​Das jüngste Beben im Hamburger Volkspark, kulminierend in der Entlassung von Vorstandsboss Bernd Hoffmann und in den Rücktritten der Aufsichtsräte Max-Arnold Köttgen (bis dato Chef des Kontrollgremiums) und Thomas Schulze, wirkt im schwarz-weiß-blauen Teil der Hansestadt immer noch nach. Vereinslegende Uwe Seeler hofft, dass der ​HSV in der neuen Konstellation schnellstmöglich zur Ruhe kommt - und setzt dabei auf den neuen starken Mann im Klub.


Gegenüber Sport1 erklärte "Uns Uwe", dass sich der Klub "viele Krisen (...) nicht mehr erlauben" könne. Auch hoffe er, "das die aktuellen Streitereien die Mannschaft nicht zu sehr beeinflussen". Nun, zumindest findet momentan kein regulärer Spielbetrieb statt, von dem man etwaige psychische Folgen der Krise (also der HSV-Krise!) auf die Spieler ablesen könnte. Denn über der HSV-Krise schwebt bekanntlich die panglobale Corona-Problematik. Und da diese auch noch ein paar Monate andauern wird, kann man davon ausgehen, dass der Knatsch in der Führungsetages des Klubs dann in den Köpfen der Profis wohl keine große Rolle mehr spielen wird. 


Seeler zweifelt an Rückkehr in die Bundesliga


Konkret auf die sportlichen Geschicke "seines" HSV angesprochen, stimmte Seeler gleichfalls eher negative Töne an und sieht das große Ziel Wiederaufstieg in großer Gefahr: "Nach den Spielen zuletzt habe ich so meine Zweifel." Die er wohl nicht exklusiv haben dürfte. 


Zumal am Dienstag die DFL die Grundlinien für ein Vorgehen skizziert hat, das in Kraft treten könnte, wenn denn am Ende die Saison tatsächlich abgebrochen werden müsste: Der HSV (als aktueller Tabellendritter der Zweiten Liga) würde diesem Szenario zufolge ein weiteres Jahr im Unterhaus verbleiben müssen. Eine Relegation würde dann nämlich nicht mehr ausgespielt. Arminia und der VfB stiegen auf. 


Doch unabhängig von solch einem worst-case-Szenario fand Seeler auch ein paar positive Worte. Die vor allem dem neuen starken Mann im Klub galten:​ Marcell Jansen. Seit dem Wochenende ist dieser nun Präsident des Gesamtvereins (e.V.) und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Fußball AG in Personalunion. 


Für Seeler eine optimale Besetzung: "Ich glaube, dass Jansen prädestiniert für diese Aufgabe ist, er ist jetzt die beste Lösung. Er ist Sportler, kennt das Geschäft und ist kein Dummkopf, sondern ein freundlicher und integrer Mensch. Seine Art gefällt mir einfach." 


Der solchermaßen Gelobte bemühte sich in einer gestrigen Stellungnahme gegenüber Medienvertretern noch einmal, die Gerüchte auszuräumen, nach denen er nun den Sprung auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden plane. "Ich weiß nicht, was in ein paar Jahren ist", so Jansen, "aber ich habe diesbezüglich keine persönliche Agenda und möchte mindestens meine Amtszeit bis 2022 ausfüllen." Worte, die man erstmal so zur Kenntnis nehmen kann. Denen man aber angesichts der schnell entzündbaren Stimmung in dem Klub auch nicht zuviel Bedeutung beimessen sollte. 


Erstmal muss jetzt wieder Ruhe in den Verein kommen


Doch Jansen könnte tatsächlich eher die langfristige Strategie planen. Sich jetzt in das von Bernd Hoffmann freigemachte Nest zu setzen, könnte ihn in den Verdacht geraten lassen, eigene Ambitionen denen des Klubs voranzustellen. Unter anderen war ja gerade dies einer der Vorwürfe, die Hoffmann zum Verhängnis wurden. Hinzu kommt, dass es momentan im Klub wohl eine Art Spaltung in ein Kühne- (und damit Jansen-) freundliches Lager und in die Fraktion pro-Hoffmann gibt. Eine Machtübernahme des Vorstandspostens durch Jansen würde von diesen wohl als eine Putsch angesehen - und mit der Ruhe für den Klub wäre es dann völlig vorbei. 


Nein, unabhängig von Namen und Posten muss jetzt vor allem das Grundrauschen im Verein wieder auf normales Maß reduziert werden. Zumal man inmitten der Coronakrise auch wirklich existenzbedrohenden Zeiten entgegenblickt. Wie sagte Jansen am Samstag sinngemäß: Teamfähigkeit und einheitliches Handeln sind jetzt gefragt. Von allen.