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Arbeitssieg gegen Österreich: 5 Erkenntnisse zum deutschen 2:0-Erfolg

Daniel Holfelder
Nach dem 2:0-Erfolg gegen Österreich steht Deutschland im EM-Halbfinale
Nach dem 2:0-Erfolg gegen Österreich steht Deutschland im EM-Halbfinale / Mike Hewitt/GettyImages
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Deutschland steht im EM-Halbfinale! Gegen starke Österreicherinnen musste die deutsche Mannschaft allerdings ein ziemlich dickes Brett bohren und hatte das nötige (Aluminium-)Glück auf ihrer Seite. 90min hat die Partie genau verfolgt und fünf Beobachtungen gemacht, die eine nähere Betrachtung verdienen.

1. Die Jüngsten überzeugen

Mit Lena Oberdorf und Klara Bühl waren die beiden jüngsten DFB-Kickerinnen maßgeblich am Halbfinaleinzug beteiligt. Die 20-jährige Oberdorf erwies sich im Mittelfeld einmal mehr als echtes Zweikampfmonster und überzeugte trotz ihrer Jugend mit erstaunlicher Abgeklärtheit. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sparte nicht mit Lob für die Wolfsburgerin (zitiert via sportschau.de):

"Lena Oberdorf hat mit so einer Leistung in einem EM-Viertelfinale bewiesen, dass sie eine ganz große Zukunft vor sich hat."

Martina Voss-Tecklenburg

War Oberdorf vor allem defensiv der Fels in der Brandung, erwies sich die 21-jährige Bühl als Schwungrad im deutschen Angriffsspiel. Die Flügelflitzerin vom FC Bayern setzte sich beim Führungstreffer stark gegen Österreichs Ersatzkapitänin (und ihre ehemalige Bayernkollegin) Carina Wenninger durch und legte von der Grundlinie zielgenau auf Lina Magull ab, die nur noch einzuschieben brauchte.

Klara Buhl
Klara Bühl / Alex Pantling/GettyImages

Bühl suchte auf ihrer linken Seite immer wieder das Eins-gegen-Eins und hätte auf diese Weise beinahe auch das zweite deutsche Tor durch Giulia Gwinn vorgelegt. Die Rechtsverteidigerin scheiterte jedoch Sekunden nach der Pause am Pfosten. Bühls Dribblings führten zwar auch gegen Österreich zu einigen Ballverlusten. Trotzdem ist die Risikobereitschaft der ehemaligen Freiburgerin ein entscheidendes Element im deutschen Spiel, zumal sich Rechtsaußen Svenja Huth nur selten im direkten Duell durchsetzen kann und vorwiegend über ihre Hereingaben für Gefahr sorgt.

Dass Bühl nach gut 80 Minuten freistehend aus sieben Metern das leere Tor verfehlte, fiel am Ende glücklicherweise nicht ins Gewicht. Vielleicht trifft die deutsche Nummer 19 im Halbfinale stattdessen aus der Distanz. Gegen Österreich stellte sie ihre Schussgewalt mit einem Lattenkracher (78.) zumindest schon einmal unter Beweis.

2. Anfälligkeit bei Standards

Gegnerische Standardsituationen sind ein Bereich, in dem sich die DFB-Elf im Halbfinale steigern muss. Gegen Österreich wirkte die deutsche Defensive bei Ecken und Freistößen alles andere als sattelfest, ließ etwa Georgievas Kopfball (13.) oder Puntigams Schuss (57.) an den Pfosten zu.

Auch Torhüterin Merle Frohms offenbarte die ein oder andere Schwäche in der Strafraumbeherrschung und strahlte keine Sicherheit aus. Die Nachlässigkeiten bei Standards werden in der Spielanalyse zweifellos eine wichtige Rolle spielen.

3. Sara Däbritz muss sich steigern

Sara Däbritz zeigte im ersten K.o.-Duell eine enttäuschende Leistung. Hatte die 27-Jährige in der Gruppenphase noch ordentliche, wenn auch keine herausragenden Auftritte hingelegt, ließ sie es gegen Österreich an Courage und Zweikampfstärke vermissen.

Sara Daebritz, Carina Wenninger
Sara Däbritz / Maja Hitij/GettyImages

Däbritz, die eigentlich als Leaderin vorangehen möchte, versteckte sich und setzte kaum Akzente. Passend zu ihrer schwachen Vorstellung handelte sie sich auch noch eine gelbe Karte ein - allerdings nach einem durchaus klugen taktischen Foul gegen Hickelsberger-Füller (59.) - und wurde kurz darauf ausgewechselt.

Bislang zog sich die deutsche Mannschaft zwar auch ohne Sara Däbritz in Bestform ganz ordentlich aus der Affäre. Eine deutliche Leistungssteigerung der künftigen Lyonnais würde den Weg zum EM-Titel aber noch einmal um einiges erleichtern.

4. DFB-Elf kämpft sich ins Spiel

Im Gegensatz zu den deutlichen Erfolgen gegen Dänemark oder Finnland ging den deutschen Kickerinnen der 2:0-Sieg gegen Österreich alles andere als leicht von der Hand. Nach in beiden Spielhälften guten ersten fünf Minuten bekam die ÖFB-Elf Oberwasser, Deutschland geriet ganz schön ins Schwimmen und musste sich insgesamt drei Mal beim Aluminium bedanken.

Kathrin-Julia Hendrich, Barbara Dunst
Deutschland musste sich über die Zweikämpfe in die Partie kämpfen / Justin Setterfield/GettyImages

Österreich setzte Deutschland im Spielaufbau früh unter Druck und zwang die Viererkette entweder zu langen Bällen, die selten eine Adressatin fanden, oder zu Pässen auf die Außenbahn, wo Svenja Huth oder Klara Bühl kaum Möglichkeiten hatten, den Ball in den eigenen Reihen zu halten.

Nach und nach kämpfte sich das DFB-Team aber in die Partie und hatte die Begegnung insbesondere in der letzten halben Stunde weitgehend im Griff. Dass sich die deutsche Mannschaft von der erstaunlichen österreichischen Intensität nicht aus der Bahn werfen ließ, dagegenhielt und letzten Endes auch verdient als Sieger vom Platz ging, zeugt von Mentalität. Arbeitssiege wie der gestrige sind die Grundlage, um große Titel gewinnen zu können.

5. Auf die Kapitänin ist Verlass

Viertes Tor im vierten EM-Spiel: Kapitänin Alexandra Popp präsentierte sich auch gegen Österreich in toller Verfassung. Die Mittelstürmerin setzte Österreichs Torhüterin Manuela Zinsberger vor dem 1:0 unter Druck und provozierte so den Fehlpass, der Sekunden später zum deutschen Treffer führte. Auch beim 2:0 profitierte Popp von ihrem klugen Anlaufverhalten und blockte Zinsbergers Passversuch direkt zum Endstand ins Tor. Darauf, dass die ÖFB-Keeperin mit dem Ball am Fuß verwundbar ist, hatte der deutsche Torwarttrainer Michael Fuchs explizit hingewiesen, wie Popp nach der Partie verriet.

Alexandra Popp, Jule Brand
Alexandra Popp / Maja Hitij/GettyImages

Unabhängig von ihrem Anteil an den beiden deutschen Toren überzeugte Popp erneut als kopfballstarke Zielspielerin, die mit ihrer Physis jede Abwehr vor Probleme stellt. Die Kapitänin wird ihrer Führungsrolle bislang vollauf gerecht und gehört auch im Halbfinale zu den Schlüsselspielerinnen der deutschen Mannschaft.


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