Zum ersten Januar hat Oliver Kahn den Dienst zum Vorstandsmitglied des ​FC Bayern angetreten, Ende 2021 wird er den Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge übernehmen. Schon jetzt arbeitet der ehemalige Bayern-Kapitän einflussreich mit und spricht über wichtige Details und Aspekte des Innenlebens im Verein.


Mit Oliver Kahn hat Bayern München einen klugen und erfolgsorientierten Kopf für die Führungsriege dazugewonnen - da sind sich viele Beobachter und Experten einig. Seit vergangenem Januar ist er bereits im Dienst. Seinen Einstieg in den neuen Job hätte er sich - angesichts der derzeitigen Coronavirus-Krise - jedoch etwas anders vorgestellt.


Kahn mit kompliziertem Start beim FC Bayern: Die Corona-Krise steht im Fokus


Im Interview mit der Sportbild erklärte der 50-Jährige, dass er sich seit seinem Amtsantritt bereits eine gute Übersicht verschaffen konnte: "Durch viele Gespräche und spezielle Workshop-Formate konnte ich mir ein gutes Bild über den Status quo und die Herausforderungen der jeweiligen Bereiche des Vereins machen." Dabei habe er "eine große Motivation innerhalb des Vereins wahrgenommen", um die anspruchsvollen Ziele der nächsten Jahre zu erreichen. Seit dem Ausbruch des Virus gehe es jedoch primär darum, die vorgeschriebenen Vorgaben bestmöglich umzusetzen und den (wirtschaftlichen) Schaden für den Klub möglichst gering zu halten. 

Hansi Flick,Oliver Kahn

Schon im Winter-Trainingslager verschaffte sich Kahn einen Überblick über die sportlichen Vorgänge


Dass ausgerechnet seine Anfangsmonate so torpediert werden, trifft ihn persönlich jedoch nicht: "Als ehemaliger Sportler und Unternehmer habe ich schon einige Krisensituationen erlebt, aber die Corona-Krise stellt in ihrem Ausmaß für uns alle absolutes Neuland dar." Ein möglicher positiver Effekt dieser Zeit ist es womöglich, "Schwächen und Anfälligkeiten eines Systems offenzulegen", wodurch es die Chance gebe, aus solchen Krisen gestärkt hervorzugehen, erklärte Kahn. In täglichen Videokonferenzen berät eine interne "Corona-Task-Force" über die nächsten Schritte.


Ob die Krise einen spürbaren Einfluss auf den Transfermarkt haben könnte, wollte Kahn nicht spekulieren. Allerdings zweifelte auch er an, ob sich die Ablöse- und Transfersummen in der nahen Zukunft weiterhin "in den bekannten Größenordnungen" bewegen werden - dabei schloss er die Gehälter ein.


Vorstandsmitglied Kahn bringt frischen Wind: Keine "steilen Hierarchien", dafür mehr Siegermentalität


Ende Dezember 2021 wird er planmäßig Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender beerben. Mit diesem Schritt möchte er jedoch keine "steilen Hierarchien und starre Vorgaben", machte er klar: "Ich bevorzuge einen partizipativen Führungsstil. [...] Entscheidungen zu treffen bedeutet heute, das vielfältige Wissen der Mitarbeiter einzubeziehen und offen zu sein für neue Perspektiven und gegensätzliche Standpunkte." Dies sei schließlich der Nährboden für positive Rückschlüsse und Veränderungen.


Einer der bereits getroffenen Maßnahmen seitens des ehemaligen Nationaltorhüters ist es, die Werte des FC Bayern stärker in die Transferplanungen einfließen zu lassen. Demnach sollen Aspekte wie "Siegermentalität, Demut, Disziplin und Durchhaltevermögen" eine größere Rolle spielen, wenn es um Gespräche über oder mit neuen Spielern geht. Dies sei ein logischer Schritt, da derartige Werte "genauso zum Anforderungsprofil gehören wie die sportliche Qualität eines Spielers". Zur Thematik um Leroy Sané wollte sich Kahn - auch diesbezüglich - nicht äußern, da er weiterhin ein Akteur von ​Manchester City ist. 

Hasan Salihamidzic,Oliver Kahn

Die Zusammenarbeit und den Austausch mit Sportdirektor Salihamidzic lobte Kahn ebenfalls


Der Transfer von Sané, der seit mittlerweile einem Jahr im Raum steht, wäre für den deutschen Rekordmeister ein sehr großes Paket - sportlich wie finanziell. Neben solchen Verpflichtung möchte Kahn jedoch auch den Fokus auf den eigenen Nachwuchs legen: "Es ist unser Ziel, immer wieder Nachwuchsspieler für die Profis [...] auszubilden, die das Potenzial haben, legitime Nachfolger von Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller, David Alaba oder Toni Kroos zu werden." 


Zudem solle sich der Klub von den internationalen Rekordablösen nicht treiben lassen, während die Vereinsführung aber immer das Ziel vor Augen hat, auch "in Zukunft europäische Topspieler im Kader" zu haben.


Nübel mit Möglichkeit "hinter Manuel Neuer zu lernen" - mehr Mitspracherecht für Trainer Flick


Eine Verpflichtung, die der Verein für den Sommer bereits eingetütet hat, ist die oftmals stark umstrittene von Alexander Nübel von ​Schalke 04. Die zukünftige Konkurrenz-Situation zwischen ihm und Manuel Neuer könne allerdings "überhaupt nicht" mit der zwischen Kahn und Jens Lehmann verglichen werden. Für Nübel sieht er vor allem einen sportlichen Vorteil, der zugleich das Standing der beiden Keeper betont: "[Nübel] besitzt die Möglichkeit, sich hinter Manuel Neuer zu entwickeln und zu lernen." Neuer, dessen ​Vertragsgespräche momentan aufgrund der neuen Laufzeit stocken, bezeichnete Kahn indes als Identifikationsfigur des Klubs, der für Erfolg und Kontinuität stehe, ebenso wie Thomas Müller. Bei den anvisierten Verlängerungen der beiden attestierte das neue Vorstandsmitglied dem Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine "zielorientierte und strukturierte" Arbeitsweise. 


Dass Trainer Hansi Flick über derartige Themen in Zukunft gerne ein Mitsprache- und sogar ein Veto-Recht hätte, sieht Kahn nicht als problematisch an: "Der Trainer kann und soll seine Vorstellungen einbringen. Es gehört zur Kultur des FC Bayern, intern hart in der Sache zu diskutieren." Zudem sei der Coach stets "ein ganz wichtiger Faktor bei Transferüberlegungen", so auch Flick, dessen eigene Zukunft an der Säbener Straße bereits so gut wie sicher fortgesetzt werden dürfte. Dazu wich der Titan jedoch elegant aus.