FC Barcelona

Barça für Dummies: Wie kann der FC Barcelona Spieler verpflichten?

Simon Zimmermann
Robert Lewandowski konnte noch nicht registriert werden
Robert Lewandowski konnte noch nicht registriert werden / Eric Espada/GettyImages
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Der FC Barcelona wirft im Sommer 2022 einige Fragen auf. Nach Jahren der finanziellen Misswirtschaft und einem angehäuften Schuldenberg in Milliardenhöhe geht Barça vor der neuen Saison auf Shoppingtour. Über 100 Millionen Euro wurden bereits ausgegeben.

Neben Raphina und Lewandowski kamen Kessié und Christensen jeweils ablösefrei ins Camp Nou. Zudem hat Dembélé seinen Vertrag nach langem Hin und Her verlängert.

Die größte aller Fragen drängt sich unweigerlich auf: Wie kann Barça eine Transferoffensive überhaupt finanzieren?

Warum ist der FC Barcelona verschuldet?

Barça hat in der Saison 2020/21, die wegen der Pandemie größtenteils ohne Zuschauer gespielt wurde, Verluste in Höhe von über 480 Millionen Euro hinnehmen müssen.

Die enormen Lohnkosten des Luxus-Kaders, ohne Einnahmen am Spieltag, waren einer der Gründe, warum die Bruttoverschuldung des Klubs auf rund 1,4 Milliarden Euro anwuchs. Für diesen Schuldenberg wird häufig Ex-Präsidenten Josep Maria Bartomeu als erster verantwortlich gemacht. Unter seiner Regie wurden zwischen 2014 und 2019 über eine Milliarde Euro für Transfers ausgegeben. Viele dieser Transfers flopten.

Als Joan Laporta im März 2021 seine zweite Amtszeit als Barça-Präsident antrat, bezeichnete er die Blaugrana als "klinisch tot". Zu diesem Zeitpunkt schuldete man den Spielern 390 Millionen Euro an Gehältern und stand bei den Banken mit 670 Millionen Euro in der Kreide.

Klub-Legende Lionel Messi musste deshalb gehen. Aufgrund der Gehaltsobergrenze in La Liga konnte man Messi einfach nicht halten. Spieler wie Emerson Royal, Ilaix Moriba und Junior Firpo spülten zudem Ablösen in die Kassen.

Trotz der finanziellen Lage ermöglichten Umstrukturierungen im Verein neue Transfers. Im vergangenen Winter kamen Ferran Torres, Adama Traoré und Pierre-Emerick Aubameyang.

Laporta refinanzierte die Schulden des Klubs bei Goldman Sachs mit einem Darlehen von über 500 Millionen Euro, während mit Spotify ein Trikotsponsoring und ein Vertrag über die Namensrechte am Stadion im Wert von über 280 Millionen Euro vereinbart wurde.

Was sind Barças "Hebel"?

Um handlungsfähig zu bleiben, setzt der Klub wirtschaftliche "Hebel" in Bewegung. Zuletzt wurde der "zweite Hebel" aktiviert. Heißt: Barça ergreift Maßnahmen, um den Druck durch die enormen Schulden zu mindern. In der Praxis bedeutet dies, Vermögenswerte zu verkaufen, um Einnahmen zu erzielen.

Im Juni verkaufte Barça zehn Prozent seiner La-Liga-Fernsehrechte an die globale Investmentfirma Sixth Street und erzielte damit einen Kapitalgewinn von 267 Millionen Euro. Im Juli wurden weitere 15 Prozent an Sixth Street veräußert (kolportierte Einnahmen von 400 Mio. Euro) - diese beiden Verkäufe wurden als die ersten beiden Hebel angesehen, da sie sich auf die Gehaltsobergrenze des Vereins auswirken und neue Spieler verpflichtet werden können.

Für den Klub ist das eine riskante Wette auf die Zukunft. Barça verkauft jetzt Einnahmen der späteren Jahre, um wieder handlungsfähig zu sein und möglichst zurück in die europäische Spitze vordringen zu können.

Es soll noch die Möglichkeit eines "dritten Hebels" geben. Das würde den Verkauf eines 49-prozentigen Anteils an BLM, ihrem Merchandising-Zweig, sowie von NFT und Metaverse-Möglichkeiten bedeuten. Derzeit zögert der Klub damit aber noch.

Denn die Aktivierung der Hebel - und damit neues Kapital, quasi aus der Zukunft - sind einmalige Maßnahmen. Und es sind Einnahmen, die dem Klub in den kommenden Jahren fehlen werden.

Wie geht Barcelona bei der Verpflichtung von Spielern vor?

Neben Raphina, Lewandowski, Kessié und Christensen will Barça weitere Verstärkungen an Land ziehen. Ein Transfer von Jules Koundé soll kurz bevor stehen. Der Innenverteidiger des FC Sevilla würde wohl eine Ablöse von über 65 Millionen Euro kosten. Dazu will man sich mit dem Chelsea-Duo Cesar Azpilicueta und Marcos Alonso verstärken.

Das Problem, mit dem Barça derzeit zu kämpfen hat, ist die Einhaltung der Kriterien des Financial Fairplay in La Liga. Die Mannschaft ist derzeit nicht in der Lage, diese Kriterien zu erfüllen, und das Budgetdefizit wird verhindern, dass neue Spieler offiziell verpflichtet werden können. Bislang konnten Robert Lewandowski und Raphina noch nicht offiziell registriert werden.

Barça drängt deshalb auf Spielerverkäufe. Prominentestes "Opfer" ist Frenkie de Jong, durch den man sich Einnahmen von bis zu 80 Millionen Euro erhofft. Ein weiterer prominenter Kandidat ist Memphis Depay. Zudem nahmen Neto, Samuel Umtiti, Oscar Mingueza, Riqui Puig und Martin Braithwaite nicht an der Vorbereitungstour in den USA teil. Sie alle sollen im Bestfall diesen Sommer verkauft und damit zu Geld gemacht werden.


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