Ausgliederung auf Schalke: Deshalb ist das Thema so emotional und schwierig

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​Inmitten der Coronakrise nimmt das auf ​Schalke umstrittene Thema einer möglichen Ausgliederung ordentlich Fahrt auf. Wenig überraschend, da zurzeit offensichtlich wird, wie wenig Geld der Verein zur Verfügung hat. Im Klub selbst ist das Thema äußerst emotional behaftet und in den Strukturen ein kompliziertes Konzept.

Schalke hat zu dieser wichtigen Krisenzeit keine Rücklagen, auf die der Verein zurückgreifen kann. Auf Rückerstattung verzichtende Fans, (Dauer-)Karteninhaber und Logen-Besitzer ist man zurzeit ebenso angewiesen wie auf jedes Prozent Gehaltsverzicht und die ​Überweisung der so wichtigen TV-Gelder. Nun wird es für jeden offensichtlich, wie sehr die Finanzen offenbar auf Kante genäht sind. 

Schalke ist angesichts der Ausgliederungs-Thematik gespalten: Es gibt gute Pro- wie Contra-Argumente

Dass dadurch das stets lauernde Thema einer potenziellen Ausgliederung Fahrt aufnimmt und in die Schalker Öffentlichkeit gespült wird, ist angesichts der schwierigen Umstände, verursacht und beschleunigt durch die Coronakrise, nicht überraschend. Kaum ein Thema hat eine so emotionale Brisanz beim S04 wie die Möglichkeit und die eventuelle Notwendigkeit einer Ausgliederung der Profimannschaft zu einer Kapitalgesellschaft. Erneut wird seit Tagen unter den Fans diskutiert, teils mit harten Bandagen und klarer Kante für die jeweilige Position. Es zeigt ganz deutlich, wieso dieses Thema in Gelsenkirchen so kompliziert ist.

Fan- und Mitgliederszene gespalten: Die ewigen Pro und Contra als e.V.

Auf der einen Seite stehen die Fans und Mitglieder, die den Wert des eingetragenen Vereins als zu wichtig, zu besonders und zu traditionell ansehen, als dass man ihn gegen eine einmalige Investition von außen eintauschen kann. Dieses (beinahe) Alleinstellungsmerkmal wird für sie höher bemessen als das Geld. 

Sie betonen zudem, dass eine Ausgliederung kein garantierter Erfolg sein muss, auch dafür gibt es genug Negativ-Beispiele. Zweifel, ob die handelnden Personen der letzten Jahre, namentlich u. a. Finanzvorstand Peter Peters, diese Umstellung professionell und erfolgreich umsetzen können, bestehen teilweise ebenfalls.

Auf der anderen Seite gibt es die Anhänger, die vor allem den schwindenden Anschluss an die Spitze der Bundesliga sehen. Zu häufig hört man von einem zu kleinen Budget; Transfers, die aufgrund der geringen finanziellen Mittel nicht möglich sind. Sie haben Angst, den sportlichen Anschluss zu verlieren und im ewigen Mittelmaß zu landen. 

Auch sie schätzen den Status des e.V., doch sei dieser heutzutage nicht mehr zeitgemäß, hört man - von Tradition könne man sich keine Spieler kaufen und Verträge verlängern. Dazu ist man primär vom klugen Handeln aller Verantwortlichen und dem sportlichen Erfolg abhängig.

Beide Seiten haben gute wie schlechte Argumente, weshalb es vielen Schalkern schwerfällt, sich für eine dieser Meinungen zu entscheiden und dazu Stellung zu beziehen. Auch das ist bei einer solchen Entscheidung, die den ganzen Verein in den Grundstrukturen verändern würde und unter Umständen auch gefährlich sein kann, wenig verwunderlich. 

Vereinsführung fürchtet das sportliche Mittelmaß - Ultras mit klarer Positionierung

In der sportlichen Führung von Königsblau wächst verständlicherweise die Sorge, wie konkurrenzfähig man in den nächsten Jahren sein wird. Peter Peters habe sich noch keine Meinung bilden können, so der Finanz-Chef die Tage in einem Fan-Chat. Alexander Jobst, Marketing- und Kommunikations-Vorstand, hat das Thema schon seit Längerem stets vorsichtig angeschnitten. "Bleiben die Erlöse aus, dann wird es in einer e.V.-Struktur schwieriger", hatte er gegenüber der WAZ verlauten lassen. Außerdem müsse eine grundlegende Diskussion dazu erlaubt sein, falls man nicht mehr eigenständig in der Lage sei, "an einem Tag X Schalke erfolgreich weiterzuentwickeln". 

Die organisierte Fanszene der Ultras Gelsenkirchen (UGE) hat sich bereits vor Monaten (erneut) gegen eine Ausgliederung gestellt. In einem veröffentlichten Statement in der Klubzeitung hieß es (via WAZ), dass "eine einmalige Geldeinnahme verlockend" klingen mag, doch aufgrund der fehlenden Erfolgs-Garantie würden "die Nachteile überwiegen". 

Aufgrund solcher Risiken "das Mitspracherecht als Mitglied zu opfern", sei keine Option - schließlich sei dies "der Grundpfeiler unseres Vereins". 

Ausgliederung würde anteiligen Stimmverlust der Mitglieder bedeuten - Kapitalgesellschalft als mögliche Einnahmequelle

Die Fakten: Für eine Ausgliederung müsste sich eine Dreiviertel-Mehrheit auf einer außerordentlich einberufenen Mitgliederversammlung finden lassen. Das gibt die Vereinssatzung so vor. Die Mitgliederversammlungen haben auf Schalke ein hohes Gut, stets sind zahlreiche Teilnehmer vor Ort. Es gilt unter den Fans als sehr unwahrscheinlich, dass dort eine solche Mehrheit zustande kommen würde, sollte dies überhaupt zur Debatte stehen. 

Im Fall der Fälle, sollte eine Ausgliederung doch eines Tages beschlossen werden, würden die Mitglieder auch faktisch gesehen Einfluss verlieren. Ein eingetragener Verein liegt in den Händen der Mitglieder, die das volle Stimmrecht haben. Zudem handelt man, zumindest sprachlich gesehen, für gemeinnützige Zwecke. 

Dass Schalke heutzutage selbstverständlich nicht nur aus Spaß an der Freude den Verein führt, sondern auch unternehmerisch, ist jedoch klar. Bei einer Ausgliederung müsste der Teil des e.V. zwar noch die Mehrheit an der dann beschlossenen Kapitalgesellschaft kontrollieren (50+1-Regel), doch durch die dann verkauften Anteile verliert man die angesprochenen Rechte - bei weitem nicht alle, sondern anteilbar einen nicht unerheblichen Teil.

Berücksichtigt man all die unterschiedlichen Sichtweisen, das theoretisch notwendige Vorgehen und die Sorgen der Vereinsführung, versteht man schon eher, wieso es sich hierbei um ein emotionales Themenfeld handelt. Dass Schalke bereits grundsätzlich von den Emotionen des Umfelds lebt, ist dabei selbstredend ein weiterer Faktor. Es wird spannend bleiben, in welche Richtung sich diese Diskussionen über die nächsten Tage, Wochen, aber auch Monate strecken.