BVB

Julian Brandt: Warum immer gleich die Pistole auf der Brust?

Oscar Nolte
Julian Brandt musste sich in den vergangenen Monaten viel Kritik gefallen lassen
Julian Brandt musste sich in den vergangenen Monaten viel Kritik gefallen lassen / Frederic Scheidemann/Getty Images
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Julian Brandt hat eine schwache Saison beim BVB hinter sich. Da gibt es keine zwei Meinungen. In diesem Sommer galt der Mittelfeldspieler als Verkaufskandidat. Im schwarz und gelben Fan-Lager traf dies auf viel Zuspruch. Nun steht Brandt vor einer richtungsweisenden Saison - warum eigentlich?


2019 wechselte Julian Brandt von Bayer Leverkusen zum BVB - für 25 Millionen Euro seinerzeit ein absoluter Glücksgriff. In seiner ersten Saison deutete der Nationalspieler an, warum Borussia Dortmund ihn unbedingt haben wollte. In der abgelaufenen Spielzeit verspielte Brandt diesen Kredit wieder. Nun wurde ihm die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder er liefert, oder seine Zeit in Dortmund läuft aus.

So funktioniert der Fußball als schnelllebiges Geschäft. Eins muss jedoch differenziert werden: Sportlicher Wert und sportliche Wertschätzung. Letztere lassen Großteile des BVB-Fanlagers hinsichtlich Julian Brandt vermissen. Erst bejubelt, dann verschrien: das ist die Pistole, die Brandt von der breiten Öffentlichkeit auf die Brust gesetzt bekommt.

Michael Zorc attestiert Julian Brandt "unglaubliches Potenzial" - Neustart unter Marco Rose

Ein Marco Reus, Manuel Akanji, Mo Dahoud oder Emre Can: sie alle haben den Misskredit Dortmunder Fans und der Öffentlichkeit zu spüren bekommen. Mit Echter Liebe ist da nicht mehr viel, wenn es sportlich mal nicht läuft. Julian Brandt sind weder Einsatzbereitschaft noch fehlendes Talent abzusprechen. Dass Brandt noch keine klare Position in Dortmund gefunden hat, liegt auch an den bisherigen Trainern und Systemen, unter denen Brandt bei der Borussia gespielt hat. Eine starke erste Saison wird in der Bewertung des Blondschopfes auch viel zu oft unter den Teppich gekehrt.

Es scheint, als würde Brandt sinnbildlich für die Dortmunder Formschwankungen ins Feld geführt werden - ein Sündenbock, will man fast schon meinen.

Den Verantwortlichen ist kein Vorwurf zu machen; in der abgelaufenen Saison hatte der BVB beileibe genug Brandherde. Michael Zorc erklärte nun, nachdem die Wechsel-Spekulationen um Brandt wieder abgenommen haben, gegenüber der Bild: "Es macht total Sinn, dass sich Julian unter dem neuen Trainer beweisen kann. Er ist ein guter Typ, hat unglaubliches Potenzial." Und doch nimmt Zorc den Nationalspieler in die Pflicht: "Ich erwarte von ihm (...) eine Leistungssteigerung. Und dass er dieses Potenzial kontinuierlich abruft."

Julian Brandt
Julian Brandt will für den BVB wieder unverzichtbar werden / Lukas Schulze/Getty Images

Das ist - technisch gesehen - natürlich auch eine Pistole auf der Brust. Allerdings eine geschäftliche, differenzierte; keine aus der Emotion und Enttäuschung heraus geborene. Dass Julian Brandt seinen sportlichen Wert für den BVB noch nachhaltig unter Beweis stellen muss, weiß der 25-Jährige selbst am allerbesten. Dass der Mittelfeld-Routinier aus der Öffentlichkeit und, was viel schlimmer ist, aus dem Dortmunder Fan-Lager aber kaum sportliche Wertschätzung erfährt, ist enttäuschend.

Zumal sich diese Fahne im Wind drehen wird, wenn Brandt wieder liefert. Der BVB als schwarz-gelbe Familie muss vorsichtig sein, wenn sie nicht bald den Ruf als "In Guten, wie in Guten Zeiten"-Familie weghaben will.

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