Frauenfußball

Achter Titel in Folge: Warum Wolfsburg den DFB-Pokal dominiert

Helene Altgelt
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final
VfL Wolfsburg v Turbine Potsdam - Women's DFB Cup Final / Alex Grimm/GettyImages
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Mit 4:0 hat der VfL Wolfsburg das Pokalfinale am Samstag gegen Turbine Potsdam gewonnen und damit den achten Titel in Folge eingefahren. Während in der Bundesliga der FC Bayern Wolfsburgs Dominanz 2015, 2016 und 2021 durchbrechen konnte, ist der VfL im Pokal das Maß aller Dinge. Warum dominiert Wolfsburg den Wettbewerb so sehr?


Der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze, und bei den Frauen scheint das oberste Gebot seit 2015 zu sein: Wolfsburg holt am Ende den Titel. 3117 Tage ist es her, seitdem der VfL im DFB-Pokal eine Niederlage einstecken musste. Oder auch: Acht Jahre, sechs Monate und zwei Wochen. Seit dem Achtelfinal-Aus 2013 gegen den 1.FFC Frankfurt mussten die Wölfinnen nicht mehr als Verliererinnen vom Platz gehen. 

Bei dem 1:0 Sieg vom 1.FFC, inzwischen mit Eintracht Frankfurt fusioniert, standen für Wolfsburg einige bekannte Namen in der Startelf: Nadine Kessler, heute bei der UEFA für den Frauenfußball verantwortlich, zog im Mittelfeld die Fäden. Neben ihr spielte die damals 19-jährige Lina Magull, heute für den Rivalen Bayern München aktiv. 

Einiges hat sich seit 2013 verändert, vieles aber auch nicht. Alexandra Popp und Almuth Schult, für die das Spiel ein schönes Ende ihrer Zeit beim VfL war, standen bei beiden Pokalspielen auf dem Rasen. Anna Blässe, die nach dieser Saison ihre Karriere beendet, wurde gegen Frankfurt eingewechselt. Und an der Seitenlinie steht heute Tommy Stroot und nicht mehr Ralf Kellermann, der ist aber immer noch bei Wolfsburg tätig und konnte als sportlicher Leiter zuletzt viele Vertragsverlängerungen bekanntgeben.

VfL Wolfsburg Women v Bayer 04 Leverkusen Women - FLYERALARM Frauen-Bundesliga
Alexandra Popp und Almuth Schult / Christof Koepsel/GettyImages

Diese Konstanz auf wichtigen Positionen ist sicherlich einer der Gründe für die Wolfsburger Dominanz. Auch wenn es im letzten Sommer einen Umbruch gab, blieben erfahrene Spielerinnen wie Popp oder Schult am Mittellandkanal. Die nächste Generation wird bereits aufgebaut, mit Spielerinnen wie Lena Oberdorf, Sveindis Jonsdottir, Lena Lattwein und bald auch Jule Brand hat Wolfsburg große Talente in seinen Reihen, die auch langfristig gebunden werden.

Auch mit einem erfahrenen Stamm an Spielerinnen sind acht Siege in Folge keine Selbstverständlichkeit. Dennoch hilft das Selbstbewusstsein der Spielerinnen, die den Pokal schon mehrmals gewonnen haben, um die besondere "Wolfsburg-Mentalität" zu erhalten, die oft betont wird. "VfL und Pokalfinale - das passt einfach!", sagte beispielsweise Ersatztorhüterin Lisa Weiß in einem Talk im Vorfeld des Spiels. An die besondere Mentalität, verbunden mit dem Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen, habe sie sich nach ihrem Wechsel zunächst gewöhnen müssen.

Mit jedem weiteren Pokalsieg konnte das Selbstvertrauen wachsen, sodass sich der Mythos vom Pokalteam Wolfsburg auch in den Köpfen der Gegnerinnen festsetzte. Die Serie an Titeln hat auch einen erhöhten Druck zur Folge, aber während andere Teams daran scheitern, braucht Wolfsburg genau diesen Druck, um ihre Bestleistung zu zeigen. Auch diese Saison war nicht perfekt, das Team von Tommy Stroot ließ beispielsweise gegen Freiburg zwei Punkte liegen. Im Pokalspiel aber, auswärts und den Freiburger Ultras gegenüber, die zum ersten Spiel im Dreisamstadion gekommen waren, zeigten sie keine Nerven und setzten sich souverän mit 3:0 durch.

Auch in der Champions League war das zu sehen. Die Wölfinnen verloren nach einer kraftlosen Leistung zuhause mit 0:2 gegen Juventus Turin und mussten daher mit mindestens zwei Toren Vorsprung gegen Vorjahresfinalist Chelsea gewinnen. Unter diesem Druck zeigten sie sich stark verbessert, dominierten das Spiel und gewannen 4:0.

Selbst wenn es mal nicht so gut lief in der Liga, war Wolfsburg im Pokal zur Stelle. 2021 verloren sie die Meisterschale an den FC Bayern, es lief von Anfang an nicht perfekt, einige sprachen bereits von einer Wachablösung. Im Halbfinale schlugen sie den Konkurrenten trotzdem mit 2:1 und gewannen dann das Finale gegen Frankfurt in der Verlängerung. Besonders im Finale zeigte Wolfsburg nicht die beste aller Leistungen, spielte teilweise zu unpräzise und geriet sogar in Unterzahl. Kurz vor dem Elfmeterschießen machte Ewa Pajor, der auch dieses Jahr ein Doppelpack gelang, doch noch den Siegtreffer.

In dem Moment zeigte sich auch die individuelle Klasse von Wolfsburg, die in den meisten Endspielen einen deutlich teureren Kader hatten als die Gegner, die Freiburg, Sand oder Essen hießen. Die Außenseiter hielten in den meisten Fällen gut mit, oft genügte ein Geniestreich oder eine gute Aktion Wolfsburg zum Sieg. Maximale Effizienz zeichnet meist den Außenseiter aus, in den Pokalspielen ist sie die Waffe des Favoriten in Grün. Auch Potsdams Trainer sah die Abgeklärtheit und Erfahrung als größten Trumpf des Siegers:

"Am Ende hat die Erfahrung gesiegt"

Sofian Chahed in der ARD

Mit einer Mischung von Erfahrung, Mentalität, individueller Klasse und Abgeklärtheit hat der VfL Wolfsburg erneut den DFB-Pokal gewonnen. Nächste Saison werden sie wieder als Favorit in den Wettbewerb starten, der FC Bayern wird aber um jeden Preis versuchen, die Serie von 3117 Tagen nicht noch länger werden zu lassen. Schon diese Saison hatte Lina Magull die Prognose gewagt, dass der Pokal nicht erneut an ihren Ex-Klub gehen würde, Bayern verlor das Halbfinale aber, wobei Verletzungen und Covid-Infektionen eine Rolle spielten.

Mit Neuverpflichtungen wie Georgia Stanway von Manchester City und Emelyne Laurent von Olympique Lyonnais will Bayern nächste Saison wieder angreifen. Ein neuer Trainer und junge aber bereits etablierte Spielerinnen sollen dann das Wolfsburger Erfolgsrezept entzaubern.


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