Arsenal-Star Miedema appelliert an Verbände: "Wir müssen die Spielerinnen schützen"

Daniel Holfelder
Vivianne Miedema
Vivianne Miedema / Visionhaus/GettyImages
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Nach ihrer rund zweiwöchigen Fußballpause hat sich Arsenals Vivianne Miedema zu ihrer eigenen Situation, aber auch zur Belastung im Frauenfußball allgemein geäußert. Die 26-Jährige forderte die Verbände dazu auf, die Spielerinnen besser zu schützen.


"Sie [die Funktionäre] müssen anfangen, uns Spielerinnen zuzuhören und nicht mehr nur aufs Geld oder den Faktor Popularität schauen. Spielerinnen und Verbände müssen zu einer gemeinsamen Lösung finden", erklärte die Stürmerin auf einer Pressekonferenz ihres Klubs FC Arsenal. "Wenn man sich die Belastung für die Profis ansieht, sowohl im Frauen- als auch im Männerfußball, ist das zu viel."

Schon Ende November hatte Miedema in ihrer Kolumne für die niederländische Tageszeitung AD auf die vielen Verletzungen im Profifußball hingewiesen. Die Ausfälle von Karim Benzema, Sadio Mané oder N'Golo Kanté, die alle die WM verpassen, seien ebenso wie der Kreuzbandriss ihrer Teamkollegin Beth Mead auf den zu vollen Terminkalender zurückzuführen. Dass neben EM-Torschützenkönigin Mead auch ihre Mitspielerinnen Leah Williamson, Kim Little und Rafaelle Souza den Großteil der Hinrunde verletzt ausfielen, sollte den Verbänden zu denken geben, forderte Miedema. "Die Fans kommen ins Emirates [Stadion FC Arsenal], weil sie Leah, Kim Little und Beth sehen wollen", betonte sie.

Obwohl die 115-fache niederländische Nationalspielerin (95 Tore) explizit auch vom Männerfußball spricht, sieht sie die weiblichen Profis aus mehreren Gründen besonders gefährdet. "Der größte Unterschied besteht darin, dass wir mehr Länderspiel-Phasen haben als die Männer. Außerdem treten bei den Olympischen Spielen bei uns die A-Nationalmannschaft und keine U23-Teams an. Ich glaube, dass der FIFA und der UEFA dieser Umstand bewusst werden sollte", sagte Miedema.

Darüber hinaus wies sie darauf hin, dass die Kader im Männerbereich größer seien als bei den Frauen: "Im Frauenfußball haben wir nicht die gleiche Zahl an Spielern im Kader. Die Männer von Man City haben wahrscheinlich 22, 23 großartige Vollzeit-Profis im Team. Wir haben dieses Jahr 18, 19 Spielerinnen, die in der ersten Mannschaft spielen können."

"Weder mental noch körperlich in der Lage zu spielen"

Über ihre rund zweiwöchige Fußball-Pause sagte die ehemalige Bayern-Angreiferin: "Während der Euro hatte ich Corona. Davon hatte ich mich noch nicht komplett erholt. Manche Leute bekommen nur eine Erkältung, aber ich lag zehn Tage im Bett. Ich hatte Fieber und war richtig krank, also brauchte ich Zeit, um mich zu erholen."

"Zu Saisonbeginn blendest du das aus, da läufst du fast im Autopilot. Dann habe ich die zweite Länderspielpause verpasst, weil ich krank war. Ich habe mit Jonas [Eidevall, Trainer FC Arsenal] gesprochen und ihn gebeten, mir eine Pause zu geben", so Miedema weiter. "Ich habe mich einfach weder mental noch körperlich in der Lage gefühlt zu spielen. Ich denke, das konnte man auf dem Platz auch sehen. Ich habe das Fußballspielen nicht genossen. In dem Moment, wo du morgen aufwachst und keine Lust hast, solltest du die Notbremse ziehen."

"Ich war sehr froh, dass mir die Trainer die Pause gegeben haben und ich zwei Wochen lang Zeit für mich hatte", fasste Miedema zusammen. Sie hoffe, dass es anderen Spielerin nun leichter falle, eine Auszeit zu nehmen, wenn sie Zeit für sich bräuchten. Nach ihrer eigenen Pause fühle sich das Spiel für die Torjägerin wieder "leicht" an - am Mittwoch schoss sie die Gunners in der Champions League zum 1:0-Sieg gegen Juventus Turin.


WM-Experte Tobias Escher analysiert die K.o.-Runde und die Umbruchstimmung beim DFB:


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