Werder-Keeper Michael Zetterer hat seine von Verletzungen geplagte Leidenszeit überwunden und steht mittlerweile als Leihgabe zwischen den Pfosten von PEC Zwolle. Im Interview mit 90min sprach er über die große Werder-Familie, seinen Freund Max Kruse, seine (grün-weiße) Zukunft, die aktuelle Situation und vieles mehr.


​Im Januar 2015 wechselte Zetterer als junges Torhütertalent von der SpVgg Unterhaching zum ​SV Werder Bremen. Hier wollte der damals erst 19-Jährige so richtig durchstarten und saß bereits als Stellvertreter von Felix Wiedwald auf der Bank. Ständige Handgelenksverletzungen warfen den Jungspund um beinahe zwei Jahre zurück. 

​Eine enorm ärgerliche Pechsträhne und Leidenszeit für den gebürtigen Münchener. Von dieser konnte 'Zetti' sich nun erholen und hütet aktuell das Gehäuse des niederländischen Eredivisie-Klubs PEC Zwolle. Zuvor verhalf ihn eine halbjährige Leihe an den österreichischen Zweitligisten Austria Klagenfurt zurück in die Spur. Dort kassierte er in 14 Partien der Rückrunde 2018/19 trotz 15 Gegentoren nur eine Niederlage, empfahl sich mit guten Leistungen für eine Vertragsverlängerung bis 2022 in Bremen und die aktuelle Zwei-Jahres-Leihe nach Holland. 

Michael Zetterer

Für Werders U23 lief der 24-Jährige bisher 23 Mal in der dritten sowie sieben Mal in der vierten Liga auf. Auf sein Bundesliga-Debüt wartet er noch. Sofern 'Zetti' verletzungsfrei und gestärkt zu Werder zurückkehren wird, spiele er "mit seinem Potenzial in unseren Planungen für das ​Bundesliga-Team nach wie vor eine Rolle", entgegnete Werder-Manager Frank Baumann seinem Spieler im Sommer durchaus mit Vertrauen. 


Exklusiv-Interview mit Michael Zetterer


90min: In Bremen spricht man immer wieder von einer großen ​Werder-Familie. Nimmst du das auch so wahr?
Zetti:Auf jeden Fall! Ich kann zwar nicht sagen, wie es bei anderen Bundesliga-Vereinen ist, weil ich bisher nur bei Werder war, aber man merkt einfach, dass es für jeden in Bremen das Größte ist und Werder einfach mehr als nur ein Fußball-Verein ist.

​90min: Mit ​Max Kruse warst du vor eineinhalb Jahren im Urlaub auf Sardinien. Tauscht ihr euch weiterhin regelmäßig aus? Wie würdest du Max in drei Worten beschreiben?
​​Zetti: Ja, das stimmt. Mit Max habe ich noch ein super Verhältnis und ich war auch schon in Istanbul zu Besuch. Drei Worte würde da nicht reichen. *zwinkern*

90min: Wie war deine Radtour von München nach Venedig mit deinem Bruder Alexander? Was hat euch auf die Idee gebracht?
​Zetti: Die Tour war auf jeden Fall sehr anstrengend und mal etwas komplett anderes als sonst. Es war eine super Erfahrung und hat auch eine Menge Spaß gebracht. Es war eine Idee von uns beiden, mal etwas anderes aus unserer freien Zeit zu machen und etwas von der Welt zu sehen. 

90min: Werder hat die Option, dich bereits im Sommer zurückzuholen. Derzeit läuft es für dich in Zwolle super. Wirst du bis zum Sommer 2021 in Holland spielen?

Zetti: Gute Frage, die aber in der momentanen Situation nicht wichtig ist. Ich gehe davon aus ein weiteres Jahr in Zwolle zu spielen. Aber momentan ist es nur wichtig, dass wir alle gesund bleiben und den Virus besiegen können!


"Die Vertragsverlängerung nach meiner Verletzung ist Zeichen genug, dass Werder etwas in mir sieht und ich absolut zu Werder stehe."

90min: Kannst du dir im Anschluss eine grün-weiße Zukunft vorstellen? Gilt dein Vertrag auch für die zweite Liga?

Zetti: Ja auf jeden Fall! Ich denke, die Vertragsverlängerung nach meiner Verletzung ist Zeichen genug, dass Werder etwas in mir sieht und ich absolut zu Werder stehe und mir das vorstellen kann. Mein Vertrag gilt auch für Liga zwei. 

​90min: Wie würdest du einen möglichen Werder-Abstieg bewerten? Wärst du bereit, für den SVW in Liga zwei den Kasten sauber zu halten?

​Zetti: Ich gehe wirklich davon aus, wenn die Saison noch einmal fortgesetzt werden sollte, dass Werder das noch schafft und nicht absteigt. 

​90min:
Du bist jetzt 24 Jahre alt, wo siehst du dich sportlich in zehn Jahren?
​Zetti: Das Allerwichtigste wäre gesund und verletzungsfrei zu sein. Wo, wird man sehen. Ich kann mir vieles vorstellen für meine Karriere. 

90min: Im Dezember 2015 gegen die ​Eintracht und im September 2017 gegen den ​HSV hast du vom Spielfeldrand die Gelbe Karte gesehen. Kochen die Emotionen bei dir schnell hoch? Was machst du vor und nach Spielen, um dich gegebenenfalls abzureagieren?
​​Zetti: Eigentlich muss ich sagen: Nein! Ich bin eigentlich ein relativ ruhiger Spieler gegenüber dem Schiedsrichter. Ich denke, dass das Emotionale zum Fußball gehört und manchmal kochen die Emotionen auch über, aber sobald abgepfiffen ist, sind diese dann auch wieder auf Normal-Puls. 

90min: Eine Frage zur aktuellen Situation: Wie sieht dein Alltag in Zeiten des Coronavirus aus? Wie hältst du dich fit? Und was machst du in deiner freien Zeit? 

​Zetti: Ich versuche einfach, mich so gut wie möglich daran zu halten, was die Experten sagen. Das heißt natürlich viel zu Hause bleiben, aber die Zeit kann man finde ich auch gut nutzen! Ich studiere seit dem letzten Jahr Sportmanagement. Da habe ich gerade viel Zeit um zu lernen und Hausarbeiten zu schreiben. Ansonsten haben wir Laufpläne und Kraftprogramme für zu Hause bekommen. Das ein oder andere YouTube-Video zu "Fitness zu Hause" hilft da aber auch mal aus. 

​90min: Dein aktuelles Studium ist sicherlich schon zukunftsorientiert für die Zeit nach deiner Profikarriere gedacht. Was könntest du dir da arbeitstechnisch am besten vorstellen? 
​Zetti: Ja natürlich, aber in erster Linie wollte ich einfach nebenbei etwas für den Kopf machen, ohne, dass ich schon ein genaues berufliches Ziel nach dem Sport habe. Aber ich kann mir vieles vorstellen. 


"Die Bundesliga ist noch professioneller und größer. Aber für junge Spieler, die ein Ziel vor Augen haben, ist die Liga hier sehr, sehr spannend."

90min: Du konntest nun schon ein wenig Luft außerhalb des deutschen Fußballs und der Bundesliga schnuppern. Inwiefern unterscheiden sich der österreichische Fußball und die Eredivisie von der Bundesliga?

Zetti: Also ich finde, als Torwart gibt es natürlich nicht so große Unterschiede im Spiel. Aber die Spiel-Geschwindigkeit und physische Spielweise sind in Deutschland schon höher als in Österreich und in den Niederlanden. Für mich ist der Fußball hier sehr spannend, da wir sehr viel Risiko im Spielaufbau eingehen und alles versuchen, fußballerisch und mit flachen Lösungen zu regeln. Der offensive Fußball steht hier im Vordergrund, das steht fest! Die Bundesliga ist, denke ich, noch etwas professioneller und größer. Aber für junge Spieler, die ein Ziel vor Augen haben, ist die Liga hier sehr, sehr spannend.


90min: Wie sieht dieser Unterschied auch fantechnisch aus? Vermisst du die Werder-Fans?

Zetti: Die Werder-Fans sind wirklich einzigartig. Ich weiß nicht, ob es sowas nochmal gibt. Diese bedingungslose Treue und Unterstützung ist wirklich sehr speziell. Die Stimmung hier ist auch gut, aber nicht zu vergleichen, da auch wenn die Stadien hier sehr gut besucht sind, diese meistens etwas kleiner sind als in Deutschland.

Vielen Dank für das tolle Interview. Das 90min-Team wünscht dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg. Bleib verletzungsfrei und gesund!