Das 30-Millionen-Euro-Missverständnis kehrt zum BVB zurück. André Schürrle hat bei Spartak Moskau keine Zukunft, von der vereinbarten Ausstiegsklausel macht der russische Erstligist ​keinen Gebrauch. Nichtsdestotrotz wird er Dortmund mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder verlassen - oder nicht? 90min nennt Gründe, die für und gegen eine Zukunft in Schwarz-Gelb sprechen.


Die Vita von André Schürrle lässt keinesfalls auf eine gescheiterte Karriere schließen. Der Linksaußen schaffte über den FSV Mainz den Sprung zu Bayer Leverkusen, wechselte 2013 zum FC Chelsea, kehrte nach zwei Jahren in die ​Bundesliga zurück und schloss sich dem damals starken VfL Wolfsburg an, folgte keine 18 Monate später allerdings dem Lockruf seines ehemaligen Förderers Thomas Tuchel und unterschrieb einen bis 2021 datierten Vertrag in Dortmund. 


Macht's Schürrle wie Perisic?


Schürrle stand 207 Mal in der Bundesliga und 68 Mal in der ​Premier League auf dem Platz, hat mit Leverkusen, Chelsea, Wolfsburg und Dortmund Champions und Europa League gespielt, durfte 57 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen und bereitete im WM-Finale 2014 den Siegtreffer von Mario Götze vor. Der 29-Jährige ist ein klassischer Außenbahnspieler, nicht ganz so schnell wie ein Jadon Sancho oder Thorgan Hazard, vielleicht auch nicht ganz so verspielt wie die Dortmunder Flügelzange. Aber er hat seine Qualitäten im Dribbling, verfügt darüber hinaus über einen starken rechten Fuß, mit dem er problemlos auch aus der zweiten Reihe sehenswerte Tore erzielen kann.

Andre Schuerrle

Kein Top-Spieler, aber ein solider Backup: Schlägt André Schürrle den Weg von Ivan Perisic ein?


Was also allen voran für Schürrle spricht, ist seine immense Erfahrung. Davon ist im BVB-Kader genügend vorhanden, aber es könnte nicht schaden, einen solchen gestandenen Spieler wieder aufzunehmen. Schürrle darf in diesem Fall jedoch nicht darauf hoffen, einen Stammplatz zu erhalten. Vielmehr könnte er eine Rolle einnehmen wie Ivan Perisic beim ​FC Bayern. Der Kroate ist ein solider Backup für das Stammpersonal, seine Klasse ist für die Bundesliga völlig ausreichend, selbst in der Champions League kann er eine Waffe sein, wenn es brenzlig wird. Wie zu hören ist, wollen die Bayern ihn deshalb ​langfristig binden. Ähnlich könnte Schürrles Zukunft in Dortmund aussehen: Als solider Ersatzspieler, der immer für ein Tor gut ist.


Perspektivisch reicht es für einen Klub wie dem BVB nicht


Jedoch ist nicht davon auszugehen, dass die Verantwortlichen mit Freude auf die Botschaft aus Moskau reagiert haben. Schon 2018 wurde Schürrle verliehen, nach dem Abstieg mit dem FC Fulham musste er wieder zurück. Auch das zweite Leihgeschäft brachte nicht das erhoffte Resultat. 


Der BVB bleibt vorerst auf ihm sitzen. Der Vertrag endet 2021, eine weitere Ausleihe ist also nicht mehr möglich. Schürrle kann nur noch verkauft werden oder sein letztes Vertragsjahr auf der Bank respektive der Tribüne verbringen. Denn anders als in Leverkusen oder Wolfsburg funktioniert er in Dortmund einfach nicht. Lucien Favre sah von Anfang an davon ab, dem Weltmeister eine Chance zu geben, nach zwei Jahren dürfte er seine Meinung kaum geändert haben. 

Andre Schuerrle

Schürrle darf nicht mehr davon ausgehen, eine bedeutende Rolle bei einem Top-Verein einzunehmen


Das Niveau reicht nicht mehr für einen Verein, der jährlich um die Meisterschaft mitspielen und in den Pokalwettbewerben so lange wie möglich dabei sein will. Zudem würde Schürrle unter Umständen einen Kaderplatz für eines der zahlreichen Talente blockieren, dabei ist die Spielpraxis eines der Hauptargumente, wenn ​"High-Potentials", nach denen eifrig gefahndet wird, angeworben werden.


Für einige Bundesligavereine könnte Schürrle ein interessanter Spieler sein, in Dortmund wäre man jedoch vermutlich froh, ihn endlich von der Gehaltsliste streichen zu können. Weder sportlich noch perspektivisch passt er in das angeforderte Profil, wenngleich er ob seiner Erfahrung eine solide Alternative darstellen könnte. Die Zeichen stehen dementsprechend auch im Jahr 2020 auf Trennung. Bis ein Abnehmer gefunden wird, könnte es aber einige Zeit dauern.