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DFB-Team

Beim FC Bayern umfunktioniert: Ist Süle auch im DFB-Team eine Option als Rechtsverteidiger?

Dominik Hager
Mit seinen 1,95 ist Niklas Süle nicht gerade das Musterbeispiel für einen Außenverteidiger.
Mit seinen 1,95 ist Niklas Süle nicht gerade das Musterbeispiel für einen Außenverteidiger. / Sebastian Widmann/Getty Images
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Niklas Süle hat in der ersten Saison nach seiner schweren Kreuzbandverletzung ein Auf- und Ab hinter sich. So war der 25-jährige Verteidiger oft nur Platzhalter von Jerome Boateng und wurde auch von Hansi Flick offen angezählt. Aufgrund der Münchner Schwäche auf der rechten Abwehrseite durfte der Ex-Hoffenheimer aber zumindest auf dieser ungewohnten Position häufiger ran. Dies könnte ihm auch in der Nationalmannschaft neue Türen öffnen.


Mit einer Größe von 1,95 Meter und einem Gewicht von fast 100 Kilogramm gibt Niklas Süle schon ein wenig merkwürdiges Bild eines Außenverteidigers ab. Doch der stämmige Abwehrspieler nimmt es wie es ist und zeigt sich dankbar für jeden Startelfeinsatz. Zwar ist das Leistungsbild der etatmäßigen Innenverteidiger auch auf der Außenposition ein wenig schwankend, so sammelt er immerhin wichtige Spielpraxis in Hinblick auf die Europameisterschaft.

Auch von Bundestrainer Joachim Löw wurde der Abwehrspieler bereits angezählt. Da kann es nur von Vorteil sein, wenn dieser seine Fähigkeiten in mehreren Rollen beweisen kann. Schließlich ist die Außenverteidigung ja auch in der DFB-Elf ein wunder Punkt. Doch ist Niklas Süle wirklich ein Kandidat für die Rechtsverteidigerposition im DFB-Dress?

Groß, stark und erfahren: Das spricht für Niklas Süle

Vom Fliegengewicht Phillip Lahm in nur wenigen Jahren zum Brocken Niklas Süle? Die Entwicklung wäre zumindest vom optischen Verlauf ein echtes Highlight. Wie die letzten Jahre zeigten, kann die Außenverteidigungsposition jedoch von ganz unterschiedlichen Spielertypen ausgefüllt werden. Nicht jeder ist ein Marcelo oder Alphonso Davies, die mit unglaublichen Offensiv-Fähigkeiten das Flügelspiel auf ein anderes Niveau heben. Manchmal reicht es eben auch, wenn ein Außenverteidiger ganz solide seinen Job macht. So hat sich bei der WM 2014 schon herausgestellt, dass Löw durchaus ein Fan davon ist, Innenverteidiger auch auf außen einzusetzen.

Zwar stellten sich vier Innenverteidiger als zu viel des Gutem heraus, so wurde das DFB-Team immerhin mit Benedikt Höwedes auf links Weltmeister. Der frühere Schalker trat offensiv kaum in Erscheinung, war jedoch durch seine defensive Verlässlichkeit ein wichtiger Bestandteil. Genau zu diesem könnte nun Niklas Süle reifen. Der Bayern-Star könnte dem DFB-Team Zweikampf- und Kopfballstärke liefern und das defensive Bollwerk körperlich extrem verstärken. So würde sich dabei auch die Möglichkeit ergeben, Robin Gosens als Linksverteidiger aufzubieten. Der offensivstarke Linksfuß könnte eine leicht asymmetrische Rolle einnehmen, in der seine Fähigkeiten zur Geltung kommen und seine defensiven Schwächen ausgeglichen werden. Rein von ihren Fähigkeiten sind Gosens und Süle nämlich Spieler, die den meisten anderen Optionen in der Außenverteidigung ein Stück voraus sind und vor allem internationale Erfahrung mitbringen.

Man darf jedoch auch nicht vergessen, dass man Niklas Süle ein wenig Unrecht tut, wenn man ihn als reinen Verteidiger abstempelt. So verfügt der frühere Hoffenheimer durchaus über große technische Fähigkeiten. Besonders auffällig wurde dies gegen Lazio Rom, als er sogar mit dem ein oder anderem Trick überraschte. Natürlich wird Süle jetzt nicht zum Flankengott mutieren, so könnte er seinen Mitspieler auf rechts, wie bei den Bayern, durchaus unterstützen. Festzuhalten ist nämlich auch, dass die DFB-Elf ohne kopfballstarken Stürmer ohnehin nicht auf Flanken zurückgreifen sollte.

Hüftsteif und offensiv beschränkt: Diese Schwächen bringt Niklas Süle mit

Den Traum eines modernen Außenverteidigers gibt Niklas Süle jedoch auch nicht ab. So bringt seine Masse durchaus den ein oder anderen Nachteil mit sich. Zwar verfügt der Akteur über eine sehr gute Endgeschwindigkeit, so fallen seine fast zwei Meter in puncto Antritt natürlich ins Gewicht. Das kann schon mal zum Problem werden, da viele Gegner kleine und quirlige Spieler auf den offensiven Außenbahnen einsetzen. Diese sind von Natur aus wesentlich wendiger und haben durchaus die Möglichkeiten, Süle auch mal alt aussehen zu lassen.

Seine überlegene Physik dürfte dem 25-Jährigen dagegen weniger nutzen. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass der Abwehrmann erst sehr wenige Spiele auf dieser Position absolviert hat. So ist durchaus davon auszugehen, dass er nicht in jeder Situation genau weiß, was zu machen ist. Als Schwäche aufzählen, muss man selbstredend auch seine offensiven Fähigkeiten. Zwar weiß der Bayern-Star auch hier ab und an zu glänzen, so sprechen wir dabei noch immer vom Rahmen seiner Möglichkeiten. So verfügt beispielsweise ein Ridle Baku über wesentlich mehr Qualitäten, wie Dribblings, ein starkes Kurzpassspiel oder Flankenläufen. Hierbei muss man letztendlich einfach abwägen, was man sich von einem Außenverteidiger erwartet. Als leichtes Manko kann letztendlich auch noch die aktuelle Form von Süle angesehen werden. So hat sich dieser zwar sichtlich gefangen, ist von seiner besten Verfassung aber immer noch ein Stück entfernt.

Zusammengefast lässt sich nicht bestreiten, dass Süle durchaus eine interessante Option wäre. Dies ist jedoch an mehrere Bedingungen geknüpft. So müsste er bei den Bayern weiter regelmäßig zum Einsatz kommen, was mit der Rückkehr von Pavard schwierig werden könnte. Zudem muss er in puncto Form noch einige Prozent draufsatteln. Allen voran ist aber auch die Frage entscheidend, welchen Typ Außenverteidiger Joachim Löw für seine Spielidee benötigt. Im Hinterkopf sollte man den Bayern-Profi aber allemal haben.

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