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FC Barcelona

Barça vor der Rückrunde: Verhaltener Optimismus im Camp Nou

Guido Müller
Die Startelf des FC Barcelona vor dem Liga-Spiel beim FC Sevilla (1:1)
Die Startelf des FC Barcelona vor dem Liga-Spiel beim FC Sevilla (1:1) / Fran Santiago/GettyImages
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Nur ein Sieg im Monat Dezember! Und der fiel mit 3:2 gegen Kellerkind Elche sogar noch recht glücklich aus. Wohl kaum ein Klub der Primera División in Spanien sehnte die Winterpause so herbei wie der FC Barcelona. Hoffnung auf einen guten Start ins neue Jahr machen nun die "Rückkehrer" und ein paar Neuverpflichtungen.


Dass es nach dem fundamentalen Umbruch beim FC Barcelona (Messi-Abgang inklusive!) in dieser Saison kaum darum gehen konnte, um die Meisterschaft mitzuspielen, war allen Beteiligten eigentlich schon im Sommer klar.

Dennoch haben vor allem die Darbietungen in der Königsklasse für reichlich Ernüchterung rund um das Nou Camp gesorgt. Liga-Niederlagen gegen die großen nationalen Konkurrenten Atlético und Real Madrid taten ihr übriges, um dem geneigten Culé die ganze Tragweite des Endes einer Ära spüren zu lassen.

Ohne die vielen genialen Momente eines Lionel Messi ist dieser FC Barcelona der Spielzeit 2021/22 auf das Maß eines gewöhnlichen Teams zusammengeschrumpft, das an guten Tagen zwar jedem Gegner gefährlich werden kann - an weniger guten jedoch auch gegen so gut wie jede Mannschaft verlieren kann.

Und während Klub-Chef Joan Laporta bereits wieder megalomanen Transfer-Träumen (Haaland!) nachhängt, muss der neue Heilsbringer an der Seitenauslinie, Trainer Xavi Hernández, mit dem Personal auskommen, dass ihm zur Verfügung steht.

Und dieses Personal kam noch bis vor kurzem recht ausgedünnt daher. Was ein Stück weit aber auch vorhersehbar war.

Pedri und Fati im Januar schon wieder eine Option für Xavi

Denn ein Pedri, zum Beispiel, gönnte sich nach der um ein Jahr verschobenen EURO2020 als Zugabe auch gleich noch die olympischen Sommerspiele (ebenfalls mit einem Jahr Verspätung abgehalten) - und ward fortan kaum noch auf spanischen Fußballplätzen zu sehen.

Pedri
Musste seinem enormen Pensum im Sommer, mit zwei Großturnieren in Folge, Tribut zollen: Pedri / David Ramos/GettyImages

Sein letztes Pflichtspiel für die Blaugrana bestritt der Teenager im September. Nur unwesentlich besser sah es bei Ansu Fati aus, der bereits mit Trainingsrückstand (in Folge seines im November 2020 erlittenen Meniskuseinrisses) in die Saison gestartet war und in der Hinrunde kein Spiel über die vollen 90 Minuten bestritt.

Ansu Fati
Will in der Rückrunde durchstarten: Ansu Fati / Juan Manuel Serrano Arce/GettyImages

Umso erleichterter dürfte Xavi die zufriedenstellend voranschreitende Genesung der beiden Youngster registriert haben. In Can Barça rechnet man damit, dass beide schon im kommenden Januar wieder eine reale Option für den Coach sein können.

Dazu gesellen sich mit Routinier (und Rückkehrer) Dani Alves sowie dem spanischen Nationalspieler Ferran Torres zwei Winter-Neuverpflichtungen, von denen man sich rund ums Nou Camp einiges verspricht. Letzterer unterzog sich am Montagmorgen der obligatorischen medizinischen Untersuchung, bevor sein Wechsel dann auch offiziell verkündet wird.

Ferran Torres
Soll heute noch offiziell vorgestellt werden: Winter-Neuverpflichtung Ferran Torres / Soccrates Images/GettyImages

Nachwuchskräfte entwickeln sich schneller als erhofft

Doch vor allem lassen die guten Darbietungen einiger Spieler, mit denen vor der Saison nicht unbedingt zu rechnen war, die Herzen der Fans höher schlagen. Nico, Gavi, Abdé oder auch Ferran Jutglà waren wohl nur den eingefleischtesten Barça-Experten vor der Saison ein Begriff.

Bedingt durch die sehr eingeschränkten finanziellen Mittel, setzte schon Xavis Vorgänger auf dem Trainerstuhl, Ronald Koeman, verstärkt auf die jüngsten Juwelen aus dem eigenen Nachwuchs. Und die Perlen aus La Masia nutzten ihre Chancen und schwangen sich bisweilen sogar zu veritablen Leistungsträgern (Gavi) auf.

Pablo Martin Paez Gavi
Debütierte in diesem Jahr sowohl für die Barça-Profis als auch für die A-Nationalmannschaft Spaniens: der erst 17-jährige Gavi / Quality Sport Images/GettyImages

Zusammengehalten durch ein Korsett von immer noch sehr illustren und gestandenen Spielern wie Marc-André ter Stegen im Tor, Gerard Piqué in der Abwehr oder Sergio Busquets und Frenkie de Jong im Mittelfeld, bilden die genannten Youngster eine vielversprechende Gruppe, die sogar wieder zu vorsichtigem Optimismus einlädt.

Tatsächlich liest sich eine potentielle Startelf, bestehend aus ter Stegen, Alba, Piqué, Araújo, Alves, de Jong, Busquets, Gavi, Pedri, Fati und Torres (mit Dembélé, Depay, García und anderen auf der Bank) nicht so schlecht.

Rückkehr zu alter Stärke soll in der kommenden Rückrunde eingeläutet und in der Saison 2022/23 vollendet werden

Die inoffizielle Zielsetzung beim spanischen Giganten für die anstehende Rückrunde, die bereits am kommenden Sonntag mit einem Auswärtsspiel beim RCD Mallorca beginnt (21.00 Uhr), ist es, in der Europa League soweit wie möglich zu kommen (sie eventuell sogar zu gewinnen!) und in der heimischen Liga zumindest einen der vier Champions-League-Plätze zu erreichen.

Aktuell belegt den ominösen vierten Rang der Aufsteiger Rayo Vallecano. Angesichts von nur zwei Punkten Rückstand auf die Madrilenen liegt der FC Barcelona jedoch noch gut im Rennen.

Erste Anzeichen dafür, dass der Klub wieder auf dem Weg zu alter Stärke ist und mit Klubs wie Real Madrid auf Augenhöhe agieren kann, sollen dann zum Beginn der Saison 2022/23 sichtbar werden.

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