​Ashton Götz und Ronny Marcos waren zwei Spieler, die beim ​Hamburger Sport-Verein kurzzeitig Bundesliga-Luft schnuppern durften. Beide Spieler sind sich sehr ähnlich und auch ihre Karrierewege zeigen einige Gemeinsamkeiten auf. Was wurde aus den beiden ehemaligen Talenten? Vom Profifußball sind heute beide einen kleinen Schritt entfernt.


Beide sind im Jahr 1993 geboren, beide sind gelernte Außenverteidiger, beide spielen heute in der Regionalliga, beide durften unter Josef Zinnbauer in der Bundesliga spielen und beide standen am 14. Februar 2015 in der Startelf, als der HSV krachend mit 0:8 in München verlor und damit die höchste Niederlage der Geschichte einstecken musste - Ashton Götz und Ronny Marcos teilen viele Schicksale. 


Von einer vielversprechenden Karriere als Profifußballer bleibt beiden nicht mehr viel. Dennoch gehen sowohl Götz, als auch Marcos noch heute ihrer Leidenschaft nach. Sie spielen weiterhin Fußball, einen kleinen Sprung vom Profibereich entfernt. Statt in der Allianz-Arena oder im Volksparkstadion, laufen die beiden Verteidiger heute in Havelse oder Alzenau auf. Ein Blick auf die bisherige Laufbahn der ehemaligen HSV-Profis lohnt sich dennoch - und wer weiß, vielleicht ist der Traum vom Profi noch nicht ausgeträumt.


Ronny Marcos - der Norddeutsche mit afrikanischen Wurzeln


​Ronny Marcos erblickte als Sohn eines mosambikanischen Vaters und einer Deutschen am 1. Oktober 1993 im holsteinischen Oldenburg das Licht der Welt. Schon früh wechselte der Verteidiger in die Jugend von ​Hansa Rostock, wo er 2012 den Sprung zu den Profis schaffte. In der damaligen 3. Liga durfte sich Marcos regelmäßig beweisen. Zur Winterpause schloss sich der Linksverteidiger den abstiegsbedrohten Amateuren des HSV an, wurde Stammspieler und hatte großen Anteil daran, dass der Klassenerhalt geschafft wurde.


In der darauffolgenden Saison zeigte die U21 der Hanseaten ein komplett anderes Gesicht. In der Vorrunde gewannen die Rothöschen nach Belieben und konnten sich verdient die Herbstmeisterschaft sichern. Marcos, der in allen Vorrundenspielen auf dem Platz stand, war Leistungsträger in der Regionalliga und mitverantwortlich dafür, dass die Amateure der Hamburger von der 3. Liga träumten. Auch den Verantwortlichen der Profis blieben die Leistungen von Ronny Marcos nicht verborgen und Marcos profitierte von einer entscheidenden Personalie auf der Bank der ersten Mannschaft.


Zinnbauer befördert seinen Schützling


Nach der überzeugenden Hinrunde​ in der Regionalliga wurde ​Joe Zinnbauer zum Cheftrainer des Bundesliga-Teams erklärt. Die guten Leistungen der jungen Regionalliga-Spieler sollten auch in der Bundesliga helfen, weshalb der Trainer einige seiner U21-Schützlinge zu den Profis beförderte. Unter den Profiteuren dieser Maßnahme waren auch Ronny Marcos und Ashton Götz, die die defensiven Außenpositionen der Profis bekleiden sollten.


Am 29. November 2014 feierte Marcos sein Debüt gegen den ​FC Augsburg über die komplette Spieldistanz. Auch in den folgenden Spielen agierte der Verteidiger regelmäßig in der Bundesliga und war einer der Gründe, weshalb es zeitweise zufriedenstellend an der Elbe lief. Die Verteidigung hatte durch den frischen Wind vorübergehend an Stabilität gewonnen und es sah so aus, als könnten die jungen Spieler eine Kehrtwende einleiten.

FBL-GER-BUNDESLIGA-BAYERN MUNICH-HAMBURG

Leider hielt diese Erfolgsserie nur für kurze Zeit an. Es mangelte an eigenen Tore und in der Rückrunde folgte der steile Absturz. Die Euphorie war verflogen, das Erreichen des rettenden Ufers das unbedingte Ziel. Auch Marcos litt unter der Misere. Nach neun Pflichtspielen für die Profis war für ihn nach dem 24. Spieltag Schluss. Es waren für ihn bis heute die letzten neun Spiele in der ​Bundesliga für den HSV, der den Verteidiger nach der Saison abgab.


Über Fürth nach Österreich und zurück nach Deutschland

​Greuther Fürth war der nächste Verein in der Karriere von ​Ronny Marcos - in Franken sollte der Neustart gelingen. Marcos kam sogar als Nationalspieler nach Fürth, denn am 14. Juni 2015 lief der Verteidiger bei der 0:1-Niederlage gegen Ruanda für Mosambik auf. Fast hätte er schon 2013 für seine Nationalmannschaft debütiert, eine zu spät eigereichte Spielgenehmigung verhinderte die Premiere damals jedoch vorerst.

Ronny Marcos

In der 2. Bundesliga sollte der Durchbruch gelingen, was allerdings fehlschlug. Nur zwei Einsätze für die Profis und zwei weitere in der Regionalliga Bayern konnte Ronny Marcos für sich verzeichnen - zu wenig, um im Profibereich Fuß fassen zu können. Bereits nach einer halben Saison verließ er Fürth wieder und wechselte per Leihe nach Österreich zum Erstligisten SV Ried. Trotz einer enttäuschenden Saison, inklusive des Abstiegs in die 2. Liga, zog Ried die Option und verpflichtete den Linksverteidiger fest, der in der österreichischen Bundesliga 19 Spiele absolviert hatte. 


Auch in der Folgesaison gehörte Marcos mit 31 Partien zum Stammpersonal der Österreicher. Trotzdem wurde der bis 2020 gültige Vertrag in Ried aufgelöst. Marcos, der in der folgenden Hinrunde vereinslos war, kehrte zurück nach Hamburg und stand fortan im Kader von Eintracht Norderstedt und damit nicht mehr im Profifußball. 


Auch in Norderstedt verweilte Marcos lediglich ein halbes Jahr, bevor er sich den Kickers Offenbach anschloss. Offenbach ist auch der heutige Verein des mittlerweile 26-jährigen Marcos. Mit den Kickers träumt der Verteidiger vom Sprung zurück in den Profibereich. Momentan reicht er allerdings nur für einen Platz im oberen Drittel der Regionallige Südwest.


Ashton Götz: zwischen Hoffnung und Verletzungen


Ashton-Phillip Shawn Götz, geboren am 16. Juli 1993, ist ein weiterer Kandidat, der für kurze Zeit den Traum des Bundesligaprofis leben durfte. 2008 wechselte der Sohn eines US-Amerikaners in das NLZ des Hamburger SV und durchlief etliche Jugendmannschaften. Er galt als sehr vielversprechendes Talent und durfte im A-Jugend-Alter in der Regionalliga auflaufen und dem Training der Profis beiwohnen. Der Weg für eine steile Karriere des rechten Verteidigers schien geebnet.

Ashton Goetz,Eljero Elia

Auch Götz war einer der Nutznießer der Ära Zinnbauer. Die Leistungen in der Regionalliga beförderten auch Götz endgültig zum Profi. Nach zehn, teilweise überzeugenden, Auftritten im deutschen Oberhaus wurde Götz sogar mit einer vorläufigen Vertragsverlängerung belohnt.


Das Experiment mit U21-Spielern schien im Fall von Ashton Götz funktioniert zu haben, sogar der damalige US-Nationaltrainer, Jürgen Klinsmann, soll bei Götz angefragt haben. Eine Nominierung kam jedoch nicht zustande, da Götz nicht die Staatsbürgerschaft der USA besaß.


Dann begann eine Schicksalssaison, denn Götz fiel nach zehn Regionalligaeinsätzen für die Rückrunde der Saison 2015/2016 aufgrund eines Muskelfaserrisses langfristig aus. Nach der Verletzung standen die Zeichen in der Hansestadt auf Abschied. Im August 2016 absolvierte der Rechtsverteidiger ein Probetraining in Darmstadt, zu einem Engagement kam es allerdings nicht. 


In der Saison 2016/2017 folge der bisher letzte Bundesligaeinsatz von Götz. Trainer Markus Gisdol setzte den Verteidiger beim 0:3 gegen den 1. FC Köln ein, wo Götz nicht überzeugen konnte und als wenn das nicht fatal genug wäre, schmiss Gisdol seinen Verteidiger im Mai 2017 mit der Begründung aus der Mannschaft, dass man den Kader für den Abstiegskampf verkleinern wollte. Götz trainierte daraufhin bei der U21 und nach Ende der Vertragslaufzeit verließ er den HSV nach sechs Jahren im Volkspark.


Eine Karriere der Gegensätze

Nach seinen durchwachsenen Jahren in Hamburg war Ashton Götz für einige Wochen vereinslos, ehe Roda Kerkrade den Verteidiger in die Niederlande lotste. In der Eredivisie sollte der Verteidiger die Defensive von Kerkrade stabilisieren. 


Doch es kam, wie es schlimmer hätte nicht laufen können: nach neun guten und überzeugenden Auftritten verletzte sich Götz schwer an seinen Bauchmuskeln, was für ihn nicht nur bedeutete, dass er den Rest der Saison verpasste, sondern diese Verletzung besiegelte das Ende in den Niederlanden, denn der Einjahres-Vertrag wurde nicht verlängert.

Ashton Goetz,Artjoms Rudnevs

Dieser Schock saß tief. Götz war die komplette folgende Saison vereinslos und hielt sich in der Oberliga fit. Probetrainings beim FSV Zwickau und den Würzburger Kickers brachten leider nicht den erhofften Vertrag im Profifußball mit sich. 


Zur aktuellen Saison heuerte der Verteidiger schließlich beim SV Drochtersen/Assel in der Regionalliga Nord an. Dort unterschrieb Götz einen Vertrag bis Ende Juni 2020. In der 4. Liga angekommen, wartete direkt ein Highlight auf Götz, das ihn in Erinnerungen schwelgen ließ. In der 1. Runde des DFB-Pokals traf D/A auf den FC Schalke 04. Ein ganz besonderes Spiel für Götz, denn der Rechtsverteidiger spielte bereits 2014 in der Bundesliga gegen S04.


Es war für einen kurzen Moment wie früher, als der Name Götz noch im Volksparkstadion gerufen wurde.


Happy-End für die ehemaligen Profis?

Die Karrieren von Ronny Marcos und Ashton Götz sind mit jeweils 26 Jahren noch lange nicht vorbei. Allerdings bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Sprung zurück in den Profibereich zu schaffen. Mit zunehmendem Alter verlieren die Spieler an Attraktivität auf dem Markt. Zusätzlich müssen die Leistungen stimmen, um das Interesse von höherklassigen Vereinen auf sich ziehen zu können. Bei ihren aktuellen Arbeitgebern spielen beide Akteure nicht in Vereinen, die kurzfristig in den Profifußball aufsteigen können, dafür ist die tabellarische Situation nicht gut genug.


Beide starteten vielversprechend und der Verlauf beider Karrieren ähnelt sich sehr. Dass sie in der Bundesliga durchaus bestehen könnten, haben beide bewiesen. Götz scheiterte an Verletzungen und auch Marcos hat sein Glück bislang nicht finden können. Vorerst bleiben dem Duo die 4. Liga und Erinnerungen aus besseren Zeiten, in denen sich beide "Profi" nennen durften. Beide Geschichten zeigen auch, wie kurzlebig das Geschäft im Fußball sein kann. Zu schnell verschwinden einzelne Spieler von der Bildfläche - knallhart, aber bittere Realität.