Genau so wie viele andere vor allem mittelständische Betriebe in Deutschland, sorgt die Corona-Krise auch im Fußballgeschäft bei vielen vergleichsweise weniger gut betuchten Vereinen für Existenzsorgen. Die Chance, für ein Umdenken im Fußball zu sorgen. 


"Wir sind Konkurrenten und ein Wirtschaftsunternehmen. Am Ende des Tages können nicht die Klubs, die die letzten Jahre gut gearbeitet haben, die, die es nicht getan haben, belohnen." 

~ Hans Joachim Watzke 


Mit der obigen Äußerung während eines Auftritts in der Sportschau sorgte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans Joachim Watzke vor einiger Zeit für Ärger. Sie fiel im Zuge der Frage danach, wie größere Vereine in diesen Tagen kleineren, weniger krisenresistenten Klubs unter die Arme greifen könnten. Damit offenbarte Herr Watzke nicht nur, in welchem Bereich der Skala er gesellschaftspolitisch steht, sondern auch, dass es im Profifußball schon lange nicht mehr allein um den Wettbewerb geht.


Krise als perfekte Zeit für Veränderung


Dabei wäre diese Krise beinahe der perfekte Anstoß gewesen, um auch im Fußballgeschäft für ein Umdenken zu sorgen. Im Augenblick wird in der Politik viel gerätselt. Wie kann man den Menschen helfen, die nicht genügend Rücklagen haben, um sicher durch die nächsten Monate zu kommen? Wie hilft man Betrieben, denen das Aus droht? Was beschlossen wurde sind Milliardenpakete in dreistelliger Höhe. Nebenbei gehen beim Bundestag täglich Petitionen ein, die ein Grundeinkommen, eine neue Form der Steuer oder ähnliche Vorkehrungen fordern, um die Bürger zu entlasten und im Idealfall für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. 

Manuel Neuer

Seriensieger: Manuel Neuer war mit Bayern München auch dieser Saison wieder auf Meisterschaftskurs


Im Fußball scheint man sich dagegen zu sperren. Zu verlockend scheint der Gedanke zu sein, auch weiterhin ohne große Konkurrenz, an der Spitze oder zumindest in der Topgruppe der Liga zu stehen. Denn jetzt mal ehrlich. Die Bundesliga hatte in den letzten Jahren vieles, aber sicher keinen Konkurrenzkampf um den Titel. Auch unter den ersten sechs Mannschaften hat man mit wenigen Außreißern, häufig ein ähnliches Bild. In den letzten zehn (!) Jahren hat die Bundesliga zwei verschiedene Titelgewinner gesehen. Acht Schalen sicherte sich der ​FC Bayern München, die anderen zwei der ​BVB


In der unteren Tabellenhälfte ein ganz anderes Bild. In den letzten zehn Jahren, belegten zehn verschiedene Vereine den letzten Tabellenplatz, darunter Hertha BSC, Hannover 96 und der SC Paderborn. Das heißt: In der Liga kämpfen mehr Vereine um den letzten Platz in der Tabelle als um die Meisterschaft. Von Wettbewerb und Konkurrenz für die finanziell gut aufgestellten Klubs kann keine Rede sein. Ein Umverteilung der Finanzen würde hier helfen. 


Ein beispielhaftes Modell

Etwas Vorstellbares wäre zum Beispiel, dass die Vereine, die in die Champions League einziehen insgesamt zehn Prozent, und die Vereine, die in der Europa League spielen rund fünf Prozent ihrer dadurch verdienten Einnahmen an die restlichen Klubs verteilen. Allein der BVB verdiente in der Saison 2017/2018 etwas mehr als 27 Millionen Euro in der Champions League dazu; das wären für jeden Verein in der Liga, der an keinem internationalen Wettbewerb teilnimmt, knapp 225 000 Euro. Rechnet man die Erträge der Bayern und der übrigen Mannschaften in der Europa League dazu, wären das mehr als eine Millionen Euro pro Verein pro Saison mehr. 


Natürlich ist auch dies kein leicht umzusetzendes Konzept, wäre bei tatsächlicher Realisierung jedoch zumindest gesund für den Ligabetrieb. Denn vielleicht kämpfen auch dann nicht wieder mehr Vereine um den Titel, doch die Duelle im Mittelfeld werden definitiv wieder deutlich interessanter.