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Bundesliga

Ablösesummen für Trainer - warum eigentlich nicht?

Yannik Möller
Apr 20, 2021, 10:50 AM GMT+2
Marco Rose und Adi Hütter wechseln für Ablösesummen ihre Trainerstation
Marco Rose und Adi Hütter wechseln für Ablösesummen ihre Trainerstation / Pool/Getty Images
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Mit einigen Trainerwechseln innerhalb der Bundesliga werden auch Ablösesummen und Ausstiegsklauseln zu einem aktuellen Thema. Dass für die Coaches auch Geld gezahlt wird, ist bislang noch eher die Ausnahme als die Regel. An einem solchen Vorgang ist jedoch nichts verwerflich, er ist logisch. Ein Kommentar.

Marco Rose geht durch eine Ausstiegsklausel für fünf Millionen Euro zum BVB, Adi Hütter ersetzt ihn in Mönchengladbach für 7,5 Millionen Euro. Hansi Flick möchte vorzeitig aus seinem Vertrag aussteigen, wodurch der FC Bayern voraussichtlich auch noch etwas Ablöse fordern wird. Geld, das wiederum in Julian Nagelsmann investiert werden könnte. RB Leipzig möchte ihn offenbar nur für ca. 20 Millionen Euro ziehen lassen.

Dass sich das Trainerkarussell zum Ende einer Saison nochmal deutlich schneller dreht, ist keine neue Beobachtung. Die Vereine planen die nächsten zwölf Monate, im besten Fall mehrere Jahre. Irgendwo wird ein Trainer entlassen oder ein Vertrag läuft aus, und dann geht der Rummel los.

Adi Hütter
Adi Hütter ist das aktuellste Beispiel eines Trainerwechsels für Geld / Alex Grimm/Getty Images

Ganz aktuell das große Thema neben diesen Wechseln: Die Ablösesummen, die für die Trainer gezahlt werden. Entweder durch Ausstiegsklauseln, von denen Gebrauch gemacht wird, sodass eine gewisse Summe fällig wird. Oder - wie bei Spieler-Verpflichtungen - um den anvisierten Coach nach Verhandlungen aus seinem laufenden Vertrag zu kaufen.

Ablösesummen für Trainer sind nur eines: verständlich

Oftmals gibt es darüber Aufregung. Nun wird viel Geld nicht nur für einzelne Spieler auf den Tisch geworfen, sondern auch für diejenigen, die diese trainieren. Entgegnen kann man auch, dass es eher Zeit wurde für diese Veränderung.

Wie viele Euro wurden schon für schlechte Spieler, verletzte Spieler, undankbare und unprofessionelle Spieler ausgegeben, während - auf einzelne Positionen bezogen - die wichtigste Person im Verein, also der Trainer, eher wie ein beliebiges und keineswegs bedeutsames Ventil ausgetauscht wurde.

Hansi Flick
Der FC Bayern könnte für Hansi Flick auch eine Ablösesumme einfordern / Matthias Hangst/Getty Images

Ein schlechter Trainer kann auch aus einem guten Team ein schlechtes machen, ein guter Trainer kann diesen Effekt umgekehrt bewirken. Seine Arbeit ist enorm wichtig, sein Wissen, die Arbeit wie die Art und Weise dahinter, der Umgang mit den Akteuren auf dem Platz. Für den Erfolg einer Mannschaft ein kaum messbarer Wert.

Wer sich einerseits darüber aufregt, dass die Coaches heutzutage immer schneller ausgetauscht werden, muss eigentlich automatisch dafür sein, dass sie auch mit Ablösesummen verpflichtet werden können. Diejenigen, die im Fußball-Geschäft gute und bestenfalls auch nachhaltige Arbeit leisten, haben selbstverständlich einen Wert.

Julian Nagelsmann
Kaum jemand wird die Bedeutsamkeit eines Julian Nagelsmann für den Team-Erfolg anzweifeln / Boris Streubel/Getty Images

So kostet es natürlich Geld, wenn ein Klub einen Marco Rose, einen Adi Hütter oder einen Julian Nagelsmann verpflichten möchte, während jeweils noch ein anderer Vertrag gültig ist. Gibt es eine Ausstiegsklausel, was ebenso sehr das Recht eines jeden Trainers ist, wie es bei den Spielern der Fall ist, wird diese aktiviert. Wenn nicht, kann der abgebende Verein eine Ablösesumme definieren. So, wie es Leipzig bei Nagelsmann tun wird, sollte es Anrufe aus München geben.

Das ist nicht unmoralisch und auch kein neuer, negativer Aspekt im Fußball. Es ist schlichtweg eine völlig verständliche Entwicklung. Aufgrund der Bedeutung für den Erfolg und die Entwicklung einer Mannschaft, dadurch des ganzen Vereins, ist es nur normal, dass auch Trainer einen gewissen finanziellen Wert haben.

Nebenbei: So verhält es sich natürlich nicht nur bei Trainern. Auch die Manager, also die Sportvorstände und -direktoren, sind sehr wichtig. Sie könnten ebenfalls für Geld aus ihrem Vertrag wechseln, so wie Fredi Bobic es beispielsweise tut. Wenngleich es für den abgebenden Verein ein schmerzlicher Vorgang sein dürfte.

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