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Benjamin Pavard beim FC Bayern: der Unersetzliche

Benjamin Pavard
Wie könnte der FCB einen möglichen Pavard-Ausfall auffangen? | Alexander Hassenstein/Getty Images

"Du merkst erst, wie wichtig jemand ist, wenn er nicht mer da ist" - Ein geläufiger Spruch, der derzeit gut zur Situation des FC Bayern passt.

Denn mit Benjamin Pavard droht der etatmäßige Rechtsverteidiger für die entscheidenden Champions-League-Duelle mit einem Bänderriss auszufallen. Jener Pavard, der beim Siegeszug des deutschen Rekordmeisters unter Hansi Flick so ein wenig unter dem Radar geflogen ist. Aber eben auch jener Pavard, für den der FC Bayern keine echte Alternative hat.

Klar, Joshua Kimmich könnte wieder auf die ungeliebte Position hinten rechts rücken. Doch in der Zentrale ist der Nationalspieler deutlich besser aufgehoben und sorgt auf der Sechs für die nötige Statik im Bayern-Spiel. Ein Duo Goretzka/Thiago wäre deutlich offensiver ausgerichtet.

Flick warnte im Winter eindringlich

Den Missstand im FCB-Kader erkannte Flick als erstes. Im Winter forderte er öffentlich einen weiteren Rechtsverteidiger. Hasan Salihamidzic gefiel das Vorpreschen seines Trainers überhaupt nicht. Am Ende bekam Flick dennoch seinen Willen - Álvaro Odriozola wurde für ein halbes Jahr von Real Madrid ausgeliehen.

Das Problem: Der Spanier war nicht der Wunschspieler des Trainers, kam als Dauer-Reservist ohne Spielpraxis nach München. Flick hätte lieber den Brasilianer Dodô aus Donetsk an der Säbener gesehen - oder Benjamin Henrichs, der nun zu RB Leipzig gewechselt ist.

Das Vertrauen in Odriozola war von Beginn an kaum existent - auch wenn Flick ihn öffentlich lobte. Vier Einsätze, davon nur zwei in der Startelf, sprechen eine deutliche Sprache. Pavard war absolut gesetzt und alternativlos im System Flick.

Pavard-Ausfall als Dämpfer für die Triple-Träume

Ohne den französischen Weltmeister wird es brenzlig für den FCB. Selbst der große Triple-Traum könnte dadurch einen erheblichen Dämpfer erfahren. Wirft man einen Blick auf die Alternativen, wird schnell klar, warum.

Die Problematik bei Kimmich ist klar: Der 25-Jährige hat wenig Lust an seinem alten Job. Im zentralen Mittelfeld entwickelte er sich zum Leader im Team, ist - mit Verlaub - dort mindestens eine Klasse besser.

Ohne Pavard - mit Kimmich hinten rechts
Ohne Pavard - mit Kimmich hinten rechts

Odriozola kommt für die ganz großen Duelle ab dem Viertelfinale ebenfalls nur sehr bedingt infrage. Zu groß sind die Schwächen des Spaniers auf beiden Enden des Feldes, zu gering seine Spielpraxis und damit einhergehend auch sein Selbstvertrauen.

Der FCB mit Odriozola als 1:1-Ersatz für Pavard
Der FCB mit Odriozola als 1:1-Ersatz für Pavard

Doch welche Alternativen bleiben? Mit Hernandez oder Davies einen Linksfuß auf rechts ziehen? Schwierig, weil die Außenverteidiger unter Flick extrem für die Breite des Bayern-Spiels zuständig sind und im eigenen Ballbesitz häufig sehr hoch stehen. Für Hernandez oder Davies wird es dadurch schwer, bis an die Grundlinie zu kommen und mit dem schwachen Fuß zu flanken. Beide würden wohl automatisch nach innen ziehen wollen. Diese Rolle kommt aber den offensiven Flügeln Gnabry und Coman zu. Ein weiterer Punkt: Spieler mit einem starken Linken tun sich häufig deutlich schwerer mit ihrem schwachen Fuß als andersherum.

Fazit: Die Idee mit Hernandez/Davies ist nicht mehr als eine absolute Notlösung!

Mit Hernandez auf der "falschen Seite"
Mit Hernandez auf der "falschen Seite"

Noch mehr Notlösung wäre Jerome Boateng auf rechts zu ziehen. Ernsthaft dürfte diese Option nicht zur Debatte stehen. Der Weltmeister von 2014 hat diese Rolle in jüngeren Jahren zwar häufiger bekleidet, dürfte körperlich dazu aber nicht mehr in der Lage sein.

Kreative Lösungen mit Tolisso oder einem neuen System

Gibt es noch andere Möglichkeiten für Flick Pavard zu ersetzen?

Zwei Optionen für den FCB-Coach hätten wir noch: Zum einen könnte er mal in der Vita von Corentin Tolisso nachschauen. Der musste bei Olympique Lyon in seiner Anfangszeit häufiger mal hinten rechts ran. Vom Profil würde der Franzose als Ersatz für seinen Landsmann auch passen: Offensiv ist er stark, verfügt über eine gute Dynamik und sollte auch in der Lage sein, defensiv seine Seite zu machen zu können.

Überrascht Flick mit Corentin Tolisso als Rechtsverteidger?
Überrascht Flick mit Corentin Tolisso als Rechtsverteidger?

Nächste Option: Ein Systemwechsel. Statt auf das bewährte 4-2-3-1 könnte Flick umbauen. Zugegeben, das wäre ein großer Einschnitt in ein System, das wie geschmiert funktioniert. Die Möglichkeit dazu wäre aber allemal gegeben. Hernandez könnte beispielsweise in eine Dreierkette hineinrutschen. Davor könnte sich ein Vierer-Mittelfeld formieren, mit Davies über links, Goretzka oder Thiago mit Kimmich in der Mitte und Serge Gnabry auf der rechten Seite.

Gnabry erfüllte diese Rolle häufiger unter Nagelsmann in Hoffenheim und wäre auch defensiv stark genug, um die Wege nach hinten zu gehen. In der Offensive würden dann Müller und Coman die Halbräume besetzen und Lewandowski wie gewohnt den Mittelstürmer geben.

Der FCB im 3-4-2-1
Der FCB im 3-4-2-1

Am Ende dürfte das aber eher ein Gedankenspiel bleiben. Viel wahrscheinlicher ist ein 1:1-Ersatz von Pavard im bevorzugten 4-2-3-1. Wenn die Bayern am Freitag gegen Olympique Marseille testen, wissen wir vielleicht schon mehr!