Borussia Mönchengladbach

Abseits oder nicht? Gladbach-Ärger über Regelauslegung von Schiedsrichter Schlager

Simon Zimmermann
Daniel Schlager entschied nach VAR-Hinweis auf Abseits - und nahm das 2:2 zurück
Daniel Schlager entschied nach VAR-Hinweis auf Abseits - und nahm das 2:2 zurück / Lars Baron/GettyImages
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Gladbach verliert in Bochum nach einer über weite Strecken ganz schwachen Leistung. Im Mittelpunkt stand nach Schlusspfiff aber der vermeintliche Ausgleich - und die Abseitsentscheidung vom Schiedsrichter. Lagen Daniel Schlager und der VAR bei der Regelauslegung daneben?


Borussia Mönchengladbach musste am Dienstagabend anne Castroper den nächsten bitteren Rückschlag hinnehmen. Die Fohlen verloren beim Tabellen-17. VfL Bochum mit 1:2 und boten über weite Strecken des Spiels eine schwache Vorstellung. Erst zum Ende der Partie schien die Borussia aufzuwachen. Nach dem Anschlusstreffer durch Plea nach gut einer Stunde köpfte Ramy Bensebaini in der 82. Minute zum vermeintlichen Ausgleich ein.

Nach einem Eingriff von Video-Assistent Johann Pfeifer schaute sich Schiedsrichter Daniel Schlager die Szene allerdings nochmals am Monitor an und entschied nach kurzem Check auf Abseits. Jonas Hofmann soll sich bei seiner Hereingabe in der verbotenen Zone befunden haben.

Schlager erklärt Abseits - und empfiehlt Gladbach neue Regel "aufzuarbeiten"

Eine durchaus sehr diskussionswürdige Szene, die auf Gladbacher Seite für Ärger und Frust sorgte. Schlager erklärte sich nach dem Spiel: "Aufgrund der neuen Regelauslegung handelt es sich nicht um ein kontrolliertes Spiel, weil er im Zweikampf ist - und deshalb war für uns die Entscheidung Abseits die Konsequenz. Natürlich versucht der Spieler, den Ball in höchster Not zu klären, aber das macht er nicht kontrolliert. Wenn er das kontrolliert macht, dann spielt er den irgendwo in Richtung Mittelkreis oder nach vorne. Wenn er aber in höchster Bedrängnis ist und attackiert wird, dann hat er nicht die Zeit und nicht die Kontrolle über die Situation, deshalb ist es unkontrolliert."

Wie kam es zur vermeintlichen Abseits-Szene?

Schlager ging sogar noch weiter und empfahl den Gladbachern am ARD-Mikro, die neue Regelauslegung "aufzuarbeiten". Doch was war genau passiert? Nach einer Hofmann-Ecke köpfte Friedrich den Ball quer, Bochums Lampropoulos versuchte den Ball unter großer Bedrängnis zu klären und spielte die Kugel nach außen - direkt in die Füße von Hofmann. Der Nationalspieler flankte erneut und fand Bensebaini.

Was ist kontrolliert und was ist unkontrolliert? Gladbacher widersprechen Schlager

Die große Frage ist, ob es sich dabei um eine kontrollierte oder unkontrollierte Aktion des Bochumer Verteidigers handelte. Ist Ersteres der Fall, wäre die Abseitsposition aufgehoben, bei Zweiterem hätte sie Bestand. Die Regel wurde hier vor der Saison angepasst beziehungsweise verschärft. Als kontrollierte Aktion gilt inzwischen nicht mehr, wenn der Verteidiger bei einer Streck- oder Sprungbewegung während eines Zweikampfs den Ball spielt. Dieses Argument brachten den VAR und Schlager zu der Bewertung, dass es eine Abseitsposition von Hofmann war.

Die Gladbacher sahen das natürlich anders. "Auch wenn ich meine Gladbach-Brille in die letzte Ecke werfe und die Bochum-Brille aufziehe, muss ich sagen: Es ist kein Abseits", erklärte Christoph Kramer bei Sky und empfand die Bewertung des Schiedsrichters als "natürlich vollkommener Blödsinn."

"Meines Erachtens sieht es nicht aus wie ein unkontrollierter Ball. Er ist halt nur unkontrolliert, weil er ihn nicht richtig trifft. Dafür kann die Regel nichts, dafür kann nur der Spieler was."

"Jeden Tag im Training treffe ich Bälle unkontrolliert, obwohl ich sie kontrolliert hätte treffen können - das ist halt im Fußball so."

Christoph Kramer, Sky

Eine Sichtweise, die man durchaus sehr gut nachvollziehen kann. Lampropoulos hätte genug Kontrolle gehabt, um den Ball besser zu klären. "Der Abwehrspieler kann sein Bein setzen und den Ball wegspielen, er trifft ihn aber nicht richtig und deshalb geht er nach links", meinte auch Vorlagengeber Hofmann. Er bezeichnete es als "Witz, wenn es eine unkontrollierte Abwehraktion sein soll, dass ein Abwehrspieler den Ball nicht mit seinem Spann wegschießen kann".

Als falsche Entscheidung empfand das im Nachhinein gegebene Abseits auch Gladbachs Trainer Daniel Farke. Er sprach nach dem Spiel von einer Szene, die "fachlich falsch bewertet" wurde. Ein Fazit, dem man zustimmen kann oder sogar muss. "Wenn man sich die Szene ansieht, dann ist es natürlich eine beabsichtige Abwehraktion. Der Ball ist im Fünfmeterraum, der Bochumer Spieler will natürlich den Ball rausschlagen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass ein Spieler dafür kritisiert wird, dass er einen Ball nach außen rausspielt. Natürlich spielt er den nicht in die Mitte, wo unsere Spieler lauern, sondern deshalb nach draußen", so der 46-Jährige.

Hinwegtäuschen über die schwache Leistung der Fohlen sollte die Szene allerdings nicht. Farke wurde nach dem Spiel auch deutlich: "Die ganze Geisteshaltung war nicht gut. Ich fand uns mutlos, ich fand uns lauffaul, ich fand uns gedanklich überhaupt nicht schnell."


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