kosteten. Drei exzellente und sehr kluge Transfers, die den BVB in der Spitze deutlich verstärken werden.

Für das defensive Mittelfeld kam Salih Özcan dank Ausstiegsklausel zum kleinen Preis, Perspektivspieler Jayden Braaf wurde für lau von Manchester City losgeeist. Dazu wurden auch die beiden Torhüter Alexander Meyer und Marcel Lotka neu an Bord geholt.

Obendrein werden die jungen Jamie Bynoe-Gittens, Lion Semic und Göktan Gürpüz aus der Jugend zum Profiteam befördert, wo sie erst einmal fest eingeplant sind. Vor allem Bynoe-Gittens könnte für einige Furore sorgen.


Abgänge

  • E. Haaland (75 Mio. €)
  • R. Bürki (ablösefrei)
  • M. Hitz (ablösefrei)
  • A. Witsel (ablösefrei)
  • D.-A. Zagadou (ablösefrei)
  • M. Schmelzer (Karriereende)
  • M. Pongracic (Leihende)
  • Reinier (Leihende)

Nicht nur bei den Neuzugängen, sondern auch bei den Abgängen hat sich schon einiges getan. Marwin Hitz und Roman Bürki haben den BVB auf der Suche nach Spielzeit ablösefrei verlassen - genau wie Axel Witsel, Dan-Axel Zagadou und Marcel Schmelzer, deren Verträge nicht verlängert wurden.

Am meisten ins Gewicht fällt sicherlich der Abgang von Erling Haaland, der seine Ausstiegsklausel genutzt hat und sich Manchester City anschließt.

Die Leihgeschäfte von Marin Pongracic und Reinier laufen aus und werden folgerichtig nicht verlängert.


Welche Baustellen gibt es noch?

Ganz klar im Fokus: das Sturmzentrum! Dort muss und will der BVB nach dem Haaland-Abschied unbedingt noch einmal tätig werden und einen Zielspieler von stattlicher Figur verpflichten.

Daneben plant die Borussia Verstärkung für die linke Abwehrseite, wo Nico Schulz und auch Raphael Guerreiro hinter den Erwartungen zurückblieben. Aber auch auf der rechten Seite wäre es nicht verkehrt, sich trotz der Comebacks von Thomas Meunier und Mateu Morey nach einem potenziellen Neuzugang zumindest einmal umzusehen.

Die zwei größten Schwachstellen der vergangenen Saison - die Abwehr und fehlendes Tempo auf der Außenbahn - wurden immerhin schon angegangen.


Welche Spieler werden gehandelt?

Für das Sturmzentrum gibt es derzeit vor allem zwei Kandidaten, die mit dem BVB in Verbindung gebracht werden: Sebastien Haller und Sasa Kalajdzic. Letzterer soll derzeit die Nummer eins auf der Liste sein. Für Haller müsste der BVB dagegen nochmals tiefer in die Tasche greifen. Der Ajax-Angreifer würde wohl bis zu 35 Millionen Euro kosten.

Auch für die Linksverteidiger-Position gibt es mehrere Optionen, die in Dortmund ins Spiel gebracht wurden: David Raum, Borna Sosa und Ian Maatsen. Während Letztgenannter ein unbeschriebenes Blatt ist (und dementsprechend wohl keine Sofort-Verstärkung), würden Raum und Sosa mit einer Ablöse von mindestens 25 Millionen Euro kostspielig werden. Ramy Bensebaini, der lange Zeit als der Favorit galt und günstiger zu haben wäre, scheint nach dem Aus von Marco Rose erstmal keine heiße Option mehr zu sein. Am heißesten ist derzeit die Personalie Raum. Ob man den Nationalspieler schon diesen Sommer aus Hoffenheim loseisen kann, bleibt aber abzuwarten. Ohnehin müssten zunächst Schulz und/oder Guerreiro verkauft werden.


Wer könnte den BVB noch verlassen?

Wechselkandidaten gibt es einige: Neben den bereits erwähnten Guerreiro und Schulz würde sich der BVB auch bei großen Namen wie Emre Can, Thorgan Hazard und Julian Brandt gesprächsbereit zeigen. Die drei Akteure haben seit längerer Zeit nicht wie gewünscht geliefert, verdienen aber richtig gut - beim passenden Angebot erhalten sie wohl die Freigabe.

Manuel Akanji soll ebenfalls gehen, da er seinen bis 2023 datierten Vertrag nicht verlängern möchte und noch eine Ablöse einspielen soll. Ein Wechsel nach England oder zu Juventus Turin steht im Raum.

Youssoufa Moukoko wurde lange mit einem Abschied in Verbindung gebracht - durch die Installation von Edin Terzic dürften sich die Zeichen hier aber gedreht haben, so dass der Youngster einen weiteren Anlauf beim BVB nimmt.


Fazit: Was ist für den BVB möglich?

Bis dato muss man dem BVB bei der Kaderplanung wirklich gute Arbeit bescheinigen. Die in den Vorjahren häufig wacklige Abwehr wird durch die Transfers von Süle und Schlotterbeck extrem stabilisiert - zudem verleiht Adeyemi der Offensive endlich wieder Tempo und Qualität im Eins-gegen-eins, die nach dem Sancho-Abgang komplett fehlten.

Auf dem Papier hat Schwarz-Gelb seine Rolle als deutsche Nummer zwei definitiv zementiert, auch der Trainerwechsel könnte der Borussia ein paar zusätzliche Prozentpunkte verleihen.

Ob es für den ganz großen Wurf - sprich: die Meisterschaft - reicht, hängt wie immer in erster Linie vom FC Bayern ab. Ruft der Rekordmeister seine PS ab, ist für die nationale Konkurrenz nichts zu holen. Straucheln die Münchener, ist für den BVB aber was möglich. Vorausgesetzt, man findet einen ehrwürdigen Nachfolger von Erling Haaland, der 20+ Saisontore garantiert.

Aki Watzke betonte gegenüber Sport1 jedoch, dass man erst einmal kleinere Brötchen backen möchte und trat auf die Euphoriebremse: "Wir sind gerade dabei, in der Mannschaft relativ viel zu ändern und einiges neu zu konfigurieren. Der Trainer kommt dazu. Wir müssen Geduld haben und den Jungs Zeit geben. Das mindeste, was bei uns immer Thema ist, ist die Champions-League-Qualifikation." Die sollte mit diesem Kader ohne Umschweife drin sein!


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