Aufgrund des Einstiegs privater Investoren und horrender TV-Einnahmen mangelt es den englischen Klubs nicht an Geld - allen voran nicht den Spielern. Trotzdem wird in der Premier League noch immer ein eifriger Diskurs darüber geführt, ob diese überhaupt auf ihr Gehalt verzichten sollen. Für Aufregung sorgt unter anderem der ​FC Liverpool.


Während Fußballspieler aus zahlreichen europäischen Ligen auf Teile ihrer Gehälter verzichten, um die Existenz ihrer Vereine zu sichern, ist davon in England noch keine Spur. Der Vorschlag der Premier League lautet, dass alle Profis in der Corona-Krise auf 30 Prozent verzichten, die Spielergewerkschaft PFA hat dafür aber kein Verständnis: "Wir sind uns der öffentlichen Meinung bewusst, dass die Spieler die Gehälter von nicht spielenden Mitarbeitern zahlen sollten. Unsere derzeitige Position ist jedoch, dass Vereine – wenn sie es sich leisten können, ihre Spieler und Mitarbeiter zu bezahlen – dies tun sollten", wird eine entsprechende Mitteilung von der ​FAZ zitiert. 


Von einer Kürzung der Spielergehälter würden nur die Anteilseigner profitieren: "In den Fällen, in denen die Vereine genügend Mittel haben, ihre Mitarbeiter zu bezahlen, wird die Maßnahme von Spielern, die Gehälter der nicht spielenden Mitarbeiter zu übernehmen, nur den Shareholdern zu Gute kommen." Das öffentlich finanzierte Gesundheitssystem würde dagegen wegen der geringeren Steuerzahlungen der Klubs Verluste von 200 Millionen Pfund erleiden.

Die Spieler selbst sind durchaus gewillt, ihren Teil zur Sicherung von Arbeitsplätzen beizutragen, fühlen sich in der öffentlichen Debatte jedoch zum Sündenbock gemacht. "Wir fühlen uns, als stehen wir mit dem Rücken zur Wand", sagte Linksverteidiger Danny Rose von Newcastle United gegenüber ​BBC Radio 5, dabei seien bereits Gespräche geführt worden, bevor der öffentliche Druck anstieg. "Es war einfach unnötig, dass Personen, die nichts mit Fußball zu tun haben, Fußballern vorschreiben wollen, was sie mit ihrem Geld zu tun haben. Ich empfand es als bizarr", so Rose weiter.


Liverpool schickt Angestellte in Zwangsurlaub


Anstatt die Gehälter ihrer Spieler zu kürzen, wählen die Klubs jedoch eine andere Herangehensweise. Nach Tottenham Hotspur, Norwich City, Newcastle United und AFC Bournemouth schickt nun auch der FC Liverpool einige Mitarbeiter in Zwangsurlaub und bedient sich an einem Regierungsprogramm, infolgedessen 80 Prozent der Gehälter vom Staat übernommen werden - die Klubs müssen also nur noch die übrigen 20 Prozent beisteuern, damit die Mitarbeiter keinen finanziellen Nachteil erleiden. 

"Jürgen Klopp hat seit Beginn der Pandemie Mitgefühl gezeigt. Dann ist der ganze Respekt und das Wohlwollen vergessen", kritisierte Ex-Abwehrspieler Jamie Carragher die Entscheidung des Klubs. Auch Dietmar Hamann, der gemeinsam mit Carragher 2005 die ​Champions League im Trikot des LFC gewann, wurde deutlich: "Dafür wurde diese Maßnahme nicht errichtet. Das steht im Gegensatz zu der Moral und den Werten des Klubs, die ich kennengelernt habe."

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