​Matthias Ginter gehört zu den absoluten Stammspielern bei ​Borussia Mönchengladbach. Der Abwehrchef der Fohlen wurde zuletzt auch in der EM-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft regelmäßig von Joachim Löw in die Startelf berufen. Ansonsten nicht gerade als Lautsprecher bekannt, zeigte Ginter nun, dass er ein wesentlich kritischerer Geist ist, als es sein eher ruhiges und unauffälliges Verhalten auf dem Platz vermuten lässt.


Insgesamt 220 Spiele in der ​Bundesliga hat Matthias Ginter bereits für den ​SC Freiburg​Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach bestritten. Zudem vertrat er in 29 Länderspielen die deutschen Farben und hat bis zum heutigen Tag eine für einen Innenverteidiger erstaunliche Bilanz: Ginter flog in seiner gesamten Profikarriere nicht ein einziges Mal vom Platz.


Im Durchschnitt sieht der gebürtige Freiburger gar nur in jedem 13. Bundesligaspiel eine Gelbe Karte. Oft wird ihm diese Statistik als fehlende Aggressivität oder mangelnde Härte ausgelegt, doch seine bisherigen Trainer scheinen anderer Meinung zu sein. So abgeklärt Ginter auf dem Feld agiert, so deutlich sind seine auf die momentane Corona-Krise bezogenen Worte in Richtung des Fußballs - und der Gesellschaft.


"Wir wissen doch alle, wie der Fußball tickt"


In einem Video-Interview mit dem SWR sollte Ginter seine Einschätzung zu den Veränderungen im Alltag in der momentanen Krise und inwiefern die Menschen daraus lernen können abgeben​. 

Der 26-Jährige gibt sich in seiner Antwort sehr kritisch: 


"Wenn es wieder um Punkte geht, bezweifele ich, dass man die Hintergedanken beibehält, die wir jetzt in der Corona-Krise gesammelt haben. Wir wissen doch alle, wie der Fußball tickt", sagt Ginter bezogen auf die momentan exzessiv zur Schau gestellte Solidarität der Profis und Vereine und die angestrengten Diskussionen um Reformen im Transferbereich oder des Umgangs miteinander. 

Matthias Ginter

Erwartet keine bleibenden Verbesserungen - Matthias Ginter



Auch für die nachhaltige Entwicklung innerhalb der Gesellschaft sieht Ginter eher schwarz.

"Es ist wichtig, dass wir alles dafür tun sollten, die Gemeinschaft und die Solidarität beizubehalten. Aber nach den Anschlägen hieß es, es wird alles sicherer. Und vor zehn Jahren mit Robert Enke war der Aufschrei auch groß, vieles müsse sich im Umgang ändern. Aber nach ein, zwei Monaten war wieder alles beim Alten", legt Ginter den Finger in die klaffende Wunde des schnellen Vergessens der Menschen. 


Gute Vorsätze allein reichen nicht aus und ein Zusammenhalt in der Krise ist leicht hergestellt, doch die Schwierigkeit besteht darin, diese Reformen im Denken und Handeln gerade untereinander auch auf die Zeit danach zu übertragen. Gerade die Thematik um den Suizid von Robert Enke im Jahr 2009 verdeutlicht, wie schnelllebig nicht nur das Fußballgeschäft, sondern auch die Verhaltensweisen der Menschen geworden sind. 


Während in der Zeit nach Enkes Tod jeder davon redete, wie wichtig ein respektvoller Umgang miteinander ist, zeigte sich kurze Zeit später wieder die gleiche hässliche Fratze, die man doch eigentlich nie mehr sehen wollte. Medien hetzten schlimmer als zuvor gegen Profis und Schiedsrichter, Zuschauer sendeten Morddrohungen an Profis und Schiedsrichter, Trainer wurden permanent aus ihrem Amt geschrieben und die Proteste gegen Dietmar Hopp in ihrer unmenschlichen Art sollen auch nicht unerwähnt bleiben.


Ginter verdient für seine mahnenden Aussagen Respekt und man kann sich ihm nur anschließen, wenn er abschließend sagt:


"Ich hoffe natürlich, dass es jetzt anders wird."