​Die Transferpolitik des ​Hamburger Sport-Vereins wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Zu oft investierten die Hanseaten falsch und holten Spieler, die ihrer teilweise hohen Ablöse nicht gerecht wurden und mit Verlust Hamburg verließen. Allerdings gab es auch Akteure, die sich als absoluter Glücksgriff erwiesen und beim HSV zu Stars und Lieblingen der Fans reiften.


Der HSV war im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends ein deutscher Topclub, der als eine gute Adresse für internationale Stars galt. Regelmäßige Teilnahmen an Europapokalen und gute Platzierungen in der Liga spielten den Rothosen auf dem Transfermarkt in die Karten und es konnten einige Spieler geholt werden, die bis heute die Geschichte der Raute prägen.

Transferverluste waren damals selten. Für viele Spieler war Hamburg das Sprungbrett zu den größten Vereinen Europas.


Zugegeben, diese Zeiten sind lange vorbei. In den letzten 10 Jahren richtete sich der Verein durch unkoordinierte Personalpolitik und irrationale Zielsetzungen selbst zu Grunde. Der einstige große HSV findet sich nun in der 2. Bundesliga wieder, seinem Potenzial weit hinterher.

Geld für kostspielige Transfers ist nicht mehr da und auch Stars sucht man im Kader der Hanseaten vergebens. Momentan scheinen die Hamburger allerdings wieder auf einem guten Weg zu sein. Clevere, kostengünstige Transfers halten den Klub relativ erfolgreich über Wasser. Und wer weiß - vielleicht weht bald wieder ein anderer Wind in der Hansestadt, denn die Fans haben die magischen Europa-Nächte nie vergessen.


In der folgenden Aufzählung werden zehn Spieler präsentiert, die sich als absolute Glücksgriffe erwiesen haben. Kaum verwunderlich: nach 2010 sieht es eher Mau aus.


10. Sergej Barbarez - 2000, 1,8 Millionen Euro

Sergei Barbarez

​Sergej Barbarez ist eine denkwürdige Verpflichtung des HSV. In Dortmund wurde der Bosnier nicht mehr glücklich, weshalb ihn sein Weg zum HSV führte - ein Glücksfall. Bereits in seiner ersten Saison an der Elbe schlug der Stürmer voll ein. Mit 22 Toren wurde er der bisher letzte Torschützenkönig des HSV, was nur der Anfang sein sollte. Insgesamt sechs Jahre trug Barbarez die Raute auf der Brust, in denen er unzählige Spiele auf internationaler Bühne absolvierte. Am Ende seiner Ära im Volkspark standen 216 Spiele mit 76 Toren zu Buche. Er war eines der Gesichter einer sehr guten Zeit in der Hansestadt. Der 47 malige Nationalspieler Bosniens beendete 2008 bei ​Bayer Leverkusen seine aktive Laufbahn.


9. Jerome Boateng - 2007, 1,1 Millionen Euro

Jerome Boateng,Bobby Zamora

Jerome Boateng kam im Jahr 2007 als eher unscheinbarer Innenverteidiger aus Berlin an die Elbe. Schnell war jedoch klar, dass die Hamburger ein wahres Juwel verpflichtet hatten. Der damals 19-jährige Boateng entwickelte sich in Hamburg prächtig und präsentierte sich bereits in jungen Jahren unfassbar gut. So gut, dass der Verteidiger irgendwann nicht mehr zu halten war, sodass Boateng im Jahr 2010 für 12,5 Millionen Euro zu ​Manchester City wechselte. Der HSV war das Sprungbrett für eine Weltkarriere. Boateng galt zeitweise als einer der besten Innenverteidiger der Welt, er wurde Weltmeister und gewann die Champions League mit dem ​FC Bayern. Für den HSV stand der langjährige Nationalspieler 113 mal auf dem Platz und auch er war eines der Gesichter der Europa-Ära der Rothosen.


8. Joris Mathijsen - 2006, 6 Millionen Euro

Hamburg's Dutch defender Joris Mathijsen

​Joris Mathijsen wechselte im Jahr 2006 für 6 Millionen Euro von ​AZ Alkmaar zum HSV. Mit Niederländern hat der HSV hauptsächlich sehr gute Erfahrungen gesammelt und auch Mathijsen gliedert sich in das Kapitel der ​erfolgreichen Niederländer in der Hansestadt ein. Der Innenverteidiger war schnell eine feste Größe in der Verteidigung und bewies, dass sich die bezahlten 6 Millionen Euro lohnten. 148 Spiele absolvierte Mathijsen, teilweise auch als Kapitän, für den HSV. Der 84 malige Nationalspieler der Oranjie beendete 2015 seine Karriere und ist heute sportlicher Leiter bei Willem II Tilburg.


7. Piotr Trochowski - 2005, 1 Millionen Euro

Piotr Trochowski

​Piotr Trochowski kam im Jahr 2005 für 1 Millionen Euro vom FC Bayern zum HSV. Ein Transfer, der sich voll auszahlen sollte, denn der kleingewachsene offensive Mittelfeldspieler reifte in der Hansestadt zum Nationalspieler und stand 259 mal für den HSV auf dem Platz. Mit dem HSV bestritt der gebürtige Pole viele Schlachten auf internationalem Niveau. Sein Spielstil und auch seine Persönlichkeit machten ihn schnell zu einem Sympathieträger im Volkspark. Unvergessen bleibt sein Tor aus dem Mai 2009 gegen ​Eintracht Frankfurt, als "Troche" dem HSV mit seinem Treffer zum 3:2 in der 91. Minute die Teilnahme an der Europa League sicherte. Heute ist der mittlerweile 36-Jährige nach Hamburg zurückgekehrt - er trägt weiterhin in der Oberliga die Raute auf der Brust, bei der 3. Mannschaft des HSV.


6. Heung-Min Son - 2008, ablösefrei

FBL-GER-BUNDESLIGA--DORTMUND-HAMBURG

2008 wechselte ​Heung-Min Son aus der Jugend vom FC Seoul nach Hamburg. Dort sollte der Südkoreaner über die Jugend zu den Profis geführt werden, in deren Kader er 2010 übernommen wurde. ​Dass der HSV beim quirligen Linksaußen den absolut richtigen Riecher hatte, war schnell klar. In 78 Spielen überzeugte Son nicht nur den HSV, weshalb die Hamburger aufgrund der zunehmend angespannten finanzielle Lage gezwungen waren, das Talent im Jahr 2013 für 10 Millionen Euro an Bayer Leverkusen zu verkaufen. Heung-Min Son ist heute einer der besten Spieler der Geschichte Asiens. Unwahrscheinlich, dass diese Geschichte ohne den Wechsel nach Hamburg so verlaufen wäre.


5. Ivica Olic - 2007, 2 Millionen Euro

Ivica Olic

Im Jahr 2007 landete der HSV seinen nächsten Transfer-Coup. Der Kroate Ivica Olic kam für zwei Millionen Euro von ZSKA Moskau nach Hamburg. Eine tolle Verpflichtung, wie sich schnell herausstellen sollte, denn der sympathische Kroate avancierte schnell zum Publikumsliebling in der Hansestadt. Der Stürmer trug das Trikot mit der Nummer 11, welches rasend schnell mächtigen Absatz lieferte. Er war kein Stürmer, der für außergewöhnliche Technik bekannt war, aber gerade das machte Olic sympathisch, denn der Kroate hatte andere Eigenschaften, die ihn sehr wichtig für den HSV machten, nämlich seinen Kampf und seine Zuverlässigkeit, die er in 143 Spielen für die Rothosen von 2007-2009 und 2015-2016 unter Beweis stellte. Seine zweite Amtszeit beim HSV verlief hingegen anders als gewünscht. Bei den abstiegsbedrohten Hamburgern konnte Olic, der heute Co-Trainer der Nationalmannschaft Kroatiens ist, nicht mehr für den Befreiungsschlag sorgen. In guter Erinnerung wird "Ivi" trotzdem immer bleiben.


4. Nigel de Jong - 2005, 1,5 Millionen Euro

Nigel De Jong of Hamburger SV (R) celebr

Im Jahr 2005 verpflichtete der Hamburger Sport-Verein den Niederländer Nigel de Jong von Ajax Amsterdam. Der junge Niederländer integrierte sich sofort in das Team und war schnell im defensiven Mittelfeld gesetzt. De Jong kommt über den Kampf. Er ist ein Spieler, der sich nichts gefallen lässt und auch dort hingeht, wo es weh tut. Abräumer dieses Formats sind heute eher selten geworden, jedoch war genau dieser de Jong in 94 Spielen extrem wichtig für den HSV. Nach toller Entwicklung ging der 81 malige Nationalspieler im Jahr 2009 zu Manchester City. Die Ablöse von rund 18 Millionen Euro brachte dem HSV einen enormen Transfergewinn ein.

Der heute 35-Jährige ist noch immer aktiv und spielt derzeit in Katar. Bislang sammelte de Jong beachtliche 116 gelbe Karten während seiner Karriere.


3. David Jarolim - 2003, 800.000 Euro

David Jarolim

Wenn man den HSV-Fan fragt, wer wohl der einflussreichste und treuste Spieler der letzten 20 Jahre war, dann werden mit Sicherheit nicht wenige von ihnen den Namen David Jarolim nennen. Die 2003 an den 1. FC Nürnberg überwiesenen 800.000 Euro sind nichts im Vergleich zur Leistung Jarolims für den HSV. Knapp neun Jahre war Jarolim ein fester Bestandteil des HSV. 344 Spiele absolvierte der Tscheche mit der Raute auf der Brust, in denen er 103 gelbe Karten kassierte. Die Fans liebten "Jaro" für seine clevere, aufopferungsvolle Spielweise, die nicht selten die Gegner zur Weißglut brachte, denn Jarolim hob gerne ab, wenn ein Gegenspieler in der Nähe war. Im Ranking der Rekordspieler der Rothosen reiht sich Jarolim auf Platz 10 ein. Noch heute wird der sympathische Tscheche an der Elbe verehrt, denn Verlass war auf den Mittelfeldspieler immer. Bei kaum einem anderen Spieler tat der Abschied so weh. 2014 hing Jarolim seine Schuhe an den Nagel.


2. Mladen Petric - 2008, 7,3 Millionen Euro

Hamburg's Croatian striker Mladen Petric

Auf der Suche nach einem neuen Stürmer überwies der Hamburger Sport-Verein im Jahr 2008 7,3 Millionen Euro an den BVB, um sich die Dienste von Mladen Petric zu sichern. Ein Volltreffer für die Hamburger, denn diese Investition zahlte sich aus. Belohnt wurde der Verein mit tollen Toren, unvergesslichen Spielen und einer würdigen "Nummer 10". Für den HSV bestritt Petric mit 136 Spielen die meisten seiner Karriere. 61, teilweise spektakuläre Tore konnte der Kroate im Dress des HSV erzielen. Wenn man heute an Petric zurückdenkt, dann denkt man an erfolgreiche, andere Zeiten, in denen der HSV Stammgast in Europa war.

Mladen Petric spielte sich in die Herzen der Hamburger und bekam einen Platz auf dem "Walk of Fame" des HSV, was kaum einem Spieler zuvor gewährt wurde und den Stellenwert des Kroaten an der Elbe noch einmal untermauerte. Sein Bogenschützen-Jubel ist bis heute legendär und lässt die Hansestadt von Nächten in Europa träumen.


1. Rafael van der Vaart - 2005, 5,1 Millionen Euro

Hamburg's Rafael Van Der Vaart jumps ove


Als Rafael van der Vaart im Jahr 2005 von Ajax Amsterdam an die Elbe wechselte, war er nur Insidern bekannt, was sich allerdings schnell ändern sollte. Van der Vaart reifte in Hamburg zu einem internationalen Topstar. Er war eine absolute Bereicherung für den HSV und die Bundesliga, denn mit van der Vaart landeten die Hamburger einen absoluten Glücksgriff. Der junge Niederländer überzeugte auf ganzer Linie und war hauptverantwortlich, dass der HSV starke Saisons spielte. Sein Spielverständnis war in Kombination mit seiner Torgefahr eine absolute Waffe. Wunderschöne Tore prägten sich bis heute in das Gedächtnis der Fans ein, wenn sie an die erste Amtszeit ihres "Rafa" denken.


Als der strauchelnde HSV in der Jubiläumssaison zum 125. Vereinsbestehen die erneute Verpflichtung von van der Vaarts bekannt gab, stand die gesamte Stadt Kopf. Kaum ein Spieler wurde mit derart hohen Erwartungen empfangen, wie van der Vaart. Der 109 malige Nationalspieler der Oranjie, der sich weltweit einen Ruf erarbeitet hatte, fand aber nicht mehr zu alter Stärke zurück. Dennoch bleibt Rafael van der Vaart einer der größten Spieler, die jemals das Trikot des HSV trugen. Sein Karriereende feierte der ehemalige Kapitän im Jahr 2019 in seinem "Wohnzimmer Volksparkstadion", bei seinem HSV, mit dem er 199 teilweise unvergessliche Spiele absolvierte. Van der Vaart spielen zu sehen war ein Erlebnis für die ganze Bundesliga.


Die Zeiten der großen Transfers an der Elbe sind momentan in weiter Ferne. Geld und sportliche Erfolge fehlen, um Millionen ausgeben zu können. Heute träumen die Fans von ihren ehemaligen Stars, die für bessere Zeiten im rauen Hamburg stehen.


Heutzutage könnte man, gemessen an den aktuellen Verhältnissen, die Transfers von Tim Leibold, oder Bakery Jatta, der als Flüchtling ablösefrei zum HSV kam, als Glücksfälle bezeichnen. Auf einer Stufe mit den in der Liste genannten Spielern sind die heutigen Akteure aber bei Weitem nicht.