Neben den rein finanziellen Schäden, die die Fußballvereine derzeit wegstecken müssen, haben der Saison-Stopp und die sonstigen Folgen des Coronavirus auch maßgeblichen Einfluss auf Zukunftsplanungen - so auch der Kaderplanung. Bei ​Eintracht Frankfurt seien diese Konzepte nun "für die Tonne", so Fredi Bobic.


Unklarheiten bei zum Saisonende auslaufenden Verträgen, große wirtschaftliche Schäden, drohende Insolvenzen und Kaderplanungen, die nun nicht mehr passend sind. Die Folgen, die das Coronavirus in den Fußball einbringt, sind zwar verschieden, aber dennoch sind sie allesamt äußerst gefährlich für alle Vereine. 

Fredi Bobic


Schon früh in einer Saison wird mit den Planungen für die nächste Spielzeit begonnen - je näher die Verantwortlichen dem Saisonende kommen, desto konkreter und genauer werden die ausgedachten und erstellten Konzepte innerhalb eines Vereins. "Aber das alles ist jetzt komplett für die Tonne", erklärte Fredi Bobic im Spiegel. Der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt berichtete zudem, dass sie "schon vieles von dem vorbereitet" hatten, "was wir für den Kader der nächsten Saison machen wollten". Diese Planungen müssen nun vollständig verworfen werden. 


Bobic plant mit zwei Strategien für die SGE 


Welche finanziellen Möglichkeiten ein Verein selbst haben wird, welche Spieler auf den Markt kommen, welche Verkäufe die jeweiligen Klubs tätigen können - all das liegt nun völlig in der Luft. Schließlich wird jeder einzelne Verein möglichst sparen müssen, nach all den finanziellen Schäden, besonders durch die ausbleibenden TV-Gelder. Nur ganz wenige Klubs befinden sich in der schon beinahe luxuriösen Lage, überhaupt Rücklagen erwirtschaften und halten zu können. Bobic bezeichnete all diese Probleme, die auch mitsamt der fehlenden Ticketverkäufe und Marketing-Einnahmen umso gewichtiger werden, als einen "riesigen Rattenschwanz". 


"In dieser Situation sind Managementqualitäten gefragt", so Bobic weiter. Sonst habe man als Sportvorstand oder -direktor ein Gefühl für die oft kuriosen Vorgänge und die üblichen ​Abläufe des Transfermarkts gehabt, unter normalen Umständen, versteht sich. Doch jetzt, gibt der 48-Jährige zu, "ist dieses Gefühl weg". 

Fredi Bobic,Nico Schaefer

Fredi Bobic (3. v. l.) bei der DFL-Sitzung Mitte März



Um einen möglichst passenden und guten Plan vor Augen zu haben, wurde bei der SGE an zwei Strategien gearbeitet. Die eine Strategie soll greifen, falls so gut wie kein Transferbudget zur Verfügung steht. Hierbei müsste Bobic vor allem und primär die Situation anderer Vereine bedenken: "Auch die großen Klubs müssen sparen und ihre Aufgaben drosseln. So könnte man vielleicht einen tollen Spieler für wenig Geld bekommen." Mit etwas Budget würde er sich alternativ "einen Schattenkader mit Spielern erdenken, die man gern verpflichten würde", um diese Wünsche dann anzugehen. Zudem geht er davon aus, dass Leihgeschäfte zumindest kurzfristig eine größere Popularität erhalten werden. 


Eine weitere Veränderung des Transfermarkts, die Bobic erwartet, sind nun oftmals nutzlose Ausstiegsklauseln. Die dort in der Regel sehr hoch gegriffenen Ablösesummen wird in naher Zukunft kein Verein bezahlen wollen oder können, sodass dann doch eher verhandelt werden könnte. Auch Kader könnten sich verkleinern, da zahlreiche Klubs auch innerhalb der eigenen Mannschaft enger haushalten müssen. 


Aus all diesen Problemen und Ungewissheiten möchte Bobic aber auch etwas Positives mitnehmen: "Ich versuche, alles auch als Chance wahrzunehmen."