Seit fast drei Jahren spielt Santiago Ascacíbar in Deutschland. Der 23-jährige Argentinier plant, noch einige Jahre in Europa zu verbringen, eines Tages will er aber noch einmal für Jugendklub Estudiantes spielen, wie er im Gespräch mit unseren Kollegen von 90min Spanien erzählt. Darüber hinaus sprach Ascacíbar über die Beweggründe für seinen Wechsel vom ​VfB Stuttgart zu ​Hertha BSC, welche Rolle Jürgen Klinsmann spielte und wie der Hauptstadtklub während der Coronakrise trainiert. 


Nach der Rückkehr in die ​Bundesliga verpflichtete der VfB Ascacíbar für sechs Millionen Euro von Estudiantes. Im defensiven Mittelfeld wuchs er auf Anhieb zum Stammspieler heran, der allen voran eine eine gehörige Portion Aggressivität mitbrachte. Zehn gelbe Karten kassierte Ascacíbar allein in seiner Debütsaison, obendrein flog er am 33. Spieltag mit Gelb-Rot vom Platz und verpasste somit den überraschenden 4:1-Auswärtssieg beim FC Bayern.


Ausgebildet wurde Ascacíbar bei Estudiantes, vergleichbar seien der Fußball in Argentinien und Deutschland aber kaum: "Die Bundesliga unterscheidet sich in physischen, taktischen und technischen Aspekten", erklärt der 23-Jährige. In der höchsten deutschen Spielklasse seien "viele Top-Spieler" unterwegs, besonders von Marco Reus zeigt er sich angetan. Über den torgefährlichen Mannschaftskapitän von ​Borussia Dortmund sagt er: "Wenn ich einen Spieler wählen müsste, der mir größere Probleme bereitet hat, dann Marco Reus. Er war einer der besten, gegen die ich antreten musste."

Santiago Ascacibar,Marco Reus

              Zweikämpfe mit Marco Reus zählen nicht zur Lieblingsbeschäftigung von Santiago Ascacíbar


Nach zwei Jahren stieg der VfB erneut ab, mit den Verantwortlichen verständigte sich Ascacíbar daraufhin auf einen Wechsel im Januar, sofern ein passendes Angebot eintrifft. Im Dezember kursierten Gerüchte über eine Rückkehr nach Argentinien, demnach waren ​die Boca Juniors interessiert. Viele südamerikanische Spieler zieht es zum Ende ihrer Karriere noch einmal in die Heimat, für Ascacíbar wäre dieser Schritt allerdings zu früh gekommen: "Ich wollte weiter in Europa spielen, weil es sehr schwer für mich war, hierherzukommen", sagt er - und wenn er eines Tages zurückkehrt, will er ohnehin nur für einen Klub spielen: "Wenn die Zeit reif ist, werde ich zu Estudiantes zurückkehren. Es ist der Verein, den ich liebe und bei dem ich aufgewachsen bin."


Klinsmann überzeugte Ascacíbar von der Hertha


Im Januar ging es daher zu Hertha BSC. Schmerzvoll sei der Abschied vom VfB gewesen, doch alles geschehe aus einem guten Grund, sagt Ascacíbar, der sich in der Hauptstadt wohlfühlt und sich "glücklich" darüber zeigt, "bei einem wichtigen Verein wie Hertha zu sein." 

Santiago Ascacibar

Seit Januar in Blau-Weiß unterwegs: Bei der Hertha fühlt sich Ascacíbar wohl



Die Alte Dame mittelfristig um den Europapokal mitspielen, allen voran Jürgen Klinsmann war getrieben von der Vision des Big City Clubs. Er war auch derjenige, der Ascacíbar von dem Transfer überzeugte: "Ich bin wegen Jürgen Klinsmann gekommen", so der 23-Jährige. Allerdings verkündete Klinsmann nur einen Monat später überraschend seinen Rücktritt. Dieser habe "alle überrascht", so Ascacíbar, "weil er ein wichtiges Projekt angeführt hat."


Verantwortungsbewusstsein in der Corona-Krise


Längst ist der Fußball aber nur noch Nebensache. Das Coronavirus hat die Welt im Griff, zahlreiche Länder kämpfen mit harten Maßnahmen gegen die Pandemie an. Auch in Deutschland wurden viele Vorkehrungen getroffen, von denen die ersten im Mai wieder gelockert werden sollen. Dann könnte auch der Ball wieder rollen. 


Auf dieses Szenario bereiten sich die Bundesligisten unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften vor. "Wir wurden in Gruppen aufgeteilt. Wir versuchen, uns an die Abstände zu halten und benutzen nicht dieselbe Umkleidekabine, wir gehen nicht einmal duschen. Sobald das Training beendet ist, gehen wir nach Hause", berichtet Ascacíbar vom gegenwärtigen Mannschaftstraining.


Hoffnung auf das Nationalmannschaftsdebüt


Bei seinem neuen Verein verbucht er sieben Startelfeinsätze über je 90 Minuten, auch unter Bruno Labbadia dürfte er eine wichtige Rolle einnehmen. Über die Hertha soll es dann endlich mit einer Nominierung für die argentinische Nationalmannschaft klappen, der Blick geht in Richtung Copa América, die 2021 ausgetragen wird. "Wenn du in Europa spielst, musst du die Dinge gut machen und Tag für Tag hart arbeiten, um dir einen Platz zu verdienen", weiß Ascacíbar, der geduldig auf einen Anruf von Nationaltrainer Lionel Scaloni wartet: "Die Konkurrenz ist groß, es gibt viele Spieler auf hohem Niveau. Wenn die Zeit kommt, darfst du die Chance nicht verpassen, sondern musst sie nutzen."