​Während die DFL und die 36 Profi-Klubs der 1. und 2. ​Bundesliga darauf hoffen, ​dass ab Anfang/Mitte Mai die unterbrochene Spielzeit vor leeren Rängen fortgesetzt werden kann, hat sich die Fan-Vereinigung 'Fanszenen Deutschlands' am Donnerstagaben in einer Stellungnahme klar gegen Geisterspiele positioniert:


"Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar - schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung."


Die Fanvereinigung geht dabei noch weiter und fordert "Quarantäne für den Fußball". Für die 'Fanszenen Deutschlands', zu denen viele der großen Ultra-Gruppierungen der Bundesliga-Klubs gehören, zeige die aktuelle Krisen-Situation, woran der Profi-Fußball krankt:


"Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne. [...] Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern", heißt es in der Stellungnahme.


Für die Fans sei nun der Zeitpunkt gekommen, "dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen." Gefordert wird eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und mehr Solidarität zwischen den großen und kleineren Klubs. 


"Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!"


Diese vier zentralen Punkte fordern die 'Fanszenen Deutschlands':


  • "Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren."


  • "Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden."


  • "Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind."


  • "Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände.Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben."

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