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Trotz Platz 2: Die schlechteste Revier-Stimmung herrscht beim BVB

Martin Bytomski
Bekommen aktuell nicht viel Zuneigung von den Fans: Die Spieler von Borussia Dortmund
Bekommen aktuell nicht viel Zuneigung von den Fans: Die Spieler von Borussia Dortmund / Frederic Scheidemann/GettyImages
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Das Ruhrgebiet - Herzkammer des deutschen Fußballs. Hier ist der BVB sportlich die klare Nummer eins. Stimmungstechnisch sieht es aber ganz anders aus... Doch die Hoffnung ist groß, dass sich das schnell wieder ändert.


Beim VfL Bochum wird gefeiert. Die Bochumer Feiermeile Bermuda-Dreieck wurde nach dem Klassenerhalt, ausgerechnet mit einem spektakulären 4:3-Erfolg beim Revierrivalen in Dortmund perfekt gemacht, zur gemeinsamen Partyzentrale von Spielern und Fans. Auch nach dem abschließenden Heimspiel gegen Bielefeld (2:1) wurde im Stadion an der Castroper Straße zum Tollhaus.

Ähnlich das Bild am vergangenen Wochenende, ein paar Kilometer weiter westlich: Die Fans des Zweitligisten FC Schalke 04 stürmten nach dem wilden Ritt, der mit einem 3:2-Sieg über den FC St. Pauli und dem Aufstieg endete, den Rasen der Schalker Arena. Es war die zweite blauweiße Party in kurzer Zeit. Nur in Dortmund ist die Stimmung vor dem aus schwarzgelber Sicht sportlich bedeutungslosen Ausklang gegen Hertha BSC am Samstag (ab 15.30 Uhr) bescheiden. Dabei ist der BVB Vizemeister und die klare Nummer eins im Revier.

Doch allein nackte Zahlen sind nicht die einzige Währung im emotionalen Ruhrgebiet. Sie sind nicht einmal die wichtigste. Denn in der Herzkammer des Fußballs geht es um Arbeit und Hingabe. Dann, nur dann, kann ein Schulterschluss entstehen. Bedeutet: Die Mannschaft auf dem Platz wird bedingungslos unterstützt, nach Niederlagen aufgebaut, wenn die Fans zumindest das Gefühl haben, dass das Team alles rausgehauen hat. Haben die Anhänger das nicht, und dieses Gespür für echte Maloche ist im Revier fein ausgeprägt, strafen sie die Mannschaft mit Pfiffen und wütenden Ansagen.

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INA FASSBENDER/GettyImages

BVB-Fans mit feinem Gespür

Bestes Beispiel: Borussia Dortmund spielte in der Saison 2014/15 eine grauenhafte Hinrunde. Nach der Nullnummer zum Rückrundenauftakt bei Bayer Leverkusen stürzte die Mannschaft sogar auf Tabellenplatz 18 ab. Die Folge war nicht etwa eine Abkehr der Fans von der Mannschaft - im Gegenteil: Die Mannschaft wurde nach dem Abpfiff mit Applaus für eine zumindest kämpferisch starke Leistung bedacht und besungen. Es war der Kredit aus vielen Jahren, den sich der damalige Trainer Jürgen Klopp und die Spieler verdient hatten. Wäre die aktuelle Saison auch nur ansatzweise so katastrophal verlaufen - die Fans wären weitaus früher auf die Barrikaden gegangen.

Denn die Körpersprache einiger BVB-Profis ist unterirdisch. Abwinken, zaudern oder Kopfschütteln statt anfeuern, heißmachen oder lautstarkes Brüllen. Es wirkt, als verlasse sich die Mannschaft vor allem auf ihr Können und vergisst dabei, dass das Schuften auch Teil des Spiels ist. Ein Paradebeispiel ist Julian Brandt. Schaut man auf die Zahlen, sind dem Zentrumsspieler kaum Vorwürfe zu machen. Ein stets ordentliches Laufpensum und wettbewerbsübergreifend 19 Scorerpunkte sind kaum einer Kritik wert. Doch er wirkt oft teilnahmslos und einige Fehlpässe können bei seiner Qualität nur mit Leichtsinn erklärt werden.

Immerhin: Abseits des Platzes entfachen die Verantwortlichen zumindest mit vielversprechenden Transfers eine gewisse Euphorie. Auffällig: Bei allen bislang getätigten Verpflichtungen wurde in der Pressemitteilung des Vereins betont, wie groß die Lust der Spieler auf den BVB sei. Bei Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi wurde auch herausgestellt, dass sich das Duo nicht für das wirtschaftlich beste Angebot entschieden hat, sondern der Wechsel eine Herzenssache sei. Das Trio (mit Niklas Süle) könnte zusammen mit dem einen oder anderen Kicker aus dem eigenen Nachwuchs das Feuer der Borussen auf den Rängen entfachen. Gerade dann, wenn noch der eigentlich erwartete pressing- und tempointensive Fußball von BVB-Trainer Marco Rose auf den Rasen gebracht wird.

Dann dürfte die Stimmung nach der Saison auch wieder besser als bei den blauweißen Rivalen aus Bochum und Gelsenkirchen sein.

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