Die Zeit, in der der Fußball stillsteht, ist eine Zeit des Konjunktivs. Nicht nur der Ball, auch der Sportjournalismus wird entschleunigt. Es bietet sich die Gelegenheit, Rückblicke und Prognosen zu wagen, über das zu sprechen, was hätte passieren können oder was passieren könnte. Letzteres wird in erster Linie auf Transfergerüchte übertragen. Was also, wenn der ​BVB Willian als Ersatz für Jadon Sancho ins Visier fassen würde?


Willian ist eigentlich nicht mehr aus dem Trikot des ​FC Chelsea wegzudenken. Im Sommer 2013 verpflichteten die Blues den Flügelspieler für 35,5 Millionen Euro von Anzhi Makhachkala, wo er nur ein halbes Jahr verbrachte. Im Sommer 2007 ging der Brasilianer von Corinthians Sao Paulo zu Shakhtar Donezk, dem Sprungbrett schlechthin für junge Fußballer vom Zuckerhut. Anzhi überwies im Januar 2013 35 Millionen Euro und machte kurz darauf eine halbe Million Euro Gewinn.


Angekommen in London, wusste Willian zu überzeugen. Der 69-fache brasilianische Nationalspieler ist schnell, dribbelstark, kann sich auf engstem Raum behaupten. Er ist ein typischer Feinfuß, der technisch versiert ist und einen gefährlichen Abschluss besitzt. Je 59 Tore und Assists verbuchte er in 329 Pflichtspielen für Chelsea. Im Sommer endet sein Vertrag, nach sieben Jahren wird sich das Kapitel voraussichtlich schließen. Laut The Athletic soll der Verein nur für zwei Jahre verlängern wollen - zu wenig für Willian, der im August 32 Jahre alt wird.

Willian

        Willian dürfte auch in Zukunft für einen Spitzenklub spielen - warum also nicht in Dortmund?



In der Vergangenheit rankten sich Gerüchte um einen Wechsel zum ​FC Barcelona, er selbst sehe seine sportliche Zukunft in London. Doch warum sollte Borussia Dortmund unter der Prämisse, dass Jadon Sancho auf die Insel wechseln wird, nicht einen Versuch wagen?


Willian hat alles, was es braucht - aber es wäre eine Frage des Geldes


Die Verantwortlichen setzen zuletzt verstärkt auf erfahrene Spieler, die den Talenten zur Hand gehen sollen. In der Abwehr hat Mats Hummels das Zepter übernommen, im Mittelfeld wird Axel Witsel diese Rolle zuteil und im Angriff zählt Marco Reus mittlerweile zu den alten Hasen. Mit Willian könnte der Kapitän zusätzliche Unterstützung erhalten. In dessen Schatten könnte Giovanni Reyna aufgebaut werden. Der 17-Jährige ist seit dem Winter bei den Profis und wird sukzessive an die erste Mannschaft herangeführt. 185 Spielminuten hat er bereits erhalten, beim Aufbau von Talenten will man in der Regel aber nichts überstürzen.

Lucien Favre,Giovanni Reyna

Mit Giovanni Reyna (r.) steht das nächste Mega-Talent in den Startlöchern. Hinter einem Spieler wie Willian könnte er sich in Ruhe weiterentwickeln.



Willian wäre also eine gute Überbrückung, bis Reyna für den Sprung zum Stammspieler bereit ist. Im schnellen und kombinationsreichen Angriffsspiel hätte der Brasilianer kaum Anpassungsprobleme, darüber hinaus wäre das finanzielle Risiko - zumindest auf die Ablöse bezogen - gering. Denn neben einem ordentlichen Handgeld würde er wohl auch auf ein hohes Gehalt pochen. Die Mittel wären nach der Trennung von Mario Götze vorhanden, fraglich ist allerdings, ob ein Neuzugang direkt zu den Topverdienern aufsteigen soll. 


Wenn Dortmund endlich wieder Titel gewinnen will, dann braucht es nicht nur Talent, sondern auch Erfahrung. Mit Donezk und Chelsea wurde Willian insgesamt sieben Mal Meister und fünf Mal Pokalsieger, 2009 gewann er den UEFA Cup, 2019 die Europa League. Darüber hinaus feierte er mit Brasilien den Triumph in der Copa América. Das Gewinnen liegt ihm im Blut - dementsprechend wäre er zumindest eine Überlegung wert.