Schauriger Abstiegskampf: Immer weniger Punkte reichen für den Klassenerhalt in der Bundesliga

Ginge es nach der 40-Punkte-Floskel, wäre Schalke so gut wie abgestiegen. Allerdings genügen heute bereits 30 Punkte für den Klassenerhalt.
Ginge es nach der 40-Punkte-Floskel, wäre Schalke so gut wie abgestiegen. Allerdings genügen heute bereits 30 Punkte für den Klassenerhalt. / Pool/Getty Images
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Eine alte Floskel besagt, dass eine Mannschaft für den Klassenerhalt 40 Punkte sammeln muss. In der jüngeren Vergangenheit waren aber auch bedeutend weniger Zähler notwendig. Während die Kellerkinder das rettende Ufer immer schneller erreichen, sammelt der Meister unaufhaltsam immer mehr Punkte.

Die Twitter-Seite BStat liefert täglich interessante Statistiken zur Bundesliga. Das jüngste Beispiel ist die Entwicklung der Punkteverteilung in den einzelnen Tabellenregionen. Während der Meister sukzessive mehr Punkte gesammelt hat und von 1996 bis 2020 eine Entwicklung von 68 zu 82 Zählern verzeichnet, hat sich der Trend auf den Abstiegsrängen in eine negative Richtung entwickelt.

In der Saison 1996/96 stiegen der 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt und der KFC Uerdingen mit 36, 32 und 26 Punkten ab. Zum Vergleich: In der Saison 2019/20 rettete sich Werder Bremen mit 31 Punkten in die Relegation, während Fortuna Düsseldorf (30) und der SC Paderborn (20) direkt abgestiegen sind. Noch drastischer war das Resultat in der Saison 2018/19, in der dem FC Augsburg 32 Punkte zum direkten Klassenerhalt genügten, während Stuttgart mit 28 Zählern in die Relegation ging und Hannover 96 (21) und den 1. FC Nürnberg (19) hinter sich ließ.

Der Tabellenkeller wird immer schauriger

Die Zeiten, in denen 40 Punkte Pflicht für den Klassenerhalt waren, sind vorbei. Stattdessen genügen 30 bis 35 Punkte, um auch im kommenden Jahr in der Bundesliga spielen zu dürfen. Ist diese Entwicklung förderlich für die Attraktivität des Wettbewerbs? Mitnichten.

Kellerduelle machen keinen Spaß, weil die Mannschaften das gesamte Jahr über schlechten Fußball spielen. Sie wirken wie Zweitligisten, die sich mit Hilfe von Umschaltsituationen über Wasser halten wollen, mit dem Ball aber wenig anfangen können - siehe Schalke 04, Mainz 05, 1. FC Köln oder Werder Bremen. Das umgekehrte Bild findet sich an der Tabellenspitze wieder: Der Meister überragt mit attraktivem, temporeichem und dominantem Fußball. Zwischen beiden Extremen liegen riesige Welten; nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Vormachtstellung der Spitzenklubs.

Auch in dieser Saison spricht vieles dafür, dass abstiegsgefährdete Mannschaften mit 30 Punkten rechtzeitig die Ziellinie überqueren. Schalke liegt nach zwölf Spielen mit vier Punkten auf dem letzten Platz, davor befindet sich Mainz mit sechs und Bielefeld mit sieben Zählern. Der 1. FC Köln belegt mit immerhin zehn Punkten Rang fünfzehn und hat nur vier Punkte Rückstand auf den zehnten Platz.

Das Wort Abstiegskampf ist daher unangebracht. Es ist ein Schneckenrennen um den Klassenerhalt, das den Fans Schmerzen statt Freude bereitet. Allerdings erscheint es unmöglich, dass die alten Verhältnisse wiederhergestellt werden.