​Stillstand allerorten im Profi-Fußball. Mit home-challenges oder Fortnite-Turnieren an der Spielkonsole versuchen sich die Spieler weltweit, ein wenig vom wettkampffreien Alltag abzulenken. Auch​ Bayern Münchens Rekord-Einkauf ​Lucas Hernández macht da keine Ausnahme.


Während der Ostertage, an denen er sonst gegen die gegnerischen Spieler um Punkte gekämpft hätte, lag Hernández weite Teile des Tages auf der heimischen Couch. Gegenüber der französischen Sportzeitung L´Équipe gab der 24-Jährig nun unumwunden zu, dass ihm die Zeit bisweilen schon etwas lang wird. "Klar finde ich die Zeit lang, wie viele. Ich denke vor allem an die, die der Krankheit gegenüber stehen. Wir müssen die Einschränkungen absolut respektieren", fand der Weltmeister aber auch sofort warme Worte für die, denen es in diesen Zeiten nicht so gut geht.


Seinem Hobby und Beruf nachgehen zu können, vermisst Hernández. Und fordert gleichzeitig ein gemeinschaftliches Denken aller ein: "Ich habe unglaubliche Lust auf Fußball. Aber vor dem Fußball stehen die Menschenleben. Wir müssen solidarisch sein."


"Die wahren Helden sind andere!" 


Dass es sich dabei nicht nur um Lippenbekenntnisse handelt, lässt sich aus seiner Aussage bezüglich der mit dem Klub abgestimmten Gehaltseinbußen (in Höhe von 20 Prozent) ablesen: "Wir sind total privilegiert. Wir machen eine Anstrengung, die nicht groß für uns ist. Die wahren Helden sind andere." Womit er absolut recht hat. Dennoch ist Hilfe natürlich nicht als schlechter oder wertloser zu betrachten, nur weil sie von jemandem kommt, der dazu finanziell besser in der Lage ist, als andere. 


Solidarität wird im Hause Hernández aber schon ganz allgemein groß geschrieben. Mit der Équipe Tricolore, dem französischen Nationalteam, unterstützt der Außenverteidiger die französischen Pflegekräfte und das Personal in den Krankenhäusern. Und selbst in seiner freien Zeit, beim Fortnite-Zocken mit Freunden, denkt der Franzose noch an die sozial benachteiligten. 


"Ich spiele online mit Freunden. Wir sind eine gewisse Anzahl, haben ein Netzwerk für ein Fortnite-Turnier mit meinem Bruder Theo, Achraf Hakimi (BVB) oder Alvaro Medran (Chicago Fire) und YouTubern oder Playstation-Profis. Die Anmeldung kostet Geld und das geht dann an das spanische Rote Kreuz."


Spanien ist für Hernández immer noch ein wichtiger Bezugspunkt in seinem Leben. Dort, bei Atlético Madrid, trieb er seine Karriere entscheidend voran. Und ebenda lebt auch immer noch seine Mutter. Klar, dass der Kontakt zu ihr gerade in diesen Zeiten nicht abreißt. Aber auch seinen in Frankreich lebenden Großeltern und seinem beim AC Mailand beschäftigten Bruder Théo gelten seine täglichen Gedanken. Über Whatsapp sind alle Mitglieder der Familie Hernández miteinander verbunden. "Gottseidank geht es allen gut. Meine Großeltern rufe ich jeden Tag an. Sie sind alt und müssen mehr auf sich aufpassen als die anderen. Ich kann es kaum erwarten sie wiederzusehen und mit meinem Opa in seinem Teich fischen zu gehen. Man bekommt mehr Bewusstsein für den Wert dieser einfachen Dinge."