Er kam als neue Sturmhoffnung nach Hamburg. Das Duo Kreuzer/Fink sah in Jacques Zoua einen "neuen Guerrero", obwohl der Kameruner schon in Basel nicht unbedingt mit Torgefahr punkten konnte. Aus einem Talent wurde ein weiteres Missverständnis beim ​HSV und aus Zoua selbst ein Weltenbummler.


Als Jacques Zoua im Jahr 2013 in Hamburg aufschlug, war die Verwunderung groß. 600.000 Euro überwies der HSV für die Dienste des Stürmers an den FC Basel, der in der vorherigen Saison in 24 Spielen lediglich ein einziges Mal traf. Aber was war es, dass die Verantwortlichen im Kameruner sahen? 


Der damals neue Sportdirektor Oliver Kreuzer und auch der damalige Trainer, Thorsten Fink, wollten den jungen Mann aus Kamerun unbedingt beim HSV haben. Beide waren, wie Zoua, in der Vergangenheit beim schweizer Rekordmeister FC Basel aktiv. Besonders Thorsten Fink kannte Zoua aus gemeinsamen Zeiten in Basel und sah im jungen Stürmer enormes Potenzial. 


Vom Sturmtalent zum Weltenbummler


"Er ist einer wie Paolo Guerrero", kündigte der damalige HSV-Coach an. Dass sein Wunschspieler jedoch nicht die gewünschte Verstärkung war, wurde schnell klar. Zoua war kein Leistungsträger und blieb hinter seinen Erwartungen zurück. Nach seiner Zeit in der Hansestadt war der Stürmer weiter auf der Suche nach seinem persönlichen Glück - bis heute erfolglos. 

FC Basel's Cameroonian forward Jacques Z

Mit 600.000 Euro Ablöse war Zoua für damalige Verhältnisse so etwas wie ein Schnäppchen für den HSV. Der junge Zoua war vorher in der Super League aktiv und konnte bereits in jungen Jahren Champions-League- und Europa-League-Erfahrung sammeln.


Mit einer Größe von 1,86m und relativ schlankem Körperbau kam der Mittelstürmer recht schlaksig daher, was ihm aber Vorteile in der Agilität verschaffte. Ein weiterer großer Vorteil war sein Alter. Zoua war jung und konnte dennoch auf einige Spiele in der Schweiz zurückblicken. Auch zum Nationalteam Kameruns gehörte der Stürmer, der einen Vertrag bis 2016 unterschrieb, früh.


Die Vorzeichen waren also vielversprechend, jedoch wurden sie schon bald gebremst, denn der HSV hatte Spieler nötig, die das Team sofort besser machten, Soforthilfen, die keine Eingewöhnungszeit brauchen - das war Jacques Zoua leider nicht.


Hinter den Erwartungen zurück

Er kam als viermaliger Schweizer Meister und zweifacher Cupsieger in die Hansestadt. Nach einer guten Vorbereitung hatte Zoua seinen Stammplatz vorerst sicher. Der HSV wurde jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. In den ersten fünf Spielen, die Zoua allesamt über die volle Distanz absolvierte, hagelte es viele Gegentore und krachende Niederlagen. Gegen ​Hoffenheim wurde am zweiten Spieltag mit 1:5 verloren und auch in ​Dortmund ging der HSV mit 2:6 unter. Aber es war auch Jacques Zoua, der in diesen fünf Spielen immerhin drei Scorerpunkte sammeln konnte. 


Vor allem beim 4:0-Erfolg am vierten Spieltag gegen Eintracht Braunschweig glänzte der Kameruner mit einem Tor und einer Vorlage, was die Hoffnungen auf einen neuen Star beim HSV erneut aufflammen ließ.


Nach anfänglichem Hoffnungsschimmer passte sich Zoua allerdings an seine Teamkameraden an und verlor seine Leichtigkeit. Vom Talent des Stürmers war leider nicht mehr viel zu sehen. Er wirkte nervös und agierte auf dem Platz teilweise unbeholfen. Wie der Rest des Teams enttäuschte auch der Kameruner auf ganzer Linie, weshalb der HSV am Ende der Spielzeit das erste Mal in seiner Geschichte in die Relegation musste, die Zoua aufgrund einer Verletzung allerdings verpasste.

FBL-GER-BUNDESLIGA--MOENCHENGLADBACH-HAMBURG

18 Mal stand Zoua in der Startelf der Rothosen. In der Offensive wurde er variabel eingesetzt, vermehrt allerdings auf den Außenpositionen. In seiner ersten Saison steuerte der Nationalstürmer Kameruns zwei Tore und drei Vorlagen bei, sowie ein Tor und einer Vorlage im ​DFB-Pokal.


Fuß fassen konnte der Stürmer in Hamburg aber nie. Nach der bis dato enttäuschendsten Saison der bisherigen Vereinsgeschichte sollte sich an der Elbe eine Menge ändern und auch Zoua fiel dem Aktionismus der HSV-Führung zum Opfer. Sein Förderer Thorsten Fink war damals schon lange nicht mehr im Amt, wodurch auch sein letzter Halt verloren ging. Schon nach einer Saison standen die Zeichen auf Trennung, denn für den HSV spielte Zoua in der Verfassung keine Rolle mehr. Letzte Chance sollte eine Leihe sein, die Zoua zu neuer Stärke verhelfen sollte. Was folgte, war allerdings eine Wechsel-Odyssee, die bis heute kein Ende gefunden hat.

Auf der Suche nach dem Glück


Ausweg aus dem Leistungsloch sollte im Sommer 2014 eine Leihe zu Kayseri Erciyesspor in die türkische Süper Lig sein und es schien, als wäre das der richtige Schritt gewesen, denn Zoua überzeugte in der Türkei. Er war Stammspieler bei seinem Leihclub und konnte acht Tore in 23 Einsätzen erzielen. Allerdings konnte auch Zoua nicht verhindern, dass sein Verein am Ende der Saison abstieg.


Es blieb fraglich, ob dieses Niveau auch für die Bundesliga reichen würde. Nach seiner Rückkehr in die Hansestadt kristallisierte sich heraus, dass nicht mit dem Stürmer geplant werde - bereits während der Vorbereitung wurde ein Abnehmer gesucht, der schließlich mit dem GFC Ajaccio aus der französischen Ligue 1 gefunden wurde; trotz eines Jahres Restvertrags wurde der Kameruner ablösefrei abgegeben.

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In Frankreich unterschrieb Zoua für zwei Jahre. 26 Mal stand der Stürmer in der Startformation von Ajaccio. Allerdings lief es auch in Frankreich alles andere als rund. Zwar traf Zoua immerhin fünf Mal und steuerte zwei Assists bei, sein neuer Verein war in der ersten Liga Frankreichs jedoch hoffnungslos unterlegen, weshalb der Abstieg die logische Konsequenz war. Immerhin konnte Zoua seiner Mannschaft mit zwei Toren in zwei aufeinanderfolgenden Spielen insgesamt sechs Punkte sichern, eine Zukunft in der Ligue 2 hatte der Kameruner aber nicht.


Kurze Rückkehr nach Deutschland

Nach einem weiteren enttäuschendem Kapitel in der Karriere Zouas sollte nun erneut in Deutschland der Neustart gelingen. Der 1. FC Kaiserslautern holte den Stürmer ablösefrei aus Frankreich in die Pfalz. Aber auch in der 2. Bundesliga sollte sein persönlicher Fluch nicht enden. Zu unkonstanten Leistungen gesellten sich Verletzungen, die den "Stern Zoua" in Kaiserslautern nie aufgingen ließen - und so war auch in der Pfalz nach einem Jahr wieder Schluss. Nach sechs Toren aus 21 Begegnungen wurde der Vertrag von Jacques Zoua im August 2017 aufgelöst und der Stürmer musste erneut seine Koffer packen.

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Kurios: Obwohl Zoua im Vereinsfußball weiterhin auf der Suche nach seinem persönlichen Glück war, blieb er Stammgast bei der Nationalmannschaft. 2017 konnte Zoua mit dem Gewinn der Afrikameisterschaft einen langersehnten Erfolg feiern. Zwar blieb er in 26 Länderspielen bis heute ohne Tor, für Kamerun scheint der Stürmer trotzdem wichtig zu sein.


Eine Karriere auf Abwegen

Next Stop: Belgien. Nach knapp zwei Monaten ohne Verein schloss sich Jacques Zoua dem belgischen Zweitligisten KFCO Beerschot Wilrijk - wie sollte es anders sein - für ein glückloses Jahr an, ehe er nach Rumänien wechselte, wo er noch heute aktiv ist. Die letzten Jahre waren der absolute Tiefpunkt für Zoua. Kaum Einsätze, kaum Tore, aber jede Menge Enttäuschung. 

Sporting Lokeren v Beerschot-Wilrijk

Nach einer Saison wechselte er innerhalb der rumänischen Liga von Astra Giurgiu zum amtierenden Pokalsieger FC Vitorul wo er heute, wie so regelmäßig, gegen den Abstieg kämpft.


Aber warum stürzte Jacques Zoua derart ab, obwohl er im jungen Alter eine vermeintlich große Karriere in Aussicht hatte? Es auf den "HSV-Fluch" zu schieben, der besagt, dass alle Spieler in Hamburg schlechter werden würden, wäre definitiv zu einfach. Nirgendwo konnte Jacques Zoua bisher sein Potenzial entfalten. Vielleicht waren es die Umstände, andauernd gegen den Abstieg zu spielen, die die Fähigkeiten des Kameruners hemmten, oder die Tatsache, dass sich der Stürmer nie langfristig bei einem Verein etablieren konnte.


Mit heute 28 Jahren ist die Karriere des Weltenbummlers noch nicht vorbei und dem Paradiesvogel bleibt zu wünschen, dass er bald sein persönliches Glück findet, vielleicht in Rumänien, abseits der internationalen Aufmerksamkeit.