​Otto Rehhagel, Christoph Daum und Giovanni Trapattoni gehören sicherlich zu den Großen der Trainer-Gilde. Sie alle eint, wenigstens einen Bundesliga-Titel gewonnen zu haben. Aber auch die Peinlichkeit, mit einem fatalen Einwechselfehler für eine Niederlage ihres jeweiligen Klubs am Grünen Tisch gesorgt zu haben.


Der Fauxpas des Maestro, als Trainer des​ FC Bayern München, ereignete sich heute, 15. April, vor 25 Jahren. Schauplatz: das Frankfurter Waldstadion. 


Hintergrund des ganzen Malheurs war die damalige statutarische Bestimmung, dass in einem Spiel nicht mehr als drei Vertragsamateure pro Mannschaft eingesetzt werden dürfen. Sollten planmäßig mehr zum Einsatz kommen, müsste der betreffende Klub vor dem Spiel eine entsprechende Sondergenehmigung seitens des DFB einholen. 


Wie die Bayern es - kurioserweise - eine Woche zuvor (beim Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern) auch getan hatten. In Frankfurt beginnen die Bayern jedenfalls mit zwei Nicht-Profispielern: Sven Scheuer (im Tor) und Samuel Kuffour. Rein sportlich entwickelt sich die Partie schnell in den vorher erwarteten Bahnen. Bis zur ominösen 73. Minute haben die Münchener, die seit der 25. Spielminute mit Marco Grimm (für Thomas Helmer eingewechselt) bereits den dritten Nicht-Profi auf dem Platz haben, eine 3:2-Führung herausgeschossen.  


Hamanns Einwechslung macht den Lapsus perfekt


In diesem Moment muss sich Trap gedacht haben: dann wollen wir das ganze Mal auf italienische Art sichern. Angreifer Marcel Witeczek soll vom Platz genommen werden. Alternativen hat der Italiener im luxuriös besetzten Kader noch genug. Er könnte Supertalent Michael Sternkopf bringen. Oder den Schweizer Nationalspieler Alain Sutter. Doch das wäre dem vom Catenaccio geprägten Übungsleiter wohl zu riskant. Also muss eine defensivere Lösung her. Und die ist​ Dietmar "Didi" Hamann. Dumm nur: auch der hat zu diesem Zeitpunkt noch den Status eines Vertragsamateurs. Dürfte also gar keine Rolle in Trapattonis Gedanken spielen. 


Doch weder Trapattoni noch Co-Trainer Augenthaler sind sich der Gefahr, in die sie laufen, bewusst. Auch Manager Uli Hoeneß, sonst ein Ausbund an akribischer Planung, merkt nichts.

Und tatsächlich läuft kurze Zeit später Hamann für Witeczek auf den Platz. 


Bei den Frankfurtern bemerkt man den Verstoß sofort. Eintracht-Manager Hölzenbein holt dennoch vorsichtshalber eine bestätigende Meinung ein und fragt einen neben ihm stehenden Reporter vom kicker: "Wieviele Amateure haben die Bayern jetzt auf dem Platz?" "Vier", lautet die Antwort. Und vier ist genau einer zu viel. (Quelle: kicker.de)


Mittlerweile hat auch Bayerns Geschäftsführer Hopfner mitbekommen, dass da etwas völlig in die falsche Richtung gelaufen ist - und muss kleinlaut im Stadioninneren zugeben, dass der Antrag auf Sondergenehmigung dieses Mal nicht gestellt worden sei. 


Die Bayern haben somit gegen die Statuten verstoßen - und wissen ab diesem Moment, dass das Spiel verloren gehen wird. Wie zum Hohn erhöhen die Spieler sogar noch auf 5:2. Doch es ist ein Muster ohne Wert.


Hoeneß ist es peinlich


Nach dem Schlusspfiff beeilen sich die Münchener Verantwortlichen, die Spieler sofort vom Platz zu holen und sie nicht zum Bad in der freudigen Menge, vorm Bayern-Block, zu lassen. 

Als erster intoniert im Rahmen der Pressekonferenz der Coach selbst das mea culpa: "Es war mein Fehler", gibt Trapattoni unumwunden zu. Doch auch Hoeneß spricht sich (und den Co-Trainer) von Verantwortung nicht frei: "Es ist auch meine Schuld und die von Klaus Augenthaler." Und presst dann noch aus den zusammengekniffenen Lippen heraus, was in dem Moment wohl alle denken: "Und peinlich ist es allemal."


Am Ende wird das Spiel vom DFB, wie erwartet, mit 2:0 für die Eintracht gewertet. Große Auswirkungen hat dies aber am Ende für keine der beiden Mannschaften. Die Bayern belegen am Saisonende mit 43-25 Punkten (die Dreipunkte-Regel wurde erst in der folgenden Spielzeit eingeführt) den sechsten Rang - sechs Punkte hinter Meister Borussia Dortmund. Und die Eintracht beschließt die Spielzeit auf dem neunten Rang, weit weg von den oberen und genauso weit weg von den unteren Rängen. 


In Erinnerung ist dieser Fehler der Bayern aber bis heute, exakt ein Vierteljahrhundert danach, geblieben. 


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