​Am Dienstag beraten DFL und die 36 Klubvertreter der ersten und zweiten ​Bundesliga erneut über das Vorgehen in der Coronakrise. DFL-Chef Christian Seifert will den Vereinen per Videokonferenz übermitteln, dass man alles daran setzen wird, die Saison zu einem Ende zu bringen. Ein wahrscheinliches Notfallszenario für einen erzwungenen Saisonabbruch soll es ebenfalls geben.


Die Vertreter sind dabei aufgefordert, Pläne für den Worst Case vorzulegen. Etwa, wenn die Saison abgebrochen werden muss, weil sich die Folgen der Pandemie zu lange hinziehen und auch Geisterspiele nicht möglich sein würden.


750 Millionen Euro fehlender TV-Gelder, Zuschauer- und Sponsoren-Einnahmen würden dann ein riesiges Loch in die Verbands- und Klubkassen reißen. Die DFL wäre in einem solchen Fall nach Bild-Informationen allerdings wegen höherer Gewalt nicht haftbar. Anders als bei einem freiwilligen Abbruch, etwa wie es die Eishockey-Liga bereits gemacht hat: Dann kämen wohl noch Schadensersatzklagen der Medienpartner in einem dreistelligen Millionenbereich hinzu.


Doch die DFL will für mögliche Abbruch-Szenarien oder eine verkürzte Spielzeit mit weniger als 34 Spieltagen vorbereitet sein. Die Liga hat Juristen und Betriebswirte beauftragt, Lösungen zu finden, um möglichen Schadensersatzklagen der Klubs abzuwenden, sollte eine Tabelle ohne die komplette Anzahl der Spiele gewertet werden.


Die derzeit wahrscheinlichste Variante bei einem Bundesliga-Abbruch:


  • ​Keine Absteiger in der Bundesliga und ​zweiten Liga. Aus dem Unterhaus würde es zwei Aufsteiger geben. So würden beide Ligen in der kommenden Spielzeit mit 20 Teams an den Start gehen


Der Vorteil dieser Variante: 

Vier Spieltage mehr in der nächsten Saison - auch als Ausgleich für die TV-Sender (DAZN, Sky) für die möglichen Ausfälle in der aktuellen Runde.


Die Startplätze für die Champions und Europa League würden ebenfalls nach derzeitigem Stand vergeben werden. Hier dürfte die Gefahr von Klagen aber deutlich höher sein: Jeder weitere Platz weiter oben in der Tabelle bedeutet für die Klubs mehr TV-Geld. Der Unterschied zwischen einer Teilnahme in der Königsklasse und in der Europa League ist zudem finanziell sehr groß.


Je nach Punkteabstand und der Anzahl der nicht ausgetragenen Spiele wäre die Gefahr von Schadensersatzklagen zu bemessen. Die Klub-Verantwortlichen könnten gar genötigt dazu sein, um von Investoren wegen Untätigkeit nicht haftbar gemacht werden zu können. 


Nur wenn alle 36 Klubs für die Wertung der aktuellen Tabelle auch bei einer Verkürzung der Saison stimmen, wäre das Problem gelöst. Hierbei ginge es aber nicht nur um Solidarität sondern auch Fairness. Je nachdem auf welcher Seite man steht, kann man dies natürlich völlig unterschiedlich bewerten. Ein Dilemma!


Lizenserleichterungen und mögliche Szenarien


​Neben diesem Worst-Case-Szenario wird Seifert den Klubs wohl Anpassungen für das Lizensierungsverfahren präsentieren. Dies soll wegen der aktuellen Krisensituation deutlich erleichtert werden. Nur so wird es wohl auch möglich sein, dass ein Großteil der Klubs die Lizenz für die jeweilige Liga überhaupt erhalten kann.


Dazu soll ein Plan gezeigt werden, wie die Saison von Mai bi 30. Juni fortgesetzt werden könnte, damit die ausstehende TV-Rate von 330 Millionen Euro ausgezahlt wird.


Sky, als Hauptrechteinhaber, soll derzeit rund zwölf Millionen Euro pro ausgefallenen Spieltag verlieren. Dazu verliert der Pay-TV-Sender durch die Spielabsagen Abo-Kunden.