Die DFL steht in ihrem Bestreben, den Spielbetrieb der ​Bundesliga wiederaufzunehmen, vor einer großen Hürde. Die Politik entscheidet über Fortsetzung oder Abbruch, erst am 30. April wird die finale Entscheidung getroffen. Das Arbeitsministerium hat in einem ersten Entwurf zwei mögliche Maßnahmen skizziert, die dazu führen könnten, dass der Ball wieder rollen wird. Eine Variante beinhaltet das Tragen von Mund-Nasen-Schutzmasken. Mit Fußball hat das aber nur wenig zu tun.


Bei der Bekämpfung des Coronavirus nehmen Schutzmasken eine immer wichtigere Rolle ein. In allen Bundesländern wurde oder wird eine Maskenpflicht eingeführt. So soll verhindert werden, dass das Virus von infizierten Personen über Speichelpartikel in der Luft übertragen werden kann. Die Sekrete bleiben stattdessen an der Maske haften, die entweder bei höheren Temperaturen gewaschen oder gewechselt werden muss.


Derartige Mund-Nasen-Schutzmasken könnten auch im Fußball eingeführt werden. Das geht aus einem Entwurf des Arbeitsministeriums hervor, welches dem Spiegel vorliegt. Diese Idee bringt jedoch einige Nachteile mit sich. Da die Atmung nicht erschwert werden soll, wären die Masken etwas dünner, weshalb sie schneller durchfeuchten. Aufgrund dessen müssten die Spieler ihre Masken alle 15 Minuten wechseln. Wie bei einer Trinkpause würde die Partie für einen kurzen Moment unterbrochen. 

Aufgrund des relativ häufigen Wechsels würde allerdings jeglicher Spielfluss verloren gehen. Darüber hinaus soll eine Maske sofort gewechselt werden, wenn sich ein Spieler ins Gesicht fasst. Das ist nach medizinischen Standards selbstverständlich, entschleunigt das Spiel jedoch massiv - zumal kaum zu verhindern ist, dass sich ein Fußballprofi, der voll auf das Spiel konzentriert ist, nicht reflexartig in das Gesicht fasst. Carbonmasken, die einen Spieler nach einer Gesichtsverletzung schützen, haben zwar bereits bewiesen, dass Masken an sich das Fußballspielen nicht erheblich einschränken - ein derartiges Prozedere würde ein flüssiges Spiel jedoch nahezu unmöglich machen. 


Spezialquarantäne klingt sinnvoller


Sinnvoller wäre die andere Variante: Die "umfassende Quarantäne für alle Kontaktpersonen bis zum Saisonende". Der Virologe Alexander Kekulé erklärte bereits vor einigen Wochen, ​für Fußballer müsste eine eigene Blase geschaffen werden, in der das Infektionsrisiko unter strengsten Vorkehrungen so gering wie möglich gehalten werden soll. 


Dies würde ähnliche Zustände wie bei einer Welt- oder Europameisterschaft auslösen. Die Mannschaften würden beispielsweise in Hotels untergebracht, bis die Saison vorbei ist. Dieser verschärfte Lockdown könnte sich negativ auf die Spieler auswirken, wäre jedoch notwendig, sollte das Spielen mit Masken abgelehnt werden. Denn trotz der Handreichung der DFL an die Spieler besteht noch immer eine Infektionsgefahr, wenn direkte Kontaktpersonen nicht isoliert werden.

Ivan Perisic

Spieler und Betreuer müssten isoliert werden, damit auf Masken verzichtet werden kann



Dieser erste Entwurf sei Bundesminister Hubertus Heil allerdings noch nicht vorgelegt worden, darüber hinaus müsse eine Lösung "im gemeinsamen Gespräch mit dem DFB" gefunden werden, wie eine Sprecherin zitiert wird. Zuallererst müsse das Konzept des Verbandes überprüft werden, erst danach werden mögliche Alternativen besprochen. Allerdings dürfte das Tragen von Masken weder bei den Verantwortlichen noch bei den Spielern Anklang finden. Mit Fußball hat das nämlich nur wenig zu tun.


Der Entwurf des Arbeitsministeriums unterstreicht, auf welch dünnem Eis sich DFL und Klubs bewegen. Bis zur finalen Entscheidung am 30. April sind es noch sechs Tage, in denen Hoffen und Bangen abwechselnd die Gemütslage dominieren werden. Die DFL, betonte Christian Seifert am Donnerstag, hat ihr Bestes gegeben. Nun liegt der Spielball bei der Politik.