Bundesliga

Hütter spricht erneut über Gladbach-Wechsel - und wie Ralf Rangnick ein Umdenken auslöste

Simon Zimmermann
Adi Hütter hat erneut über seinen Wechsel gesprochen
Adi Hütter hat erneut über seinen Wechsel gesprochen / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Adi Hütter wurde in Frankfurt gefeiert, verließ die Eintracht aber als "Sündenbock" in Richtung Gladbach, wo er auf ein ruhigeres Umfeld hoffte. Doch wirklich ruhig waren die ersten Monate am Niederrhein für den Österreicher keinesfalls. Nun hat der 52-Jährige erneut über seinen Wechsel gesprochen - und wie Ralf Rangnick ein Umdenken in ihm ausgelöst hat.


Der Wechsel von Adi Hütter von Eintracht Frankfurt zu Borussia Mönchengladbach erhitzt auch nach rund acht Monaten immer noch das ein oder andere Gemüht. Die Fohlen zahlten satte 7,5 Millionen Euro Ablöse, um den 52-jährigen Österreicher aus seinem SGE-Vertrag zu kaufen und an den Niederrhein zu lotsen.

In Gladbach läuft Hütters erste Saison mehr als holprig. Über sein frühes Aus wurde bereits spekuliert. Nach den vergangenen Wochen, als man sich mit Siegen gegen Hertha und Bochum der akuten Abstiegsgefahr entledigen konnte, ist diese Diskussion wieder ein wenig abgeflacht.

Hütter als SGE-Sündenbock für Verpassen der Königsklasse?

In Frankfurt lief es für Hütter zuvor deutlich erfolgreicher. Auch wenn er mit der SGE vor dem Abschied die Champions League auf den letzten Saison-Metern noch verpasste. "Natürlich tut mir das weh. Es ging mir auch nahe, dass es hieß, man habe es verbockt, mit Eintracht Frankfurt nicht in die Champions League eingezogen zu sein - obwohl man es selbst war, der dieses Ziel ausgerufen hat. Am Ende des Tages wird einfach gerne nach Sündenböcken gesucht", erklärte er im Interview mit Spox und Goal.

Dabei betonte Hütter, dass er intern schon lange zuvor das Ziel 'Königsklasse' ausgerufen habe: "Als wir im Januar [2021] gegen Leverkusen aus dem Pokal ausschieden und Neunter in der Liga waren, sagte ich intern: Jetzt greifen wir die Champions-League-Plätze an! Da haben mich alle nur verwundert angeschaut, aber anschließend sind wir richtig durchgestartet. Dann kamen die Gerüchte rund um den Abgang von Fredi Bobic auf und ich habe diese viel diskutierte Aussage getätigt, dass ich in Frankfurt bleiben werde. Zu diesem Zeitpunkt lag mir auch noch kein Angebot vor.“

"Wenn man dann mit einer Eintracht auf Platz fünf nicht zufrieden ist, dann bewegt man sich nicht mehr in der Realität."

Adi Hütter via Spox & Goal

"Das imponierte mir schon" - Hütter begründet Gladbach-Wechsel

Hütters Abgang aus Frankfurt wurde unter den Fans und in der Öffentlichkeit lange diskutiert. Grund dafür war auch Hütters Treuebekenntnis für die SGE, das wenige Wochen später keine Gültigkeit mehr besaß.

"Ich hatte bei der Eintracht noch zwei Jahre Vertrag, fühlte mich natürlich sehr verbunden und es hat mir dort ausgezeichnet gefallen. Dann kam plötzlich die Möglichkeit, noch einmal einen weiteren Traditionsverein trainieren zu können, mit einem richtig guten und vielleicht auch ruhigeren Umfeld, auch in der Führung. Wie sich die Borussia dann um mich bemüht hat, das imponierte mir schon", blickte Hütter zurück. Die unklare Situation in der sportlichen Führung bei der Eintracht habe bei seiner Entscheidung für einen Wechsel gesprochen: "Es war gänzlich unklar, wer Sportvorstand und Sportdirektor wird und wie der Verein neu aufgestellt werden sollte. Das war in Gladbach anders, hier stand alles bereits fest."

Bis 2024 ist Hütters Vertrag in Gladbach noch gültig. Im Sommer könnte am Niederrhein ein größer angelegter Kader-Umbruch vollzogen werden. Gut möglich, dass das Personal nach den Wünschen des Österreichers verändert wird.

Rangnick sorgte für Umdenken bei Hütter: "Der Fußball ist einfach ein Umschaltspiel geworden"

Hütter steht für einen schnellen Umschaltfußball, den er in Frankfurt und zuvor bei den Young Boys Bern erfolgreich praktizierten. In Gladbach ist ihm das mit seinem neuen Team dagegen noch nicht konstant gelungen.

Zu Beginn seiner Trainerkarriere hatte Hütter aber noch deutlich mehr Wert auf Ballbesitz gelegt. "Ich wollte stets einen schönen, technisch sauberen Fußball spielen lassen, weil das auch meinem Profil als Spieler entsprach. Mir war wichtig, den Ball zu haben." Ein Gespräch mit Ralf Rangnick habe in ihm dann ein Umdenken ausgelöst: "Er hat mich in die Richtung gebracht, meine Sichtweise einmal zu drehen und zu schauen, was man tun kann, wenn der Gegner den Ball hat."

Ralf Rangnick
Hütter ließ sich von Rangnicks Fußball-Philosophie inspirieren / Alex Livesey - Danehouse/GettyImages

Überzeugt hatte ihn schließlich der Rangnick-Vertraute Helmut Groß: "Ich habe erkannt, dass ich mich nicht mehr einzig über Ballbesitz definieren möchte. Auch weil jemand wie Helmut Groß, ein enger Vertrauter von Ralf Rangnick, statistisch nachwies, dass 70 Prozent aller Tore nach Ballgewinnen erzielt werden. Damit habe ich mich dann extrem beschäftigt. Der Fußball ist einfach ein Umschaltspiel geworden. Es gibt heute kaum noch die Möglichkeit, den Gegner von hinten bis nach vorne so auszuspielen, dass er nicht einmal an den Ball kommt", so Hütter.

Erfolgreicher Umschaltfußball soll es spätestens ab der kommenden Saison auch wieder in Gladbach werden. Gelingt das, wird niemand mehr über die Umstände von Hütters Wechsel diskutieren. Zumindest nicht am Niederrhein.


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