Bundesliga

Bundesliga: Die tolle Abwechslung wird zum internationalen Hindernis

Yannik Möller
Auch Streichs Freiburger sorgen für Unterhaltung
Auch Streichs Freiburger sorgen für Unterhaltung / Stuart Franklin/GettyImages
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In der Bundesliga sorgen Freiburg, Union, Mainz und auch Hoffenheim für Spannung, Unterhaltung und Überraschungen auf den internationalen Plätzen der Tabelle. Für die teils eingerostete Liga eine gute Abwechslung. Das fällt dem deutschen Fußball allerdings international auf die Füße - es ist ein zweischneidiges Schwert. Ein Kommentar.


Es ist toll zu sehen, wie die vermeintlich kleinen Klubs durch beständige Arbeit ihre Erfolge einfahren. In der Bundesliga ist das allen voran beim SC Freiburg der Fall. Die Breisgauer verdienen sich regelmäßig ihr Lob. Christian Streich ist als Trainer die Galionsfigur des Klubs und der Mannschaft, er steht sinnbildlich für den demütigen Weg.

Das hat dafür gesorgt, dass der Sport-Club als Drittplatzierter in die Winterpause geht - also auf einem Champions-League-Platz. Auch Union Berlin fällt in diese Sparte: die Eisernen haben jahrelang vernünftig gearbeitet und sich eine stabile Basis aufgebaut. Kluge Transfers und die Arbeit von Urs Fischer haben dem Klub schon in der Vorsaison den siebten Platz beschert, dort stehen sie zurzeit erneut.

Zwar mit Abzügen zu den zwei vorigen Beispielen, doch auch die TSG Hoffenheim ist eine der Mannschaften, die durch bislang tolle Erfolge auf einem internationalen Platz überwintert. Diese drei haben in der Hinrunde für ordentlich Unterhaltung und so manche Überraschung gesorgt. Dadurch stehen sie völlig verdient in der Tabelle weit oben, ohne Zweifel.

Urs Fischer, Paul Jaeckel
Auch Union Berlin fährt verdiente Erfolge in der Liga ein / Matthias Hangst/GettyImages

Diese Abwechslung tut der Liga auch gut. Immer wieder wird beklagt, wie vorhersehbar der Saisonverlauf doch geworden ist. Der FC Bayern wird ohnehin Meister, der BVB sichert sich die Königsklasse und duelliert sich zugleich mit RB Leipzig um den Vizemeister-Posten. Dahinter reihen sich dann noch Klubs wie Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach auf. So oder so ähnlich endet die Spielzeit dann schlussendlich doch immer.

Deshalb ist es aus doppelter Sicht schön mit anzusehen, wie die Freiburger und die Berliner die Liga ein weiteres Mal aufmischen - dieses Mal noch etwas deutlicher. Weil sie ihren verdienten Erfolg einfahren, aber auch, weil die einzelnen Spiele dadurch umso bedeutsamer werden, da jeder Sieg notwendig ist, um sich auf die internationalen Plätze zu hieven.

Abwechslung in der Bundesliga als Nachteil im internationalen Geschäft

Doch diese Abwechslung hat auch seine Schattenseite. Wenn Streich und Fischer ihre Lorbeeren einsammeln - nochmals: verdient - heißt das automatisch, dass andere Klubs zurückbleiben. Gladbach und Leipzig spielen bisher viel zu inkonstant, als dass auch 'nur' die Europa League in Reichweite wäre. Leverkusen spaziert mit großer Lust auf Tore und ebenso wenig Spaß am Verteidigen in die Partien.

Dann treten international nicht die qualitativ besseren Teams für den deutschen Fußball an, sondern eher die Zwerge. Was keinesfalls verächtlich gemeint ist, stimmt aber im Vergleich. Natürlich hätten die Freiburger in der Champions League deutlich geringere Chancen auf ein Weiterkommen, als es beispielsweise Leipzig hätte.

Für das Streich-Team wäre es ein tolles Erlebnis, keine Frage. Zudem ein verdienter Erfolg, wenn nach 34 Spielen ein solch hoher Tabellenplatz dabei herausspringen sollte - dieser Aspekt sollte nicht untergehen. Doch würden auf internationaler Bühne selbst die Duelle gegen die kleinen Gegner zu Partien werden, die maximal auf Augenhöhe stattfinden. Ein frühes Ausscheiden wäre nahezu vorprogrammiert.

Adi Huetter, Lars Stindl
Die Gladbacher kommen erst gar nicht ans obere Drittel heran / Thomas Eisenhuth/GettyImages

Selbstverständlich wären auch die Gladbacher derzeit nicht in der Form, um die Königsklasse unsicher zu machen. Doch ist die Qualität des Kaders zweifelsohne viel größer. In Normalform wird die Borussia einen erfolgreicheren internationalen Lauf erwischen können, als Freiburg oder Union.

Schlussendlich kommen dann die Bayern weiter, die Dortmunder im Regelfall auch - und das war es dann auch schon. So unterhaltend man innerhalb der Bundesliga dann auf die Überraschungen und gerechtfertigten Belohnungen für die 'Kleinen' verweisen kann, so wenig bringt es der Liga im internationalen Vergleich.

Es ist also ein Zwiespalt, der sich angesichts dieser Lage bildet. Das soll nicht heißen, dass Streich nun die weiße Flagge hissen soll, bitte nicht! Vielmehr sind die größeren Vereine in der Pflicht, endlich wieder Konstanz in ihre Auftritte zu bekommen.

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