​Seit knapp zwei Wochen ist ​Marcell Jansen neuer Aufsichtsratschef des ​Hamburger SV. Hinter vorgehaltener Hand wird ihm nachgesagt, dass er nach der Entlassung des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann Ambitionen auf dessen Nachfolge hege. Und auch Trainer Dieter Hecking soll auf einmal zur Disposition stehen. 


So zumindest suggeriert es die Sport Bild in ihrer neuesten Ausgabe. Aufgemacht hat sie ihren Artikel mit einem schon länger zurückliegenden Dialog zwischen Hecking und Hoffmann. In dem Gespräch soll Hoffmann Hecking vorgeschlagen haben, auch im Falle eines Nichtaufstieges zu überlegen, ein weiteres Jahr dranzuhängen. 


Hintergrund war die ursprüngliche Vertragsgestaltung, der zufolge das Arbeitspapier bei Nichterreichung des Aufstieges automatisch beendet worden wäre. Nach dem Motto: hopp oder top. Als absehbar wurde, dass es mit der Rückkehr in die Beletage des deutschen Fußballs auch in diesem Jahr eventuell nichts werden könnte, schien Hoffmann ein Zeichen pro Hecking setzen zu wollen. Mündlich vereinbarte das Duo die prospektive Verlängerung der Zusammenarbeit.


Ging mit Hoffmann auch Heckings letzter Fürsprecher?


Doch Hoffmann ist schon Geschichte am Volkspark. Und das gibt offenbar hier und da Anlass, nun über Jansens Umgang mit Hecking zu spekulieren. 


Im Zuge des Knatsches im Vorstand, an dessen Ende schließlich die Trennung von Hoffmann stand, wurde von den Medien immer wieder eine Szene bemüht: die eines wutschnaubenden Marcell Jansen auf der Tribüne des Volksparkstadions während der Halbzeitpause des letzten Punktspiels der Rothosen gegen Jahn Regensburg. 


Jansen soll mit der Leistung der Mannschaft extremst unzufrieden gewesen sein. Und sich über Hecking beschwert haben. Doch von da auf eine vorzeitige Entlassung des Trainers zu spekulieren, ist dann wohl doch ein wenig verfrüht. Zumal sich beide bereits über diese Meldung untereinander ausgesprochen und darüber gelächelt haben sollen. 

Dieter Hecking

Die Sport Bild zweifelt jedoch an diesem momentanen Burgfrieden - und verweist in ihrer argumentativen Kette darauf, dass Jansen an den letzten drei Trainerentlassungen direkt beteiligt gewesen sein soll. Also an denen von Bernd Hollerbach, Christian Titz und Hannes Wolf. 


Dass die Entlassung von Hollerbach eigentlich alternativlos war, wird in diesem Zusammenhang geflissentlich übergangen. Viele Beobachter zweifelten schon bei Hollerbachs Verpflichtung an dem Sinngehalt dieser Entscheidung - und sahen sich nach sieben sieglosen Spielen in ihrer Einschätzung bestätigt. Hollerbachs Nachfolger Titz wäre dann beinahe zum Wunder-Retter geworden und wurde aus einer Stimmung der neuentfachten Euphorie (weil am Boden angekommen!) nach dem Abstieg im Boot gehalten. Mit ihm plante man den radikalen Neubeginn. Doch er machte sich durch dogmatisches Festhalten an einem riskanten Spielsystem ein Stück weit das Leben selbst schwer. Jansens Einfluss auf seine Entlassung, wenn es sie denn in dem behaupteten Maße überhaupt gab, kann ihm ebenfalls wohl kaum als Fehler ausgelegt werden. 


Und tatsächlich sah es nach dem Wechsel von Titz zu Wolf zunächst nach einer wesentlichen Verbesserung aus. Wolf zum Verhängnis wurde dann ein völliges Versagen der kompletten Mannschaft in der Rückrunde. Er schien den Zugriff auf seine Spieler verloren zu haben. Da die Mannschaft aber dennoch bis in den Schlussspurt der Saison zumindest mathematisch im Aufsichtsrennen blieb, kann es nicht verwundern, wenn bis zum vorvorletzten Spieltag über das Szenario eines weiteren Trainerwechsels, als letzten Strohhalm, nachgedacht wurde. 


Jansen soll drei Spieltage vor Schluss die Absetzung von Wolf gefordert haben - Hoffmann und der damalige Sportchef Ralf Becker sich aber dagegen ausgesprochen haben. Angeblich, weil Wolf ein schlüssiges Konzept vorgelegt haben soll. Das beißt sich aber ein wenig mit der faktischen Entwicklung nach der Saison, denn kurze Zeit später war Wolf beurlaubt - und Becker gleich mit. Hoffman sprach grollend von einem "Systemversagen der gesamten sportlichen Führung". 


Jansen und Hecking lächeln über Gerüchte


Selbst wenn Jansen also seine Hände in allen drei Trainer-Entlassungen gehabt haben soll: es fällt schwer, ihm dies jetzt zum Vorwurf zu machen bzw. daraus zu konstruieren, dass Jansen nun nichts anderes im Kopf habe, als auch noch Hecking abzusägen. Die zuletzt getätigten Aussagen Jansens gegenüber Heckings Person lassen diesen Schluss jedenfalls nur schwer zu. 


Und auch Hecking selbst wollte die Reaktionen Jansens beim besagten Spiel gegen Regensburg nicht überbewerten. "Er hat recht, wenn er sagt: Wenn man jede Unmutsäußerung des Präsidenten während eines Spiels als Trainerkritik auffasst, dann würden die 36 Bundesligaklubs in Deutschland wohl im Wochenrhythmus ihre Cheftrainer und übrigens auch die Spieler wechseln", sagte Hecking - mit einem Schmunzeln um den Lippen.