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BVB

Die Schwachstellen im BVB-Kader

Jan Kupitz
Dem Kader von Marco Rose fehlt es noch ein wenig an Qualität
Dem Kader von Marco Rose fehlt es noch ein wenig an Qualität / Frederic Scheidemann/Getty Images
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Im Zuge der Verpflichtung von Donyell Malen träumt man beim BVB von großen Titeln. Nach dem DFB-Pokal-Sieg will die Borussia aber nicht nur in den Pokalwettbewerben für Furore sorgen, sondern auch endlich in der Bundesliga mal wieder was reißen. "Wir haben den Kader, um Deutscher Meister zu werden, den Pokal zu gewinnen und in der Champions League weiterzukommen!", ließ BVB-Kapitän Marco Reus in der Bild selbstbewusst verlauten.

Das stimmt prinzipiell natürlich schon, doch drei kleinere Schwachpunkte sind im schwarz-gelben Kader (nach aktuellem Stand) noch auszumachen:

1. Innenverteidigung - Verletzungen bereiten Sorgen

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Hinter Zagadou und Hummels stehen Fragezeichen / LEON KUEGELER/Getty Images

Mats Hummels, Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou, Emre Can, dazu die Toptalente Nnamdi Collins und Soumaila Coulibaly - auf dem Papier kann sich die Innenverteidigung des BVB echt sehen lassen. Doch das Problem ist, dass bis auf Akanji und Can aktuell keine weiteren Innenverteidiger fit sind.

Besonders Zagadous Verletzungshistorie gibt berechtigten Anlass zur Sorge, aber auch die hartnäckigen Patellasehnenprobleme von Hummels sollte man nicht unterschätzen.

Es wäre ziemlich blauäugig von der Borussia, mit dem aktuellen Personal in die Saison zu gehen und darauf zu vertrauen, dass schon alles gutgehen wird.

Fazit: Mindestens ein namhafter Neuzugang muss für das Abwehrzentrum noch kommen, wenn man ganz oben mitspielen will. Passend dazu gibt es (lose) Gerüchte um Merih Demiral von Juventus Turin.

2. Außenverteidiger - Guerreiro überzeugt, aber sonst?

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Guerreiro ist Dortmunds einziger Außenverteidiger von Format / DANIEL ROLAND/Getty Images

Auf der Außenverteidiger-Position herrscht bei Borussia Dortmund ein Qualitätsproblem. Einzig und allein Raphael Guerreiro genügt den Ansprüchen des BVB, die restlichen Kandidaten fallen (teils deutlich) ab.

Über Nico Schulz muss an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden, seine Zeit in Dortmund spricht leider für sich. Ähnliches gilt für Thomas Meunier, bei dem die Vereinsverantwortlichen nach einer ordentlichen EM aber darauf hoffen, dass der Knoten bei ihm in der neuen Saison platzt. Ob sich das am Ende nicht rächt?

Bleiben noch die jungen Mateu Morey und Felix Passlack. Der Spanier wird jedoch allem Anschein nach für die komplette Saison ausfallen, Dortmunds Eigengewächs kommt über annehmbare Ansätze nicht hinaus.

Fazit: Hinten rechts bleibt die ganz große Schwachstelle des BVB. Es wäre nicht überraschend, wenn Emre Can im Saisonverlauf häufiger dort aushelfen muss. Sollte es den Dortmundern gelingen, Schulz durch Marcel Halstenberg zu ersetzen, hätte man zumindest dort eine Sorgenfalte weniger.

3. Offensive - Kein Dribblerkünstler in Sicht

Jadon Sancho
Sanchos Abgang hinterlässt eine Lücke / Matthias Hangst/Getty Images

Mit Donyell Malen bekam der BVB seinen Wunschkandidaten für die Offensive, doch den Niederländer kann man nur bedingt als echten Sancho-Nachfolger bezeichnen.

Während der Engländer es verstand, die gegnerische Abwehrreihen durch Eins-gegen-eins- (oder sogar Eins-gegen-zwei-)Situationen aufzureißen, kommt Malen deutlich zentraler zum Einsatz. Am liebsten als eine zweite Spitze, die um Erling Haaland herum agiert. Das kann sicherlich auch funktionieren, doch gerade im modernen Fußball sind gute Flügelspieler unabdingbar.

Im BVB-Kader fehlt solch ein Spielertyp nach dem Sancho-Abgang jedoch, weder Gio Reyna, noch Thorgan Hazard oder Julian Brandt sind als Dribbelkünstler zu gebrauchen. Auch ein Marco Reus hat seine Stärken mittlerweile einzig und allein im Zentrum.

Lediglich der junge Ansgar Knauff verkörpert in Ansätzen einen Lückenreißer. Ansonsten haben alle Offensivspieler gemein, dass sie über Kombinationen kommen, anstatt ins Eins-gegen-eins zu gehen. Gegen defensiv stabil stehende Mannschaften kann das zum Genickbruch führen.

Fazit: Nach dem Malen-Transfer müsste der BVB eigentlich noch einen klassischen Flügelspieler verpflichten, der über die Außenbahn zur Grundlinie vordringen und der gegnerischen Abwehr so gefährlich werden kann. Ein Noni Madueke, vor zwei, drei Wochen mal in Dortmund gehandelt, wäre Gold wert, sonst droht sich der BVB an mauernden Teams die Zähne auszubeißen. Wie oft hat Sancho mit einem genialen Dribbling eine enge Partie entschieden?

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